Entscheidung in Hamburg Wahlkampf bis zur letzten Minute - Naumann kämpft gegen den Beck-Faktor

Nervöse SPD: Die Hamburger Genossen bangen, dass ihnen die Linken-Debatte das Ergebnis in Hamburg verhagelt - Spitzenkandidat Naumann macht sogar am Sonntag noch Wahlkampf. CDU-Amtsinhaber Ole von Beust hofft auf eine Quittung für Kurt Becks Liebäugeln mit der Linken.


Hamburg - Ole von Beust wählte noch vor dem Frühstück - und im Eiltempo. Für die zwölf Stimmen, die er nach dem neuen Wahlrecht für die Bürgerschaft und die Bezirksversammlungen vergeben konnte, brauchte der amtierende Bürgermeister von der CDU nur 37 Sekunden. Damit war er mehr als eine Minute schneller als sein SPD-Kontrahent Michael Naumann.

Beust, Naumann (mit Frau Marie) am Sonntag: Pflicht zur Zuversicht
DDP / REUTERS

Beust, Naumann (mit Frau Marie) am Sonntag: Pflicht zur Zuversicht

Ein Omen, dass von Beust die Nase vorn hat? Siegessicher geben sich beide Kandidaten: "Ich bin sehr zuversichtlich", sagte Beust und versicherte, er habe "eine starke Verunsicherung" unter den traditionellen SPD-Wählern gespürt. Naumann sagte, er sei "gespannt und ein bisschen siegesgewiss". Für ihn ging der Wahlkampf auch am Wahlsonntag noch weiter. Direkt nach dem Gang zur Urne eilte er zum Fischmarkt - wenn es so eng sei, sei es nicht ungewöhnlich, auch am Sonntag noch weiterzumachen, sagte er.

Die Union hofft, dass sich die SPD-Debatte um den Umgang mit der Linken negativ für die Sozialdemokraten auswirken wird. Parteichef Kurt Beck hatte in der vergangenen Woche in vertraulichen Runden mit dem Gedanken gespielt, die hessische Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti mit Hilfe der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen - dabei hatte er genau wie Ypsilanti diese Möglichkeit vor den Wahlen in Hessen kategorisch ausgeschlossen. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hatte daraufhin erklärt, die Hamburger Wähler hätten "die einmalige Chance, über den Wortbruch von Herrn Beck und Frau Ypsilanti abzustimmen". Wer sich aufmache, mit den Linken gemeinsame Sache zu machen, müsse dafür die Quittung bekommen.

Auch den Hamburger Genossen ist trotz Naumanns nach außen getragenem Selbstbewusstsein klar: Die Beck-Debatte kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Entsprechend sauer ist man in der Hansestadt. "Diese Debatte ist gegenüber der Hamburger SPD extrem rücksichtslos", sagte Henning Voscherau, langjähriger sozialdemokratischer Bürgermeister in Hamburg, zu SPIEGEL ONLINE. "Ich weiß auch nicht, wie es dazu kommen konnte."

Weniger Wahlbeteiligung als vor vier Jahren

Ob die Wähler die Genossen nun abstrafen, zeigt sich nach Schließung der Wahllokale ab 18 Uhr. Lediglich über die Wahlbeteiligung wurden bereits erste Aussagen getroffen: Bis 14 Uhr haben 44,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben - vier Jahre zuvor waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 49,6 Prozent gewesen. Insgesamt hatte die Wahlbeteiligung 2004 bei 68,7 Prozent gelegen.

Insgesamt sind heute rund 1,2 Millionen Hamburger zur Wahl einer neuen Bürgerschaft und von sieben Bezirksversammlungen aufgerufen. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Von Beust will mit der CDU die absolute Mehrheit verteidigen. SPD-Herausforderer Naumann hofft, dass die Sozialdemokraten stärkste Fraktion werden und er mit der GAL koalieren kann. Mit Spannung erwartet wird das Abschneiden der Linken und der FDP. Während die FDP um den Einzug in die Bürgerschaft bangen muss, wird den Linken aller Voraussicht nach der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde gelingen.

Erstmals entscheiden die Hamburger dieses Jahr nach einem neuen Wahlrecht: Konnten sie bisher eine Stimme vergeben, so sind es jetzt sechs - eine für eine Partei auf der Landesliste, die anderen fünf für die Kandidaten selbst. Weitere sechs Stimmen haben die Hamburger für ihre Bezirksversammlungen.

ase/AP/dpa/ddp

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