"Ein Europa für alle" Zehntausende demonstrieren gegen Nationalismus

In einer Woche ist Europawahl, viele befürchten einen Aufschwung der Rechtspopulisten. Dagegen haben Zehntausende Menschen unter anderem in Berlin, Wien, Paris und London ein Zeichen gesetzt.

Paul Zinken/ DPA

"Ein Europa für alle - Deine Stimme gegen Nationalismus" lautete das Motto, unter dem am Sonntag Zehntausende Menschen in Deutschland demonstriert haben. Insgesamt 150.000 Teilnehmer meldeten die Veranstalter in Berlin und sechs weiteren deutschen Großstädten. Auch Spitzenpolitiker gingen auf die Straße.

Die laut den Veranstaltern größte Aktion fand in Köln statt. Allein 45.000 Demonstranten sollen es dort gewesen sein. Andere Beobachter schätzten die Teilnehmerzahl eher auf 20.000. Auch in anderen Städten lagen die Schätzungen von Veranstaltern, Beobachtern und Polizei - wie so oft - teils auseinander.

Sicher ist jedoch, dass in Köln die SPD-Chefin Andrea Nahles mitlief. Sie wurde begleitet von Katarina Barley und Udo Bullmann, den Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten bei der Europawahl.

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Der Auftakt in Berlin war am Alexanderplatz. Dort versammelten sich am Mittag Tausende zu einer Kundgebung. Von Mitte aus zog die Menge dann in Richtung Siegessäule. Insgesamt nahmen laut Veranstalter in der Hauptstadt rund 20.000 Demonstranten teil, darunter Linken-Parteichefin Katja Kipping.

Ähnlich viele Menschen folgten den Veranstaltern zufolge dem Aufruf für die bayerische Landeshauptstadt. Die Polizei in München sprach hingegen von rund 10.000 Menschen. In Frankfurt waren 14.000 (Polizei) bis 16.000 (Veranstalter) auf der Straße, in Hamburg 10.000 (Polizei) bis 15.000 (Veranstalter). Die Stuttgarter Demo meldete gut 12.000 Demonstranten und Leipzig 10.000.

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Zu den Protesten aufgerufen hatte das Bündnis "Ein Europa für alle". Dazu gehören mehr als 400 Initiativen wie das Kampagnennetzwerk Campact, Greenpeace oder die Hilfsorganisation Oxfam. Auch kirchliche Organisationen und Gewerkschaften sowie Wohlfahrts- und Sozialverbände beteiligten sich.

"Rechtsstaatlichkeit über Grenzen hinweg"

"In Zeiten nationaler Alleingänge ist es wichtiger denn je, dass wir uns als solidarische Gesellschaft für ein Europa einsetzen - ein Europa, das Demokratie und Rechtsstaatlichkeit über Grenzen hinweg verwirklicht", erklärten die Veranstalter. Sie riefen zudem alle Bürger Europas auf, am kommenden Sonntag wählen zu gehen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) lief nicht, sondern tippte:

Maas hatte zuvor zur Teilnahme aufgerufen. "Macht mit, seid laut! Wir sind die Mehrheit, nicht die Ewiggestrigen und Nationalisten", twitterte er.

Der Spitzenkandidat der Grünen für die Europawahl, Sven Giegold, sieht in der großen Teilnehmerzahl einen "Handlungsauftrag für die Bundesregierung für eine aktivere Europapolitik". Statt sich von der AfD "einschüchtern" zu lassen, solle sich die Große Koalition nach der Europawahl für ein solidarisches Europa einsetzen, forderte Giegold.

Gegen den internationalen Rechtsruck und für ein Europa der Menschenrechte, Demokratie, der sozialen Gerechtigkeit und des Klimaschutzes machten auch andere Europäer mobil. Aktionen gab es unter anderem in Österreich, Polen, Frankreich, Großbritannien und Bulgarien.

löw/AFP/dpa



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