Embryonenforschung Kardinal Meisner warnt vor Kannibalismus

Die Pfingstbotschaft der Kirchen ist eindeutig: An menschlichem Leben, auch ungeborenem, darf nicht manipuliert werden. Vor allem Wolfgang Clements Pläne, embryonale Stammzellen zu importieren, verurteilten die deutschen Bischöfe.


In seltener Eintracht: die Kardinäle Meisner und Lehmann
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In seltener Eintracht: die Kardinäle Meisner und Lehmann

Köln - Kardinal Karl Lehmann warnte in seiner Pfingstpredigt davor, die Macht des Menschen zu überschätzen. "Gerade heute sind wir in Gefahr, dass wir uns zu Herren der Welt und des Lebens aufspreizen und uns dabei übernehmen", sagte der Mainzer Erzbischof. Es gehe grundsätzlich um "das Verhältnis des Menschen zum Leben und besonders zum Leben des ungeborenen, ohnmächtigen Kindes". Lehmann nannte es "eine besondere Gabe des Heiligen Geistes, wenn wir in diesem Sinne bescheiden bleiben und eine Art kreatürliche Demut bewahren."

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, verurteilte vor den versammelten Gläubigen im Kölner Dom in klaren Worten "Manipulationen" am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens. "Lebensverhinderung vor der Zeugung und Lebensbeseitigung nach der Zeugung haben dazu geführt, dass man kaum noch Hemmungen hat, Menschen als Embryonen künstlich zu produzieren, um sie dann als Ersatzteillager für beschädigte menschliche Existenzen zu gebrauchen - das heißt: zu missbrauchen." Damit seien die Menschen "gleichsam bei einer Art von Kannibalismus angelangt", meinte der Kölner Erzbischof. Im Alter werde der Mensch "dann gleichsam entsorgt, indem man ihm durch die so genannte 'aktive Sterbehilfe' das Leben wegnimmt".

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, hat sich in seiner Pfingstbotschaft erneut gegen Sterbehilfe und Embryonenforschung ausgesprochen. "Der christliche Glaube sperrt sich gegen den Missbrauch menschlichen Lebens als Biomasse", mahnte Kock in Hannover. Das Pfingstfest mache sensibel für "die Spuren des Geistes im menschlichen Leben". Daher sei die Embryonenforschung und Sterbehilfe für Christen nicht akzeptabel.

Als "Handeln wider den Heiligen Geist" bezeichnete der Erzbischof von Bamberg, Karl Braun, im Bamberger Dom die Vernichtung lebensfähiger Embryonen beim therapeutischen Klonen und bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) ebenso wie die aktive Sterbehilfe.

Pfingsten gilt als eigentliches "Geburtstagsfest" der Kirche. Bei dem Fest, das am 50. Tag nach Ostern begangen wird, feiern die Gläubigen die in der Apostelgeschichte berichtete Herabkunft des Heiligen Geistes auf die in Jerusalem versammelten Apostel.



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