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05. März 2010, 17:23 Uhr

Eklat am Nockherberg

Fastenprediger Lerchenberg wirft hin

Er wollte polarisieren - und muss jetzt den Hut nehmen. Der Kabarettist Michael Lerchenberg hat nach der heftigen Kritik an seiner Fastenpredigt auf dem Nockherberg seinen Abschied vom Starkbieranstich verkündet. Seine KZ-Anspielungen hält er aber nicht für anstößig.

München - Zuerst hatte er sich noch vehement verteidigt, doch am Ende war der Druck zu groß. Nach seiner umstrittenen Fastenpredigt auf dem diesjährigen Münchner Nockherberg wirft Kabarettist Michael Lerchenberg das Handtuch. Er werde in Zukunft nicht mehr in der Rolle des "Bruder Barnabas" das Politiker-Derblecken übernehmen, teilte er am Freitag über seine Agentur mit.

"Auch wenn ich aus der Bevölkerung für die Fastenpredigt 2010 unzählige zustimmende Reaktionen erhalten habe (...), so ist doch der politische und öffentliche Druck auf uns und die Paulaner Brauerei so groß geworden, dass mir eine Rückkehr in die Nockherberg Kanzel unmöglich erscheint", erklärte Lerchenberg.

Er hatte sich heftige Kritik eingefangen, weil er auf die NS-Parole "Arbeit macht frei" angespielt hatte, als er die Hartz-IV-Äußerungen von FDP-Chef Guido Westerwelle aufs Korn nahm. Die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, hatte daraufhin erklärt, in der Rede sei eine Grenze überschritten worden, "die nicht hinnehmbar ist". Auch Politiker hatten den Kabarettisten scharf kritisiert.

FDP-Chef Guido Westerwelle schrieb dem Veranstalter, der Münchener Paulaner-Brauerei, er wolle nach dieser Rede nicht mehr zu der Satire-Veranstaltung eingeladen werden. "Scharf kritisiert zu werden, gehört zu meinem Amt dazu. Mit einem KZ-Wächter verglichen zu werden, geht zu weit", erklärte der FDP-Chef.

"Nichts und niemanden hat er geschont"

Auch nach seinem Rücktritt verteidigte Lerchenberg den Stil seiner Fastenpredigten. Sie seien zum Teil ernst und manchmal provokant aber niemals parteiisch gewesen. "Mein 'Bruder Barnabas' hat mit seiner Form der politischen, auch zu Teilen ernsten und durchaus manchmal provokanten Fastenpredigt sicherlich Maßstäbe gesetzt. Nichts und niemanden hat er geschont", erklärte der Kabarettist.

"Wenn diese Form der anspruchsvollen, satirischen, politischen Predigt auf Dauer dem Nockherberg nicht zuzumuten ist, dann ist es besser, man zieht seine Konsequenzen und macht den Weg frei für einen unbelasteten Neubeginn", erklärte der Kabarettist.

Ein Paulaner-Sprecher sagte, man "respektiere diese Entscheidung" Lerchenbergs und habe auch "eine gewisse Achtung davor". Erst 2007 war Lerchenbergs Vorgänger, der niederbayerische Kabarettist Django Asül, ausgestiegen, weil seine Rede als politisch zu scharf gewertet worden war.

In der umstrittenen Passage seiner Rede hatte Lerchenberg FDP-Chef Westerwelle wegen seiner Hartz-IV-Äußerungen aufs Korn genommen. Der Politiker wolle nun alle Hartz IV-Empfänger bei Wasser und Brot in einem Lager in Ostdeutschland sammeln, sagte der Fastenprediger. "Drumrum ein Stacheldraht, das haben wir schon mal gehabt", ätzte er. Und über dem Eingang, "bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: Leistung muss sich wieder lohnen".

mmq/apn/ddp/dpa

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