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Elternstudie: Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Foto: Christof Stache/ AP

Studie zur Familienpolitik Eltern scheitern an Work-Life-Balance

Wie wollen Eltern in Deutschland leben, wie wollen sie Kinderbetreuung und Beruf vereinbaren? Eine Forsa-Umfrage zeigt, dass die Kluft zwischen Wünschen und Wirklichkeit groß ist: Bei jedem Zweiten scheitert die ideale Work-Life-Balance am Geld.

Berlin - Arbeitszeiten, Kita-Ausbau, Betreuungsgeld - das Wahljahr steht im Zeichen der Familienpolitik. Jede Partei will ein Rezept gegen Deutschlands Nachwuchsmangel gefunden haben. Doch was wünschen sich Eltern wirklich für sich und ihre Kinder? Eine am Dienstag veröffentlichte Forsa-Studie im Auftrag des Magazins "Eltern" hat versucht, einige Antworten zu finden.

Herausgekommen ist ein Wünscheprofil, das an mancher Stelle erstaunlich konservativ ist - und an anderer Stelle überraschend modern. SPIEGEL ONLINE schlüsselt die drei Kernaussagen der Studie auf:

1. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegt eine Kluft. Nur wenige Eltern schaffen es, ihre favorisierte Rollenverteilung auch im Alltag umzusetzen.

  • Gerade einmal 6 Prozent der befragten Eltern sprechen sich für das traditionelle Alleinverdienermodell aus - aber 14 Prozent befinden sich in einem.
  • 40 Prozent finden es gut, wenn er Vollzeit arbeitet und sie Teilzeit. In der Wirklichkeit sieht es so aus: Bei knapp 57 Prozent arbeitet er Voll-, sie Teilzeit.
  • 38 Prozent favorisierten in der Umfrage die Variante "beide arbeiten 30 Stunden und teilen sich Hausarbeit und Kinder". Realisieren können dieses Modell jedoch nur 6 Prozent der Befragten, die mit einem Partner zusammenleben.
  • Auf der anderen Seite sind nicht alle Vollzeit arbeitenden Eltern auch glücklich über ihre Entscheidung: 16 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in ihrer Ehe beide Vollzeitjobs hätten, sich Hausarbeit und Kinderbetreuung gleichermaßen teilen. Doch eigentlich wünschen sich nur 13 Prozent der Eltern dieses Modell.
  • Einer der Hauptgründe für die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist das Geld: 45 Prozent sagen, das Einkommen würde zu gering ausfallen, wenn sie ihr Wunschmodell umsetzten.

2. Das wichtigste Anliegen von Eltern bleibt eine gesicherte Kinderbetreuung:

  • Nur ein Viertel der befragten Eltern ist der Meinung, dass genügend Kita-Plätze für Kleinkinder vorhanden sind. Und jeder Zweite (48 Prozent) würde den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz einklagen, sollten sie keinen bekommen. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder unter drei Jahren tritt im August in Kraft. Schätzungen zufolge fehlen bundesweit aber noch mehr als 200.000 Betreuungsplätze, Städte und Gemeinden fürchten eine Klagewelle. 83 Prozent der Befragten fordern ein verpflichtendes kostenloses letztes Kindergartenjahr.
  • Auf die Frage, wann Frauen nach der Geburt wieder arbeiten gehen sollten, antworten 24 Prozent: nach einem Jahr. Erstaunliche 42 Prozent denken allerdings, erst nach drei Jahren oder später sei der richtige Zeitpunkt.

3. Die diversen Zuschüsse und Steuervorteile in der Familienpolitik sind umstritten:

  • Demnach ist das Ehegattensplitting überraschend beliebt: Vier Fünftel der Eltern (81 Prozent) wollen die gemeinsame steuerliche Veranlagung von Verheirateten beibehalten. Experten des Familienministeriums hatten kürzlich die Wirkungslosigkeit des Splittings auf die Geburtenrate bemängelt. 91 Prozent befürworten zudem, dass nicht berufstätige Ehepartner in der Krankenversicherung mitversichert werden können.
  • Das umstrittene Betreuungsgeld spaltet die Eltern in Deutschland: Knapp jeder zweite Befragte (49 Prozent) sprach sich für eine Abschaffung aus. Nach Einsparmöglichkeiten gefragt meinten 53 Prozent, dass Gutverdiener-Familien mit mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr auf ein Kindergeld verzichten könnten.

Generell fiel es den befragten Eltern schwer, im Dschungel von Leistungen und Forderungen den Durchblick zu behalten - offenbar kommen familienpolitische Kampagnen und Appelle bei den Betroffenen selbst kaum an. Welche familienpolitischen Ziele die im Bundestag vertretenen Parteien verfolgen, das wissen nämlich nur 15 Prozent.

38 Prozent gaben an, dies von einzelnen Parteien zu wissen. Fast die Hälfte (47 Prozent) weiß darüber eher nicht Bescheid. Bei den Befragten unter 35 Jahre sagen dies sogar 60 Prozent. 61 Prozent können bei der derzeitigen Bundesregierung keine konkreten familienpolitischen Ziele erkennen.

Für die Studie befragte Forsa im Laufe des Januars 1000 Mütter und Väter von minderjährigen Kindern in Deutschland. In unserer Bilderstrecke sind einige Grafiken aufgeführt, hier  können Sie die Studie komplett nachlesen.

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