Einzelhandel Bundestag beschließt Rücknahmepflicht für alte Elektrogeräte

Verbraucher sollen ausrangierte Elektrogeräte künftig an den Händler zurückgeben können. Das hat der Bundestag beschlossen. Umweltverbänden sind die Regelungen noch zu kompliziert.

Ausrangierte Elektrogeräte: Händler sollen Schrott zurücknehmen
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Ausrangierte Elektrogeräte: Händler sollen Schrott zurücknehmen


Die vom Bundestag beschlossenen Regeln sehen vor, dass Händler ab einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern kleine Elektrogeräte wie etwa einen Haartrockner oder einen Toaster zurücknehmen müssen. Eine Rücknahmepflicht für größere Geräte soll es nur dann geben, wenn Kunden ein gleichwertiges Neugerät kaufen. Die Regelungen sollen auch für den Online-Handel gelten. Bislang nehmen einige Händler die Altgeräte nur freiwillig zurück.

Die Bundesregierung hofft, dass durch das Gesetz künftig weniger Altgeräte im Hausmüll landen. Außerdem sollen durch die Rücknahmepflicht Umwelt und knappe Ressourcen geschont sowie der illegale Export von Elektroschrott ins Ausland eingedämmt werden.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, kritisierte die Regelungen im Deutschlandradio Kultur. "Heute haben wir die Situation, dass der Verbraucher mit einem Maßband ins Geschäft gehen muss, erst einmal messen muss, ob dort die Elektrogeräte zusammen eine Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmeter haben - und dann kann er sich überlegen, dort sein altes Elektrogerät zurück zu bringen", sagte Resch. Dies sei nicht praktikabel.

Mit dem neuen Gesetz wird vor allem eine neue EU-Richtlinie umgesetzt. Bis 2016 sollen mindestens 45 Prozent des anfallenden Elektromülls erfasst und wenn möglich wiederverwertet werden, bis 2019 soll die Quote auf 65 Prozent steigen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte bereits Mitte März anlässlich des Kabinettsbeschlusses bemängelt, dass das Gesetz nicht weit genug gehe. Wie in vielen anderen europäischen Ländern auch, solle künftig jedes Elektrogeschäft in Deutschland unabhängig von der Größe der Verkaufsfläche verpflichtet werden, Altgeräte zurückzunehmen, forderten die Verbraucherschützer.

Bevor das Gesetz 2016 in Kraft treten kann, muss es nach der Sommerpause noch den Bundesrat passieren.

Schätzungen zufolge fallen in Deutschland jährlich rund 23 Kilogramm Elektromüll pro Kopf an. Nach Angaben des Umweltbundesamts wurden im Jahr 2010 knapp 780.000 Tonnen Elektroaltgeräte gesammelt, davon 723.000 Tonnen aus privaten Haushalten.



insgesamt 10 Beiträge
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Überfünfzig, 02.07.2015
1. Hoffen und Glauben.....
...solche Sätze stehen mindestens auf jeder Seite der Bibel. Ja, Ja und ich habe nichts besseres zu tun, als sauber ein Paket zu packen Porto noch drauf und mein Onlinehändler freut sich über das Geschenk. Noch besser wird es, da die EU wegen 2-3 Brände von Elektroschrottcontainer den Transport von losen Elektroschrott quasi verboten hat. Deswegen wurde bei uns ein tolles System mit Sammelcontainer aller Orten eingestampft und nun schicke ich den defekten iTablet mit der verklebten Akku per Post und keinen scheint es dann zu stören, das eventuell die Paketsammelstelle abfackeln könnte. Also ich finde bei mir sind die Geräte in so einem grauen Behälter bei mir auf dem Hof am Besten aufgehoben. Ich bin doch nicht der Sklave der Grünbessermenschen.
OskarVernon 02.07.2015
2.
Und wieder eine Belastung mehr für die kleinen unabhängigen Einzelhändler - und für manch einen womöglich das Aus im Konkurrenzkampf gegen Grüne Wiese und Onlinehandel: Diese kleinen innerstädtischen Einzelhändler "dürfen" jetzt nämlich auf eigene Kosten all die Altgeräte aus der näheren und weiteren Nachbarschaft entsorgen, die durch "natürlich" nicht bei ihnen gekaufte, sonden billigst online bestellte neue ersetzt worden sind. Erstaunlich eigentlich, wer hier alles wieder mal gar nicht genug davon bekommen kann, diesem kleinteiligen Einzelhandel zu schaden und Großkonzernen wie Metro und Amazon in die Hände zu spielen... :-(
TheFrog 02.07.2015
3. Ich lach mich nur noch schlapp...
über diese ganze Regulierungswut, Rücknahmeverpflichtungen, gelbe Säcke und Altpapierverwertung. Da stopfen sich alle möglichen Firmen die Taschen voll mit solch schwachsinnigen Verordnungen oder Gesetzen. Mit Verlaub.....mir ist es mittlerweile sch....egal, wo mein Müll bleibt. Die Elektrogeräte kann man kostenlos beim Wertstoffhof entsorgen und Kühlschränke sind immer vom Verkäufer bei Lieferung eines Neuerätes mitgenommen worden. Dafür habe ich ein Sammelsurium von unterschiedlich eingefärbten Mülltonnen vor der Tür, wobei mir die grüne Tonne im Sommer am Besten gefällt, da dort immer wieder ein kleines Biotop entsteht und die Bewohner beim vorbeigehen über einen herfallen. Weltfremd das Ganze.
danielc. 02.07.2015
4. Anders herum
Warum verpflichtet man nicht den Kunden erst ein Altgerät zurück zu geben, ehe er ein neues Gerät erwerben darf? Dann wäre wirklich sicher gestellt, dass eine hohe Quote richtig entsorgt wird.
nivrit 02.07.2015
5. Schweiz hat das schon
Das gibt es in der Schweiz schon länger, finanziert durch eine vorgezogene Recyclinggebühr. Finde das eine sehr gute Sache. Für den Konsumenten. Wie das aufwandmässig und logistisch für die Läden ist, weiss ich nicht.
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