Emnid-Umfrage Deutsche wünschen sich Große Koalition zurück

Das Erscheinungsbild des schwarz-gelben Bündnisses ist so desolat, dass viele Bundesbürger Sehnsucht nach der guten alten Zeit bekommen: Ein klare Mehrheit würde einer Umfrage zufolge wieder eine Große Koalition wählen, wenn sie könnte.

Ministerkollegen Wolfgang Schäuble (r., CDU), Rainer Brüderle (FDP): Verhältnis zerrüttet
dpa

Ministerkollegen Wolfgang Schäuble (r., CDU), Rainer Brüderle (FDP): Verhältnis zerrüttet


Berlin - Der negative Eindruck verfestigt sich: Die Mehrheit der Deutschen hält einer Umfrage zufolge das amtierende schwarz-gelbe Regierungsbündnis für schlechter als die Vorgängerkoalition aus CDU und SPD. In der repräsentativen Emnid-Erhebung gaben 54 Prozent der Befragten an, die Große Koalition sei besser gewesen als die jetzige Regierung aus Union und FDP, wie die "Bild am Sonntag" vorab berichtete. Nur 36 Prozent zogen die aktuelle Koalition der vorigen vor. Unter den Unionsanhängern gaben 46 Prozent der großen Koalition den Vorzug, 44 Prozent sind mit der aktuellen Konstellation zufrieden. Emnid befragte am vergangenen Donnerstag 501 Bürger.

Die Emnid-Umfrage ist nicht die einzige, in der die Bürger der Regierung ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Auch der ARD-Deutschlandtrend zeigt ein erschreckendes Maß an Missbilligung. In der Februar-Umfrage zeigten sich 72 Prozent der Deutschen unzufrieden mit der Arbeit in Berlin. Im Januar lag der Anteil der Kritiker noch bei 67 Prozent. Nur noch 27 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit der Politik von Union und FDP zufrieden sind.

Verhältnis zerrüttet

Für 62 Prozent steht sogar fest, dass das Verhältnis zwischen Union und FDP endgültig zerrüttet ist. Noch größer ist der Unmut über den Führungsstil von Angela Merkel. So sagten 85 Prozent, die Bundeskanzlerin müsste die politische Richtung der Bundesregierung klarer vorgeben.

Dennoch konnte Merkel in der Liste der beliebtesten Politiker ihren zweiten Platz hinter Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg behaupten. Dagegen stürzte FDP-Chef Guido Westerwelle ab. Mit ihm ist nur noch ein Viertel der Wähler zufrieden. Er erreichte damit den schlechtesten Wert seit Juli 2005. Nur 26 Prozent der Deutschen sind der Meinung, Westerwelle vertrete als Außenminister Deutschland gut in der Welt. Seine Vorgänger Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Joschka Fischer (Grüne) kommen dagegen auf Werte von 67 und 77 Prozent.

FDP trotzt Westerwelle-Malus

Trotz Westerwelles gesunkener Popularität und seinen umstrittenen Hartz-IV-Äußerungen legte die FDP aber gegenüber der Januar-Umfrage wieder um zwei Punkte auf zehn Prozent zu. In der berühmten Sonntagsfrage käme die Union unverändert auf 36 Prozent. Die SPD dagegen würde einen Punkt auf 25 Prozent verlieren, ebenso wie die Grünen, die 14 Prozent der Sitze im Parlament erringen würden. Die Linke liegt weiter bei elf Prozent.

Mit seinen Äußerungen zu Hartz IV hat Westerwelle zwar polarisiert, offenbar aber nicht den Großteil der Deutschen gegen sich aufgebracht. So finden es 74 Prozent gut, dass er die Diskussion angestoßen hat. 60 Prozent geben dem FDP-Chef sogar Recht, wenn er sagt, "dass zu viel über die Hartz-IV-Empfänger geredet wird und zu wenig über die, die alles bezahlen müssen". Dagegen kritisieren 55 Prozent, Westerwelle versuche, sich auf Kosten der Schwachen in der Gesellschaft zu profilieren.

mik/Reuters/AFP/apn

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