Englisch-Künstler Oettinger Schlimmer als "Westerwave"

Englisch ist für Günther Oettinger die Arbeitssprache der Zukunft - alle müssten sie können. Alle außer dem deutschen EU-Kommissar? Seine eigenen Probleme mit der Fremdsprache machen den Schwaben nun zum YouTube-Opfer.
EU-Kommissar Oettinger: "Gute Kenntnisse"?

EU-Kommissar Oettinger: "Gute Kenntnisse"?

Foto: THIERRY ROGE/ REUTERS

Günther Oettinger

London - Wenn in den vergangenen Monaten gefragt wurde, wie es um sein Englisch bestellt sei, kam stets die Antwort, das sei ganz in Ordnung. "Gute Kenntnisse" bescheinigte er sich selbst in dem Bewerbungsbogen, den er für die Anhörung vor dem Europaparlament ausfüllte.

"Ich bin in Englisch, was das Gespräch angeht, sehr sicher", zitierte die "Financial Times Deutschland" den angehenden EU-Energiekommissar nach seiner Nominierung im Oktober. Er habe nur einige Schwächen bei Fachbegriffen, die wolle er bis zum Jahresende mit einem Englisch-Lehrer beheben.

Ein neues Video, das seit einigen Tagen auf dem Videoportal YouTube kursiert, fördert nun das ganze Ausmaß dieser Schwächen zutage. Es ist der Mitschnitt einer Rede, die Oettinger im Dezember vor einem hochrangigen internationalen Publikum in Berlin hielt. Das Zentrum für Kapitalismus und Gesellschaft der Columbia University hatte ihn als "Special Guest" zu seiner siebten Jahreskonferenz eingeladen, und der angehende EU-Kommissar wollte offenbar zeigen, dass er die Weltsprache beherrscht.

Maximaler Lach-Effekt

Um es kurz zu machen: Die Demonstration ging gründlich daneben. Oettinger las vom Blatt ab, doch das half nichts. Der Schwabe in ihm brach immer wieder durch. Es waren nicht nur einzelne Fachbegriffe, die ihm Schwierigkeiten bereiteten, sondern die Fremdsprache an sich. Einfache Worte wie "Energy" erwiesen sich als unüberwindbare Hürden. Die wohlerzogenen Zuhörer applaudierten am Ende dennoch brav.

Das Video hat das Potential, zum Netzphänomen zu werden - ähnlich wie die englischen Kostproben , die Außenminister Guido Westerwelle im vergangenen Jahr den Spitznamen "Westerwave" eingetragen hatten. In Anlehnung daran trägt das Oettinger-Video den Titel "Oettinger talking English - worse than Westerwave" ("Oettinger spricht Englisch - schlimmer als Westerwelle").

Das vierminütige Video ist kein reiner Rede-Mitschnitt. Wie das legendäre Stoiber-Transrapid-Video ist es mit Untertiteln und Fragezeichen unterlegt - für den maximalen Lach-Effekt. Es beginnt mit einem ernst dreinblickenden Oettinger, der sagt: "Englisch wird die Arbeitssprache". Jeder Facharbeiter und jeder Geschäftsführer müsse sie können. Was dann folgt, kommentieren YouTube-Besucher mit "Aua, aua, aua" oder "Noch schlimmer als Westerwave".

"Das soll gar kein Englisch sein, sondern Hochdeutsch"

Es ist nicht das einzige Video im Netz, das Oettingers Sprachdefizite bloßstellt. Auch bei einer Pressebegegnung in Brüssel nach der Anhörung vor dem Europaparlament hatte Oettinger sich entschieden, seine ersten Eindrücke auf Englisch zu schildern. Immerhin ersparten die Reporter ihm und sich weitere Qual: Sie stellten ihre Fragen anschließend gleich auf Deutsch.

Auf YouTube werden Oettingers Gehversuche im Englischen bissig kommentiert. "Das soll gar kein Englisch sein, sondern Hochdeutsch", witzelt ein Nutzer in Anspielung auf den Werbeslogan Baden-Württembergs ("Wir können alles. Außer hochdeutsch").

Nicht alle sind überrascht. Beim "EU Observer" waren gleich nach Oettingers Nominierung im Oktober die ersten Warnflaggen hochgegangen. Der Baden-Württemberger spreche einen "starken schwäbischen Dialekt", hieß es auf der englischsprachigen Web-Seite.

Mit dem Spott wird Oettinger in Brüssel nun leben müssen. Er ist nicht der erste deutsche Politiker, dessen Fremdsprachenkenntnisse verbesserungswürdig sind. Bei der nächsten Gelegenheit kann er zeigen, ob die Englisch-Nachhilfe in den Ferien schon gewirkt hat. Oder besser noch: Er bleibt bei öffentlichen Anlässen einfach bei Schwäbisch.