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Die Guttenbergs: Auf dem Weg nach oben

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Ehepaar Guttenberg Duracell-Paar der deutschen Politik

Karl-Theodor zu Guttenberg boxt fast im Alleingang die Aussetzung der Wehrpflicht durch, seine Gattin veröffentlicht medienwirksam ein Buch gegen Kindesmissbrauch: Das Paar setzt eigene Akzente, empfiehlt sich für höhere Aufgaben - und beherrscht die Kunst der Inszenierung.

schwächelnden CSU

Er ist ein Phänomen: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg forciert in Rekordzeit den Umbau der Bundeswehr, gilt als großer Hoffnungsträger der , und seine politischen Gegner sehen meist alt aus gegen den 38-Jährigen. Am Montagabend verkündete er in einer TV-Talkshow seinen jüngsten Reformplan: Beim Aussetzen der Wehrpflicht soll auch die Musterung junger Männer entfallen.

Der adelige Minister ist in der Bevölkerung beliebt. Politische Affären wie der Wirbel um das Kunduz-Bombardement scheinen an ihm spurlos vorüberzugehen. Guttenberg lächelt seine Patzer in der Causa einfach weg. Er ist ein Meister der Inszenierung - genau wie seine Frau Stephanie. Bei Auftritten überlassen beide nichts dem Zufall: Der Minister posiert in Afghanistan in Einzelkämpfermanier mit straff sitzendem Bundeswehr-Shirt und Tom-Cruise-Sonnenbrille; die Gattin präsentiert sich stets wie aus dem Ei gepellt, fast wie ein Mütter-Model in einer Peek-&-Cloppenburg-Werbung. Das lässt das deutsche Wählerherz höher schlagen.

Doch auch der politische Nahkampf ist beiden nicht fremd. Nun legt sich Guttenbergs Frau mit der Unterhaltungsbranche an. Diesmal geht es wohl nicht allein ums Kalkül, sondern um eine echte Herzensangelegenheit. Frau Guttenberg engagiert sich seit Jahren sehr ernsthaft gegen Kindesmissbrauch. Jetzt hat sie ein Buch über ihre Arbeit als Präsidentin der deutschen Abteilung von "Innocence in Danger" veröffentlicht, einem Verein gegen Kindesmissbrauch.

Kritik an Topmodelshows im Privatfernsehen

"Schaut nicht weg! Was wir gegen sexuellen Missbrauch tun müssen", heißt das 180-seitige Werk, das die Ur-Urenkelin des ersten deutschen Reichskanzlers, Otto von Bismarck, geschrieben hat, um über das Thema zu informieren und wachzurütteln.

"Pornos im Internet, Popsängerinnen in Bondage-Outfits und Topmodelshows im Privatfernsehen erschweren Kindern und Jugendlichen die Entwicklung eines positiven Körperbildes und einer ichbezogenen Sexualität", schreibt die Mutter zweier Kinder in ihrem Buch. Sie warnt vor einschlägigen Porno-Portalen im Internet, den falschen Vorbildern Jugendlicher und behandelt verschiedene Studien zur Thematik.

Es ist ein wichtiges Thema, dessen sich Stephanie zu Guttenberg angenommen hat: Die sogenannte "Generation Porno" ist Realität. Gleichzeitig setzt die Ministergattin so medienwirksam eigene Akzente und zeigt, dass sie andere Interessen und Fähigkeiten hat als ihr Mann.

Selbst vor der Lieblingssendung vieler pubertierender Teenager und alternder Vorstadtmütter namens "Germanys's Next Top Model" macht Guttenberg nicht halt. Weil sie die Sendung des Models Heidi Klum in einem Atemzug mit der US-Sex-Ikone Lady Gaga nannte, feuerte Klums Vater prompt zurück. Der Agentur APD sagte er, es sei unverständlich, warum Guttenberg die Sendung in einen Topf werfe mit Lady Gaga. Dies habe nichts miteinander zu tun.

In einer Tradition mit Loki Schmidt und Hannelore Kohl

Dass sich Partner von Ministern so öffentlich engagieren, ist ungewöhnlich. Wer kennt schon Frau Niebel oder Herrn von der Leyen? Stephanie zu Guttenberg stellt sich damit eher in eine Tradition ehemaliger Bundeskanzlergattinen, wie Loki Schmidt, der Frau des Alt-Kanzlers Helmut Schmidt (SPD), der verstorbenen Hannelore Kohl, der ersten Frau von Helmut Kohl (CDU), und Doris Schröder-Köpf. Sie alle gründeten nach der Amtsübernahme ihrer Männer wohltätige und gesellschaftsrelevante Initiativen.

Loki Schmidt beispielsweise rief 1976 eine Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen ins Leben, veröffentlichte mehrere Bücher zur Thematik und begleitete Wissenschaftlerteams des Max-Planck-Instituts auf Forschungsreisen. Hannelore Kohl gründete ein Jahr, nachdem ihr Mann Kanzler geworden war, das "Kuratorium ZNS" für Unfallverletzte mit Schäden des Nervensystems. Auch Doris Schröder-Köpf war während der Amtszeit Gerhard Schröders (SPD) Schirmherrin verschiedener Initiativen.

Stephanie zu Guttenberg engagiert sich nun schon seit sechs Jahren gegen Kindesmissbrauch. Sie und ihr Mann sind eine Art Duracell-Paar der deutschen Politik, dessen Batterien nie leer zu sein scheinen.

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