Eingliederungspolitik Zuwanderer sollen länger lernen

Die Integrationskurse für Zuwanderer sollen nach dem Willen der großen Koalition ausgebaut werden. Statt bisher 630 Stunden sollen die Teilnehmer künftig etwa 900 Stunden deutsche Sprache, Geschichte und Kultur büffeln.


Berlin - Vertreter von Union und SPD haben sich in einer Arbeitsgruppe zur Reform des Zuwanderungsgesetzes auf die Verlängerung der Kurse verständigt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Dienstagsausgabe). "Es gibt einen großen Konsens bei der Fortentwicklung dieser Kurse", sagte der zuständige CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel dem Blatt.

Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Unterricht erreichten zu wenige Zuwanderer das angestrebte Sprachniveau. Weniger als ein Drittel bestehe die Tests. Daher solle die Kursdauer zumindest für Jugendliche und für Frauen verlängert werden, sagte Grindel. Ein Ausbau für alle Teilnehmer sei wohl nicht finanzierbar.

Der Bund hatte der "Süddeutschen" zufolge für 2005 noch 208 Millionen Euro für die Kurse eingeplant. Diese Summe war jedoch für das laufende Jahr auf 141 Millionen Euro gekürzt worden, weil das Geld nicht verbraucht worden war. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte aber angekündigt, dass bei Bedarf weitere Haushaltsmittel zur Verfügung stünden.

Die Anfang 2005 eingeführten Integrationskurse gelten als Kernstück der Eingliederungspolitik des Bundes. Sie vermitteln den Zuwanderern neben Sprachkenntnissen auch Grundwissen zu Rechtsordnung, Geschichte und Kultur Deutschlands. Bislang haben dem Zeitungsbericht zufolge fast 170.000 Menschen daran teilgenommen. Der Großteil stammte aus der Türkei und aus Russland. Grindel zufolge stellt sich nur knapp die Hälfte der Teilnehmer der bisher freiwilligen Abschlussprüfung. Ein Pflichttest solle jedoch nicht eingeführt werden.

kp/dpa/Reuters



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