Empörung in Thüringen CDU-Politiker verheddert sich in Nationalstolz-Debatte

Thüringens CDU-Fraktionschef Mohring wirbt für ein Nachdenken über "unsere Nation" - ausgerechnet in der rechtslastigen Zeitung "Junge Freiheit". Opposition und Koalitionspartner SPD sind entsetzt. Die Ministerpräsidentin müsse Mohring "zurückpfeifen".

Thüringens CDU-Fraktionschef Mohring: "Es muss erstrebenswert sein dazuzugehören"
ddp

Thüringens CDU-Fraktionschef Mohring: "Es muss erstrebenswert sein dazuzugehören"


Erfurt - Empört haben Politiker der Opposition in Thüringen auf Äußerungen des CDU-Fraktionschefs Mike Mohring reagiert - "mit nationalistischer Stimmungsmache" fische er am rechten Rand. In dem rechtskonservativen Wochenblatt "Junge Freiheit" plädierte Mohring für mehr Nationalstolz. Wie heikel seine Aussagen gerade in dieser Zeitung sind, dürfte Mohring bewusst sein. Vor eineinhalb Jahren scheiterte der Karrieresprung seines Parteifreundes Peter Krause, weil dieser einst bei dem umstrittenen Blatt arbeitete.

Mohring wurde mit den Worten zitiert, die Integration der immer heterogeneren Gesellschaft werde besser gelingen, "wenn wir dem Stolz auf unser Land mehr Raum geben. Es muss erstrebenswert sein dazuzugehören". Dies sei ein wesentlicher Beitrag, um die Bildung von Parallelgesellschaften zu verhindern. Dazu müsse man auch über "unsere Nation" ganz neu und anders nachdenken, sagte der CDU-Politiker, der die Debatte um ein schärferes Profil der Union mit angestoßen hatte.

Dem Bericht zufolge gab sich Mohring zuversichtlich, dass das konservative Lager in der CDU künftig wieder an Einfluss gewinnen werde. Es gebe zunehmend mehr Politiker in der Partei, die sich selbst als konservativ verstünden. Dies werde sich über kurz oder lang auch in der öffentlichen Wahrnehmung niederschlagen.

Die oppositionelle Linke warf Mohring vor, den Kurs der Union "nach rechts zu verschieben". Dabei bediene er sich einer der leidigsten Erfahrungen deutscher Geschichte, des "Stolzes auf unser Land", empörte sich Linke-Landeschef Knut Korschewsky. Er forderte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) auf, Mohring "zurückzupfeifen".

"Das grenzt an politische Dummheit"

Grünen-Fraktionschefin Anja Siegesmund hält es zwar für legitim, wenn Mohring sein Profil und das seiner Partei schärfen wolle. Aber das dürfe auf keinen Fall dazu führen, dass von der Thüringer CDU-Fraktion künftig nationalistische Töne zu vernehmen seien. "Das passt weder in unser Parlament, noch in eine Demokratie und ist zumindest bedenklich", sagte Siegesmund.

Nach Ansicht von SPD-Landesgeschäftsführer René Lindenberg war schon vor Jahren die Leitkultur-Debatte der CDU gescheitert. Dass Mohring diese ausgerechnet in einer rechtslastigen Zeitung wieder aufwärme, sei "naiv und grenzt an politische Dummheit". Seit der Affäre Krause sollten Politiker in Thüringen wissen, was die "Junge Freiheit" für ein Medium sei.

Der CDU-Politiker Peter Krause war 1998 vier Monate Redakteur bei der "Jungen Freiheit" und hatte auch für das "Ostpreußenblatt" und die Zeitschrift "Etappe" geschrieben. Er war Mitte 2008 vom damaligen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) zum neuen Kultusminister berufen worden. Beide Politiker gerieten heftig in die Kritik - letztlich verzichtete Krause auf das Amt.

Krauses Wirken für rechtslastige Blätter war damals alles andere als ein Geheimnis gewesen. Schon 2004, als der Literaturwissenschaftler in den Landtag einzog, gab es darüber in den lokalen Blättern eine Debatte. Spätestens seit jenen Tagen war klar, dass Krause zu einer Zeit für die "Junge Freiheit" arbeitete, als diese noch vom Verfassungsschutz rechtsextremer Bestrebungen verdächtigt wurde.

kgp/ddp/dpa/AFP



insgesamt 133 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wrdlbrnfd, 14.01.2010
1. Zensur findet nicht statt
Zitat von sysopThüringens CDU-Fraktionschef Mohring wirbt für ein Nachdenken über "unsere Nation" - ausgerechnet in der rechtslastigen Zeitung "Junge Freiheit". Opposition und Koalitionspartner SPD sind entsetzt. Die Ministerpräsidentin müsse Mohring "zurückpfeifen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672039,00.html
Ja wo gackern sie denn? Wo sollte der Mann denn sonst so was veröffentlichen können?
Arent 14.01.2010
2. Den Vorwurf akzeptiere ich nicht mehr
Zitat von sysopThüringens CDU-Fraktionschef Mohring wirbt für ein Nachdenken über "unsere Nation" - ausgerechnet in der rechtslastigen Zeitung "Junge Freiheit". Opposition und Koalitionspartner SPD sind entsetzt. Die Ministerpräsidentin müsse Mohring "zurückpfeifen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672039,00.html
Den Vorwurf akzeptiere ich nicht mehr. Spätestens seit Weihnachten 6 Kopten in Ägypten getötet wurden und keine einzige Zeitung über die geplante Demo in Düsseldorf berichtet. Ausser den sogenannten radikalen Medien. Sorry, das ist Heuchelei. Grüsse, Arent
Galaxia, 14.01.2010
3. ?
Zitat von sysopThüringens CDU-Fraktionschef Mohring wirbt für ein Nachdenken über "unsere Nation" - ausgerechnet in der rechtslastigen Zeitung "Junge Freiheit". Opposition und Koalitionspartner SPD sind entsetzt. Die Ministerpräsidentin müsse Mohring "zurückpfeifen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672039,00.html
"wenn wir dem Stolz auf unser Land mehr Raum geben. Es muss erstrebenswert sein dazuzugehören". Dies sei ein wesentlicher Beitrag, um die Bildung von Parallelgesellschaften zu verhindern. Dazu müsse man auch über "unsere Nation" ganz neu und anders nachdenken, sagte der CDU-Politiker" Mir egal wer wem ein Interview gibt, jedenfalls kann ich hier nichts lesen was irgendwie "empörend" wäre. Der Typ hat durchaus recht, das sich viele Parallelgesellschaften in Deutschland befinden. Man kann ja mal das Meer der Hartz4 Empfänger befragen, inwiefern die sich noch dazugehörig fühlen. Oder all jene welche dem Deutschen Bildungssystem den Rücken kehren. Und schau da, seine Partei ist mitverantwortlich für einige Parallelgesellschaften (Integrationspolitik, der 80er/90er). Und sonst ist Nationalstolz (Wer hat sowas?) automatisch schlecht? Wohl eher ein typisch Deutsches Problem mit dem Vaterland Stolz - Nationalstolz - Patriotismus? Zuviel stolz soll ja hochmut fördern, aber zuwenig ist auch nicht gut. Es ist wohl so, das man Heute eher stolz sein kann auf Leistung-Technologie und Werte (Demokratie) und sich dies nicht eingrenzen lässt. Worauf kann man noch Stolz sein in Deutschland?
David Richter 14.01.2010
4. Der Mann hat Recht
Kein Wunder dass sich Ausländer nicht als Deutsche fühlen. Die Deutschen wollen ja selber nicht mal Deutsch sein.
Silver Surfer, 14.01.2010
5. Was für ein Mist diser Artikel
Mann wie mann sich aufregt wenn jemand sagt das wir mal stolz sein sollen auf unser Land Das auch noch in einer Zeitung wie die Junge Freiheit Wie kann man nur Pöser Pöser Naz..... Das die Linken Grünen und SPD dann Heulen ist doch klar Wenn jemand von den Linken Grünen oder SPD zu DEmontage dieses Landes in der Taz aufruft ist aber alles Ok nicht wahr Alles eine einzige Heuchlerbande und der Spiegel läuft diesen auch noch hinterher Was ist aus dem Spiegel geworden. Früher hat er der Gesellschaft mal einen Spiegel vorgehalten und alles Kritisch reflektiert, jetzt ist es immer mehr ein Mainstreamblattwie die anderen geworden. Wenn es so weiter geht werden wir den Spiegel begraben müssen
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.