Einwanderer-Schelte Sarrazin erklärt die Verdummung der Deutschen

Nächster Aufschlag Thilo Sarrazin: "Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer", diagnostiziert der Bundesbank-Vorstand - und liefert die Begründung gleich mit. Schuld sind nach seiner Logik die Einwanderer.
Bundesbank-Vorstand Sarrazin: "Unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen"

Bundesbank-Vorstand Sarrazin: "Unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen"

Foto: Robert Schlesinger/ dpa

Thilo Sarrazin

Darmstadt - hat mal wieder zugeschlagen. Bei einer Veranstaltung der Arbeitskreise Schule-Wirtschaft der Unternehmerverbände Südhessen in Darmstadt nutzte der Bundesbank-Vorstand einen Vortrag zum Thema "Bildung, Demografie, gesellschaftliche Trends", um den Zuhörern zu erklären, warum Deutschland in seinen Augen wegen seiner Einwanderer ins Hintertreffen zu geraten droht.

"Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer", zitiert die Nachrichtenagentur dpa Sarrazin am Donnerstag. Der 65-Jährige brachte dies dem Bericht zufolge mit Hilfe umfangreicher Zahlen in Zusammenhang mit Zuwanderern "aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika". Sie wiesen weniger Bildung auf als Einwanderer aus anderen Ländern.

Einwanderer bekämen zudem mehr Kinder als Deutsche, sagte Sarrazin. Es gebe "eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz", sagte der frühere Finanzsenator Berlins. Intelligenz werde von Eltern an Kinder weitergegeben, der Erbanteil liege bei fast 80 Prozent.

Einige der Zuhörer reagierten laut dpa mit einem Schmunzeln, erkennbare Unmutsäußerungen gab es nicht.

Bei seinem Vortrag in Darmstadt kritisierte Sarrazin auch die Qualität der Schulen in Deutschland, die stetig abnehme. Grundschüler lernten nicht richtig rechnen und schreiben. "Und was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", meinte Sarrazin.

Sarrazin, der von 2002 bis 2009 Finanzsenator in Berlin war, hat in der Vergangenheit des Öfteren mit provokanten Äußerungen über Zuwanderer und Hartz-IV-Empfänger für Empörung gesorgt (siehe Zitate-Strecke in der linken Spalte). Anfang 2008 erstellte er einen "Menüplan", um damit nachzuweisen, dass Hartz-IV-Empfänger durchaus vom Regelsatz von 4,25 Euro pro Tag leben könnten. Später empfahl er, angesichts der steigenden Energiepreise, im Winter die Heizung runterzudrehen und stattdessen einen "dicken Pulli" zu tragen.

Vor allem ein Interview mit der Kulturzeitschrift "Lettre International" sorgte im September 2009 für Aufregung. Darin sprach er arabischen und türkischen Einwanderern den Willen und die Fähigkeit zur Integration ab. "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert", sagte er seinerzeit wörtlich.

Zahlreiche Politiker empörten sich über die Aussagen, von mancher Seite bekam Sarrazin aber auch Unterstützung. Bundesbank-Chef Axel Weber distanzierte sich deutlich von seinem Vorstandsmitglied und entzog ihm seine Hauptzuständigkeiten. Ein von der SPD-Basis gegen ihn angestrengtes Parteiausschlussverfahren wegen parteischädigenden Verhaltens und Rassismus gegen Ausländer wurde im März dieses Jahres eingestellt.

phw/dpa
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