Grünen-Überläuferin Twesten nennt Ex-Parteifreunde "niederträchtig und menschlich unanständig"

Die abtrünnige Grünen-Abgeordnete Twesten legt nach: Ihren Rückzug aus der Partei begründet sie inhaltlich. Die Grünen hätten etwa die Sorge der Bürger vor Wölfen ignoriert. Kritik weist sie zurück.
Elke Twesten, bislang für die Grünen im Landtag von Niedersachsen

Elke Twesten, bislang für die Grünen im Landtag von Niedersachsen

Foto: Holger Hollemann/ dpa

Die frühere Grünen-Abgeordnete Elke Twesten, die mit ihrem baldigen Wechsel zur CDU-Fraktion die rot-grüne Regierung in Niedersachsen um die Mehrheit bringt, hat Kritik aus ihrer Partei zurückgewiesen.

Nach ihrem am Freitag angekündigten Übertritt zur CDU war Twesten scharf kritisiert worden - von Regierungschef Stephan Weil (SPD) ebenso wie von ihrer Ex-Partei. Nun wandte sich Twesten mit einem "Statement an die Landespressekonferenz" direkt an ihre Kritiker - und weist erneut den Vorwurf zurück, die CDU in Niedersachsen habe ihr für den Parteiwechsel etwas versprochen.

Sie habe sich nicht "kaufen" lassen und sei auch nicht Teil einer "Intrige", schrieb Twesten. Das seien "haltlose Unterstellungen", da sie bei der kommenden Wahl nicht für die CDU in den Landtag einziehen könne.

Mit Kritik habe sie gerechnet, aber was sie nun von Grünen-Parteifreunde erlebe sei "zum Teil niederträchtig, zutiefst beleidigend und menschlich unanständig". Es geht laut Twesten um "Legendenbildung", die von den tatsächlichen Ursachen ablenken solle.

Kritik an den Grünen: Beim "Thema Wolf" Sorgen der Bürger überhört

Die wahren Gründe sind laut Twesten rein inhaltlicher Natur. Sie begründete ihren Austritt bei den Grünen nach 20 Jahren damit, ihre parteiinterne Kritik sei ignoriert und Sorgen der Bürger nicht berücksichtigt worden. Twesten erklärte, die Fraktionsspitze der Grünen und auch Grünen-geführte Ministerien hätten "meine Kritik am Kurs" ignoriert. Sie wirft ihrer Ex-Partei vor, Infrastrukturmaßnahmen zu blockieren. Außerdem habe man beim "Thema Wolf und Deichsicherheit" die Sorgen der Menschen überhört.

Angesichts der Regierungskrise prüft die Landesregierung derzeit, ob der 24. September als Termin für vorgezogene Neuwahlen machbar ist. Ministerpräsident Weil hatte sich dafür ausgesprochen, die Abstimmung parallel zur Bundestagswahl abzuhalten. Laut Regierungssprecherin Anke Pörksen sei beispielsweise fraglich, ob sich alle Parteien auf den kurzfristigen Termin einstellen können. Das prüfe nun die Landeswahlleiterin. Für Montag hat Ministerpräsident Weil alle Fraktionsspitzen zu einem Gespräch im Landtag eingeladen.

cht/AFP
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