Erfurt Tausende demonstrieren gegen Hartz IV

Es ist zwar nicht Montag, aber dennoch demonstrierten im thüringischen Erfurt mehr als 3000 Menschen gegen Sozialabbau. Die gestern beschlossenen Korrekturen hielten sie nicht davon ab, auf die Straße zu gehen.


Erfurt - Ein tausendstimmiger Sprechchor skandierte vor der Staatskanzlei "Hartz muss weg!" Der Mitbegründer des Neuen Forums, Anselm Daniel, der in Erfurt schon im Herbst 1989 bei Wendedemonstrationen gesprochen hatte, erinnerte an die Traditionen dieser Aktionen, an denen zuletzt 80.000 Erfurter teilgenommen hatten. "Nicht alle, die hier stehen sind von Hartz IV betroffen, aber alle vom Sozialabbau", sagte er.

Unter lautem Beifall drückte er die Enttäuschung über die Politiker mit dem drastischen Satz aus: "Die Tröge sind geblieben, nur die Schweine haben gewechselt."

Die Erfurter Kundgebung war organisiert von einem eine Woche zuvor gegründeten Bündnis gegen Sozialabbau, zu dessen 40 Initiatoren auch der Sprecher der evangelischen Kirche, Wolfgang Musigmann, gehört, der die Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft forderte.

Auf Spruchbändern wurde ein gesetzlicher Mindestlohn von 1500 Euro, die Kürzung der Politiker-Diäten, die Abschaffung von Hartz IV und anderen Sozialreformen verlangt. Die vom DGB Mittelthüringen koordinierten Aktionen sollen nächste Woche Donnerstag fortgesetzt werden.



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