Einsätze gegen Demonstranten Castor-Transport kostet mehr als 20 Millionen Euro

Es waren die heftigsten Anti-Atom-Proteste seit Jahren: Demonstranten verzögerten die Ankunft der Castor-Behälter um fast einen Tag. Das treibt die Kosten für den Polizeieinsatz hoch.

Hannover - Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann hat eine einfache Erklärung für die Kostensteigerung parat: "Wir sind auf deutlich mehr gewaltbereite Demonstranten gestoßen", sagte der CDU-Politiker der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Bisher war von 20 Millionen Euro ausgegangen worden.

Der Polizeieinsatz zur Begleitung des Castor-Transports ins Zwischenlager Gorleben sei aufwendiger und schwieriger als 2006 gewesen. Niedersachsen dürfe nicht allein auf den Kosten sitzenbleiben: "Die anderen Länder sollten sich beteiligen", forderte er. Schließlich erfülle die Polizei mit dem Schutz der Castor-Transporte eine bundesweite Aufgabe. Mit seiner Forderung nach einer Beteiligung der anderen Länder war Niedersachsen 2006 erfolglos geblieben.

In der Nacht zum Dienstag hatte der elfte Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll am Dienstag nach fast 80 Stunden Fahrt das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen erreicht - begleitet von heftigen Protesten.

Die elf Behälter mit Resten alter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken trafen gegen 0.17 Uhr in Gorleben ein, fast einen Tag später als geplant. Die Polizei löste zuvor mehrere Blockaden von Kernkraftgegnern auf. Die Beamten beklagten eine hohe Gewaltbereitschaft einiger Protestierer. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte die Blockade-Aktionen. "Das Besetzen von Gleisen können wir nicht akzeptieren", sagte Gabriel. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, rügte die vorsichtige Einsatztaktik der Behörden scharf. "Der Staat hat sich von den Atomkraftgegnern peinlich vorführen lassen."

In Grippel hatten sich acht Protestierer an Betonpyramiden festgebunden. Die Polizei benötigte rund elf Stunden, bis sie am späten Montagabend die Atomkraftgegner frei bekommen hatte. Bei anschließenden Störversuchen von Demonstranten setzte die Polizei Wasserwerfer ein. Vor dem Zwischenlager selbst hatten rund 1000 Demonstranten bis Montagnachmittag die Zufahrt blockiert. Sie hatten dort teilweise seit Samstag kampiert. Die Polizei trug die Protestler am späten Nachmittag einzeln von der Straße.

Streit gab es um die Strahlung des Transportes. Bei den offiziellen repräsentativen Messung von insgesamt drei der elf Behälter in Dannenberg seien alle Grenzwerte eingehalten worden, betonte das niedersächsische Umweltministerium. Dagegen kritisierte Greenpeace unter Hinweis auf eigene Messungen, die erstmals für die Fahrt nach Gorleben verwendeten französischen Atommüll-Behälter TN 85 setzten deutlich mehr Neutronenstrahlung frei als die alten Castor-Behälter. Die Strahlung sei 40 Prozent höher als beim Castor-Transport 2005. Auch die Umweltschutzorganisation ging aber davon aus, dass die Grenzwerte eingehalten werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse einsehen, dass der Salzstock als Endlager nicht durchsetzbar sei, sagte ein Sprecher der Initiative "X-tausendmal quer" am frühen Dienstagmorgen bei Gorleben. Die Atomkraftgegner kritisierten die Pannen im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel und sprachen von "Lug und Trug".

Die Polizei beklagte eine hohe Gewaltbereitschaft der Demonstranten. Der Gesamteinsatzleiter der Bundespolizei, Thomas Osterroth, sagte, die Atomkraftgegner seien teils mit krimineller Energie vorgegangen, etwa bei Unterhöhlungen von Gleisen. Auch sei mit Signalmunition auf Polizeihubschrauber geschossen worden. Unter den Demonstranten waren nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden auch 800 bis tausend Autonome, die als besonders gewaltbereit galten.

Die Atommüll-Behälter waren um 23.11 Uhr zu ihrer letzten Etappe ins Zwischenlager aufgebrochen. Bewacht von Hunderten Polizisten starteten die Tieflader vom Bahnhof Dannenberg auf der Straße in das gut 20 Kilometer entfernte Gorleben.

Der Transport war am Freitagabend in Frankreich gestartet. In der Nacht zum Montag kam der Zug aufgrund der massiven Proteste von Kernkraftgegnern schon deutlich später als erwartet am Verladebahnhof im niedersächsischen Dannenberg an. In unübersichtlichen Waldstücken war es zu Ausschreitungen gekommen. Drei Atomkraftgegner gelangten auf den fahrenden Zug.

Der Atommüll-Transport enthält die Reste alter Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken. Der Müll war für die Zwischenlagerung in der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich in Container verpackt worden. Der Sonderzug nach Gorleben war von dort am Freitagabend gestartet.

als/dpa/ddp/AP

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.