Erdogan gegen Özdemir Bundesregierung bestellte türkischen Botschafter ein

Der jüngste Angriff des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan auf Grünen-Chef Özdemir hatte ein diplomatisches Nachspiel. Die Bundesregierung bestellte den Botschafter des Landes ein. Er kassierte eine deutliche Rüge.
Botschafter Karslioglu: Das Befremden deutlich gemacht

Botschafter Karslioglu: Das Befremden deutlich gemacht

Foto: Marijan Murat/ dpa

Berlin - Die Bundesregierung hat die Verbalattacke von Premier Recep Tayyip Erdogan gegen Grünen-Chef Cem Özdemir missbilligt. Der türkische Botschafter in Berlin wurde zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt geladen. Ihm sei das Befremden über Äußerungen aus der türkischen Regierung deutlich gemacht worden, hieß es am Freitag im Außenministerium.

Vor Abgeordneten seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP bezeichnete Erdogan Özdemir am Dienstag als "angeblichen Türken". Dieser habe vor und nach dem Auftritt sehr hässliche Worte gewählt, sagte Erdogan. "Insbesondere wegen deiner Herkunft hast du kein Recht, so über den Ministerpräsidenten eines Landes zu reden, dem du zugehörig bist", sagte er direkt an Özdemir gerichtet. Er deutete zudem an, dass er den in Baden-Württemberg aufgewachsenen türkischstämmigen Özdemir nicht mehr in seinem Land sehen wolle.

Unerwünschte Person Özdemir

"Diese Art der öffentlichen Kritik an einem wichtigen deutschen Politiker, der sich immer für ein gutes deutsch-türkisches Verhältnis eingesetzt hat - im Übrigen auch im Vorfeld des Besuchs von Ministerpräsident Erdogan - ist nicht förderlich für die deutsch-türkischen Beziehungen", hieß es weiter aus dem AA.

An dem Gespräch am Mittwoch im Außenamt habe von deutscher Seite der politische Direktor teilgenommen. Zuvor hatte die "Welt" berichtet, dieser habe das Gespräch am Mittwochabend mit dem türkischen Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu geführt. Die Zeitung berichtete zudem von Anfeindungen gegen Özdemir und seine Frau, unter anderem im Internet. Dahinter würden Erdogan-Anhänger vermutet.

Özdemir hatte Erdogan mit Kritik an dessen jüngstem Auftritt vor Landsleuten in Köln gegen sich aufgebracht. Der Grüne hatte den türkischen Regierungschef gewarnt, er solle die Konflikte der Türkei nicht nach Deutschland tragen und keinen Wahlkampf in eigener Sache machen.

ler/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.