Erfurt-Konsequenz Schärferes Waffenrecht genügt nicht

Nach dem Massaker von Erfurt wollen Bund und Länder das Waffenrecht verschärfen - und nicht nur das: Bundesinnenminister Otto Schily forderte erneut, Gewaltszenen in Medien und Computerspielen zu verbieten. Bundesbildungsministerin Bulmahn will eine "Schulkultur" schaffen.


Bundesinnenminister Schily: Eindämmung von Gewaltszenen
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Bundesinnenminister Schily: Eindämmung von Gewaltszenen

Berlin - "Wir können die Kinder und Jugendlichen nicht Tag für Tag mit brutalsten Gewaltszenen konfrontieren", sagte Schily (SPD) in der ARD. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass das Auswirkungen auf die Seelen unserer Kinder und Jugendlichen hat."

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn hat sich für eine langfristige Stärkung der Bildungspolitik ausgesprochen: "Die Verschärfung des Waffenrechts ist ein wichtiger Schritt - wird aber nicht alle Probleme lösen", sagte die SPD-Politikerin im Deutschlandfunk.

Es müsse eine Schulkultur geschaffen werden, die eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Schülern garantiere. "Gerade das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Kinder nicht in eine derartige Krisensituation geraten, ohne dass dies bemerkt wird", sagte Bulmahn. Erneut forderte sie die Einrichtung einer "Task-Force Gewaltfreie Schule". Schüler sollten künftig in der Lage sein, Konflikte besser zu erkennen und selbst zu lösen.

Auch der saarländische Ministerpräsident Peter Müller war der Meinung, dass es nicht ausreicht, nur das Waffenrecht zu verschärfen: "Wir können versuchen, das Risiko einer Wiederholung dieser schrecklichen Tat auf ein Minimum zu reduzieren, aber wir werden es nicht völlig ausschließen können. Was auch immer Politik tut, die besten Gesetze und die besten Schulen können nicht das ersetzen, was in den Familien versäumt wird", erklärte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

Grundsätzliche Themen wie die Ächtung der Gewalt in der Gesellschaft und die Stärkung der Erziehungskraft der Familien und Schulen müssten weiterhin behandelt werden, sagte Müller.

Nach einem zweieinhalbstündigem Treffen am Montagabend hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, das Waffenrecht deutlich zu verschärfen.



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