Energiepolitik Beck und Merkel im Clinch über Atomkraft

Atomkraft nein oder danke? Angela Merkel und SPD-Chef Beck sind sich uneins. Die Kanzlerin wirft dem Koalitionspartner vor, keinen ausreichenden Ersatz für die Kernkraft zu bieten.


Hamburg - Während sich Kurt Beck in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ausdrücklich gegen ein Festhalten an der Atomenergie aussprach, warf Angela Merkel der SPD an gleicher Stelle vor, keinen ausreichenden Ersatz benannt zu haben. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vertrat derweil in der "Bild"-Zeitung die Auffassung, die Diskussion um die Erderwärmung dürfe nicht zu einer Wiederbelebung der Atomenergie führen.

Atomkraftwerk: Welche Zukunft hat die Kernkraft in Deutschland?
AP

Atomkraftwerk: Welche Zukunft hat die Kernkraft in Deutschland?

Beck sagte der "FAS", die Atomenergie sei "schon deshalb keine Zukunftstechnologie, weil es Uran auch nicht viel länger geben wird als Öl und Gas". Zudem werde Uran in Ländern abgebaut, "die gleichermaßen politisch unsicher sind wie viele Öl- und Gasstaaten". Außerdem sei "das Risiko nuklearer Unfälle zu groß". Gabriel verwies zudem auf die "völlig ungelöste Frage der Entsorgung des hochgefährlichen Atommülls, den wir unseren Enkeln vor die Füße kippen". Zugleich widersprach der Minister der Ansicht, mit Atomkraftwerken lasse sich der Ausstoß an Kohlendioxid verringern. Ein Kernkraftwerk produziere Strom, aber keine nutzbare Wärme. Dafür müssten zusätzliche Wärmekraftwerke sorgen, die wiederum Kohlendioxid ausstießen. Besser sei es, Strom- und Wärmekraftwerke zu koppeln, um den bestmöglichen Wirkungsgrad zu erzielen.

Merkel sagte, wer wie die SPD "sehr schnell aus der Atomstromerzeugung aussteigen will, muss auch sagen, wie er die dann fehlende Energie ersetzen und die Gefahr weiterer CO2-Emissionen vermeiden will". Dies sei "eine Diskussion, bei der sich alle den Wahrheiten stellen müssen". Zugleich kündigte Merkel an, in der Großen Koalition solle in Kürze über die weitere Nutzung der Atomkraft diskutiert werden. "Wir erarbeiten im Rahmen des laufenden Energiegipfel-Prozesses unser Energiekonzept bis zum Jahr 2020, rechnen unterschiedliche Szenarien durch und wollen im Sommer mit allen Beteiligten darüber reden."

Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder, sprach sich für eine Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern aus. In der "B. Z. am Sonntag" verwies er auf die Notwendigkeit, klimaschädliche Emissionen abzusenken. "Diese Erkenntnis wird zu einer Renaissance der Kernkraft führen." Nachbarstaaten wie Finnland und Frankreich bauten zudem neue Atomkraftwerke, "und wir werden langfristig sicher nachziehen müssen, auch im Interesse unserer Umwelt".

asc/AFP



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