Eklat um Sprecher Finanzminister Schäuble zeigt Nerven

Wolfgang Schäuble hat beim G-20-Gipfel in Seoul mit mächtigen Wirtschaftsnationen gefeilscht. Doch der Eklat um die Bloßstellung seines Sprechers holt den Finanzminister selbst in Südkorea ein. Er gesteht: "Auch ein Bundesfinanzminister ist manchmal sehr belastet."

Kabinettsmitglied Schäuble: "Wir sind alle Menschen"
Getty Images

Kabinettsmitglied Schäuble: "Wir sind alle Menschen"


Berlin - Finanzminister Wolfgang Schäuble steht zurzeit unter enormem Druck: Der Koalitionspartner zankt sich mit ihm über Steuerpolitik, er gilt als gesundheitlich angeschlagen, ständig kursieren Rücktrittsgerüchte. Dann trat sein Sprecher Michael Offer zurück - nachdem Schäuble ihn öffentlich abgekanzelt hatte. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk gab Schäuble nun zu, er habe überreagiert. Es folgte eine bemerkenswerte Aussage: "Aber auch ein Bundesfinanzminister hat Nerven und ist manchmal sehr belastet."

Dass der Druck auf Politiker hoch sein würde, habe er zwar vorher gewusst: "Aber wir sind alle Menschen." Eine direkte öffentliche Entschuldigung lehnte Schäuble allerdings ab. Zu dem Thema sei alles gesagt.

Viel mehr wollte der CDU-Politiker auch nicht über seine angeschlagene Gesundheit sagen. Der seit langem querschnittsgelähmte Minister hatte in den vergangenen Monaten mehrere Wochen wegen einer schlecht verheilenden Wunde im Krankenhaus verbringen müssen. Am Rande des G-20-Gipfels in Seoul gefragt, wie er sich fühle, antwortete Schäuble: "Bei diesem Gipfel hier geht es um den Gesundheitszustand der Weltwirtschaft und nicht um den Gesundheitszustand des Bundesfinanzministers."

"Wir sind hier im trauten Einvernehmen"

Seine Gesundheit, aber auch die Maßregelung seines Sprechers vor laufenden Kameras hatten Gerüchte um einen möglichen Rücktritt wieder angefacht. Die öffentliche Bloßstellung seines Mitarbeiters hatten auch Politiker von Union und FDP kritisiert. Zuletzt hatte Kanzlerin Angela Merkel Schäuble zu einem Vier-Augen-Gespräch gebeten.

Das "Handelsblatt" berichtete dann, Innenminister Thomas de Maizière (CDU) solle anstelle von Schäuble neuer Finanzminister werden. Tanja Gönner, Umweltministerin in Baden-Württemberg, könnte ins Kabinett kommen. "Merkel plant Befreiungsschlag", titelte die Zeitung.

Dem trat die Kanzlerin jedoch entschieden entgegen. Genervt wies sie den Bericht in Seoul zurück. Die Geschichte sei frei erfunden. Sie habe mit Schäuble "hervorragend zusammengearbeitet und beabsichtige das auch weiter zu tun", sagte sie in der ARD. Man sei hier im "trauten Einvernehmen", betonte sie bei einer gemeinsamen Pressekonferenz über ihren Finanzminister, der neben ihr saß. Der schwieg da noch.

Im Deutschlandfunk aber erklärte Schäuble, ihm gehe "wenig durch den Kopf", wenn er Spekulationen über einen möglichen Rücktritt lese. "Ich habe so viele Aufgaben und so große Verantwortung, dass ich mich darauf konzentriere."

kgp/dpa/Reuters



insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
shokaku 12.11.2010
1.
Schäuble sollte halt einfach aufhören. Er ist alt genug, und sein Gesundheitszustand wird auch nicht mehr besser werden. Aber manche können scheinbar nicht los lassen.
taiga, 12.11.2010
2. ----
Zitat von sysopFinanzminister Schäuble hat beim G-20-Gipfel in Seoul mit mächtigen Wirtschaftsnationen gefeilscht. Doch der Eklat um die Bloßstellung seines Sprechers holt ihn selbst in Südkorea ein. Er gesteht: "Auch ein Bundesfinanzminister ist manchmal sehr belastet." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728731,00.html
Schäuble: "Bei diesem Gipfel hier geht es um den Gesundheitszustand der Weltwirtschaft und nicht um den Gesundheitszustand des Bundesfinanzministers." Wenn ich mir auf dem Video der Pressekonferenz genau seine Mimik betrachte, dann assoziiere ich bei Schäuble den Gemütszustand einer Rasierklinge – die nicht nur gegen andere, sondern auch gegen sich selbst gerichtet ist.
kdshp 12.11.2010
3. Atomkraft NEIN Danke
Zitat von sysopFinanzminister Schäuble hat beim G-20-Gipfel in Seoul mit mächtigen Wirtschaftsnationen gefeilscht. Doch der Eklat um die Bloßstellung seines Sprechers holt ihn selbst in Südkorea ein. Er gesteht: "Auch ein Bundesfinanzminister ist manchmal sehr belastet." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728731,00.html
Hallo, ja sorry bestätigt was sich denke denn wer sagt "Auch ein Bundesfinanzminister ist manchmal sehr belastet." der sagt ja auch das er nocrmal nicht viel tut da er ja nicht belastet ist.
Ghost12 12.11.2010
4. Schäuble wird abgeschossen, wie Köhler....
weil er aus der Reihe tanzt. Beide wollen die Bail-Out/Gelddruck-Kriminalität nicht mehr tragen. http://www.stern.de/wirtschaft/geld/schaeuble-fed-verstoesst-gegen-internationale-abmachung-1620782.html
Bremerland 12.11.2010
5. .
Dass es um den Mann gesundheitlich nicht zum Besten steht weiß man doch schon seit Jahren. Der hat immerhin mal vom Waffenhändler Schreiber einen Umschlag gekriegt, ihn nie aufgemacht, trotzdem gewusst dass da hunderttausend Mark drin waren und den Umschlag dann in seiner Schreibtischschublade vergessen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.