Elterngeld Immer mehr Väter in der Auszeit

Das Elterngeld wirkt. Männer steigen aus dem Beruf aus, um sich der Betreuung der Kinder zu widmen. Doch die jüngsten Zahlen aus dem Bundesfamilienministerium zeigen auch - die meisten Väter pausieren noch nicht mehr als zwei Monate.

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Berlin - Ursula von der Leyen nennt es eine "leise Revolution". Bevor das Elterngeld Anfang 2007 in Kraft trat, nahmen gerade einmal 3,5 Prozent der Männer eine Auszeit, um die Kinderbetreuung zu übernehmen. Nunmehr sind es bereits 16 Prozent.

Und die Tendenz sei "weiter steigend", so von der Leyen heute in der Bundespressekonferenz in Berlin. Weil viel mehr Väter das Elterngeld beanspruchten - und mit durchschnittlich 4,3 Monaten auch länger beantragten - musste das Ministerium bereits Ende vergangenen Jahres beim Bundesfinanzministerium mehr Mittel beantragen. Rund 200 Millionen Euro zusätzlich wird der Haushaltsausschuss des Bundestags voraussichtlich dieses Jahr bewilligen. Die Bundesfamilienministerin rechnet mit keinem darüber hinausgehenden Finanzbedarf.

Bundesfamilienministerin von der Leyen: Eine leise Revolution
DDP

Bundesfamilienministerin von der Leyen: Eine leise Revolution

Die Datenlage seit Beginn des Elterngeldes, die vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erstmals wissenschaftlich analysiert wurde, offenbart unter anderem: War die Mutter vor Geburt des ersten Kindes berufstätig und verfügt der Vater über einen höheren Bildungsabschluss, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch Männer Elterngeld beziehen.

Beim Elterngeld gilt: Es wird grundsätzlich für zwölf Monate ausgezahlt. Zwei weitere Monate können genommen werden, wenn der Mann aus dem Beruf aussteigt und sich zu Hause um das Kind oder die Kinder kümmert. Das Elterngeld beläuft sich auf 67 Prozent des letzten Nettolohns - maximal können monatlich bis zu 1800 Euro gezahlt werden.

Das veränderte Verhalten der Männer löse auch Veränderungen in der Wirtschaft aus, so die CDU-Politikerin. Personalmanager hätten sich auf das Elterngeld eingestellt. Auch hoffe sie, dass sich das typisch männliche "Präsenzmuster" in den Betrieben "langsam verabschiedet". Im Klartext: Dass Väter nicht mehr ihre Zeit einfach absitzen, weil die anderen Kollegen auch noch da sind. Es komme nicht so sehr "auf das Sitzfleisch, sondern auf gute Leistung an", so von der Leyen.

Sie mahnte allerdings auch mehr Teilzeitangebote an - für beide Geschlechter. Noch immer gelte das Vorurteil: "Weiblich, Vormittags, Karriere tot". Bei den Männern sieht es mit der Teilzeitarbeit jedoch besonders mau aus - nur 21 Prozent nehmen sie. Was die Väter angehe, müsse sich die Wirtschaft in diesem Bereich "noch deutlich bewegen".

Die Statistik zeigt den Bewusstseinswandel, auch wenn er langsam ausfällt. Denn Väter, die eine längere Auszeit nehmen, sind immer noch in der Minderheit. Laut der Studie nehmen 67 Prozent der Männer jene zwei Monate, die ihnen mindestens gesetzlich ermöglicht werden. Bislang nur 14 Prozent der Männer beziehen zwölf oder 14 Monate Elterngeld.

Von der Leyen fasste den bisherigen Erfolg des Elterngeldes so zusammen: "Junge Männer in unteren Führungspositionen sind die Trendsetter und Eisbrecher".

Elterngeld als stabiler Einkommensfaktor?

Neben den Männern rückte von der Leyen vor allem einen anderen Gesichtspunkt in den Vordergrund: den sozialen Aspekt des Elterngeldes. Sie wehrte sich bei der Präsentation neuester Daten gegen Vorwürfe, damit würden wohlhabendere Familien bevorzugt. Nur 3,5 Prozent der Eltern erhielten den Höchstsatz von 1800 Euro, betonte sie. Die Hälfte der Eltern bezögen im Jahr nach der Geburt des Kindes ein stabiles oder sogar höheres Einkommen. Es helfe vor allem jungen Eltern, deren Einkommen am Anfang des Berufslebens noch nicht sehr hoch sei.

51 Prozent der Familien erhalten demnach einen Einkommensersatz zwischen 301 und 999 Euro. 23 Prozent der Familien profitieren darüber hinaus von Geschwisterbonus und Mehrlingszuschlag. Von der Leyen stellte eine Faustegel auf: "Mehr Kinder, mehr Elterngeld - Einkommen stabiler".

Allerdings zeigen die Zahlen auch dies: 45 Prozent der Eltern haben trotz der Elterngeldzahlung ein geringeres Einkommen als vor Geburt des Kindes. Dabei handelt es sich vor allem um Eltern mit einem hohen Verdienst.

Und wie sieht es am unteren Ende der Skala aus? 30 Prozent der Bezieher erhalten den Mindestsatz von 300 Euro. Dabei handelt es sich vor allem um Hausfrauen, Studentinnen, arbeitslose Frauen oder Mütter mit einem Verdienst von unter 300 Euro.

Insgesamt zeigte sich die CDU-Politikerin zufrieden mit dem Elterngeld. Einen aktuellen Veränderungsbedarf sehe sie nicht, so die CDU-Politikerin.

Die Ausweitung der Vätermonate - bislang sind es zwei - hat sich von der Leyen für die kommende Legislaturperiode vorgenommen. Hier habe sie ja jüngst eine Empfehlung ausgesprochen. Die Details würden dann in der nächsten Legislaturperiode besprochen.

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