Einheitsgedenken Kohls Frontalangriff gegen Rot-Grün

Schröder, Fischer und Rau - gegen alle drei teilte Altkanzler Helmut Kohl in seiner Rede zum zehnten Jahrestag der deutschen Einheit kräftig aus. Verräter des Verfassungsziels seien sie gewesen, weil sie die Einheit bis unmittelbar vor der Verwirklichung aufgegeben hätten.


Merkel und Kohl im Tränenpalast
REUTERS

Merkel und Kohl im Tränenpalast

Berlin - Kohl erinnerte an das gemeinsame Grundsatzpapier von SED und SPD im August 1987. Darin hatten beide Seiten versichert, dass sie dem jeweils anderen deutschen Staat ihre Existenz nicht absprechen wollen. Damit habe die SPD die Einheit in dem Jahr aufgegeben, in dem Johannes Rau Kanzlerkandidat seiner Partei gewesen sei. Im Gegensatz dazu habe sich die Union stets "als Partei der Einheit verstanden".

Der jetzige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe kurz vor dem Mauerfall gesagt, es gebe keine Chance für die Wiedervereinigung. Den heutigen Außenminister Joschka Fischer zitierte Kohl mit den Worten: "Vergessen wir die Wiedervereinigung, halten wir die nächsten 20 Jahre die Schnauze darüber."

Das Bundespräsidialamt reagierte auf die Vorwürfe Kohls irritiert und stellte Raus Haltung zu dem Papier klar. Eine Sprecherin sagte, Rau habe als Ministerpräsident von Nordrhein- Westfalen damals öffentlich Zweifel über das SPD-SED-Papier geäußert. Er habe aber seine Zweifel zurückgenommen, nachdem viele Menschen in der DDR gesagt hätten, sie könnten einfordern, was da geschrieben worden sei.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) warf der CDU vor, "die deutsche Vereinigung zum alleinigen Verdienst der CDU zu machen." Dies sei "Verfälschung der geschichtlichen Fakten". Der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel erklärte, Kohl habe "einen Beitrag" zur deutschen Einheit geleistet. Aber auch Willy Brandt komme ein entscheidender Beitrag zu.





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