Zur Ausgabe
Artikel 20 / 66
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Markus Feldenkirchen

Debatte über Lastenfahrräder und Wasserfahrräder Ein bayerischer Visionär

Markus Feldenkirchen
Eine Kolumne von Markus Feldenkirchen
Andreas Scheuer wurde lange unterschätzt. Jetzt zeigt sich aber, dass er nicht nur seinen politischen Konkurrenten um Längen voraus ist. Sondern auch seiner Zeit.
aus DER SPIEGEL 35/2021
Verkehrsminister Scheuer auf Lastenfahrrad (Archivbild)

Verkehrsminister Scheuer auf Lastenfahrrad (Archivbild)

Foto: DPA

Der andauernde Spott über den Bundesverkehrsminister ist ebenso unfair wie ermüdend. Nur weil bei der Einführung der Maut nicht alles rundlief, muss Andreas Scheuer kein schlechter Minister sein. Sein Ding ist ohnehin nicht die Vergangenheit – ganz im Gegenteil: Sein Ding ist die Zukunft.

In dieser Woche verbreitete Scheuer auf Twitter ein Werbefilmchen für ein sogenanntes »hydrofoil water bike«, eine Art Trimm-dich-Fahrrad, mit dem man übers Wasser gleiten kann, wenn man schnell genug strampelt. »Dieses Bike ist Beispiel dafür, wie #Klimainnovation funktioniert«, schrieb Scheuer in seiner chronisch unverdrossenen Zukunftszugewandtheit. Und: »Wir als CDU/CSU setzen beim #Klima auf Erfindergeist & Innovation.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Tatsächlich ist das Wasserbike als tragende Säule der Verkehrswende bislang sträflich vernachlässigt worden. Pendlern im Hunsrück oder in der Lüneburger Heide würde es einen ebenso flotten wie klimaneutralen Weg zur Arbeit ermöglichen. Aber auch in Darmstadt, Leipzig oder Mönchengladbach. Warum, bitte, sollte man seinen Diesel nicht gegen ein Wasserbike eintauschen, nur weil Wasserstraßen fehlen? Und wäre die klimaschädliche Kreuzfahrtindustrie nicht rasch Geschichte, wenn allen Rentnern Wasserbikes zur Gestaltung der Freizeit zur Verfügung stünden?

Am Tag, als Andi Scheuer mit seiner ganz eigenen Klimainnovation um die Ecke kam, diskutierte das Land gerade über einen vergleichsweise weltfremden Vorschlag der Grünen. Die wollen die Anschaffung von Lastenfahrrädern mit 1000 Euro Prämie fördern. Darauf muss man erst mal kommen.

Der größte Nachteil des Lastenfahrrads aber wird bislang gern übersehen: Es kann nicht mal übers Wasser fahren.

Was will man mit Lastenfahrrädern denn, bitte schön, transportieren? Außer Kinder, Tiere, Möbel, die alltäglichen Einkäufe oder was man sonst noch so braucht? Die Einsatzmöglichkeiten scheinen arg begrenzt. Schlimm ist auch, dass die klobigen Traumgefährte der Grünen anderen Verkehrsteilnehmern unverschämt viel Platz wegnehmen. Statt zwei Lastenfahrrädern könnte beispielsweise ein kompletter Porsche Cayenne einen Parkplatz finden. Was für eine Platzverschwendung! Der größte Nachteil des Lastenfahrrads aber wird bislang gern übersehen: Es kann nicht mal übers Wasser fahren. Die Stiftung Warentest soll bei Testfahrten auf offenen Gewässern festgestellt haben, dass ein Lastenfahrrad sogar noch schneller sinkt als ein herkömmliches Fahrrad.

Und damit wären wir wieder beim Wasserbike. Es zeigt sich, dass Scheuer seinen politischen Mitbewerbern meilenweit voraus ist. Während andere darüber reden, wie man den Klimawandel noch stoppen könnte, denkt der Visionär bereits an die Zeit nach der großen Gletscherschmelze, an eine Welt mit stark gestiegenem Meerespegel. Spätestens dann wird die Häme über Scheuers Wasserbike ein Ende haben.

Zur Ausgabe
Artikel 20 / 66
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.