Analyse zu Wahlen in Brandenburg und Sachsen Senioren retten die etablierten Parteien

Die CDU wird in Sachsen stärkste Kraft, die SPD in Brandenburg. Ein maßgeblicher Grund dafür: ältere Wähler. Bei den Jungen ist das Ergebnis überraschend.

Hinweisschild mit den verschiedenen Wahlbezirken
Robert Michael/dpa

Hinweisschild mit den verschiedenen Wahlbezirken

Von und (Grafiken)


Mit Slogans wie "Wende 2.0" oder "Vollende die Wende!" hat die AfD Wahlkampf gemacht. Bei der Landtagswahl in Sachsen punkteten die Rechtspopulisten aber auch bei Wählern einer Altersgruppe, die DDR und Wende nicht oder nicht bewusst miterlebte.

Bei den 18- bis 24-Jährigen in Sachsen holten die Rechtspopulisten 20 Prozent der Stimmen, gemeinsam mit den Grünen das beste Ergebnis in dieser Altersklasse. Bei den 25- bis 34-Jährigen ließ die AfD mit 26 Prozent die Konkurrenz deutlich hinter sich. Das geht aus einer Analyse der vorläufigen Wählerwanderung von Infratest dimap für die ARD hervor. Ihre besten Ergebnisse holte die AfD dort aber unter Menschen mittleren Alters: 29 Prozent bei den 35- bis 44-Jährigen und 33 Prozent bei den 45- bis 59-Jährigen.

Unter den ganz Jungen erzielten allein die Grünen ein annähernd gutes Ergebnis: 20 Prozent der 18- bis 24-Jährigen stimmten für sie. Bei den 25- bis 34-Jährigen kam die CDU auf immerhin 19 Prozent.

Die Christdemokraten überzeugten vor allem ältere Wähler: Bei den 60- bis 69-Jährigen kamen sie auf 38 Prozent, bei den über 70-Jährigen auf 45 Prozent. In beiden Gruppen war das der Spitzenwert unter den Parteien. Bei den 45- bis 59-Jährigen lag die CDU beinahe gleichauf mit der AfD (32 Prozent).

Eine Analyse der Berufsgruppen zeigt entsprechend, dass die CDU vor allem bei Rentnern gut abschneidet. Mit 42 Prozent ist sie stärkste Kraft in dieser Gruppe. Auch unter Selbstständigen (32 Prozent) und Angestellten (30 Prozent) ist die CDU im Freistaat stärker als alle anderen Parteien. Allerdings folgt in beiden Gruppen schnell die AfD. Unter Arbeitern holen die Rechtspopulisten mit 41 Prozent das beste Ergebnis aller Parteien.

SPD schneidet in Brandenburg unter Älteren am besten ab

Was die Union in Sachsen ist, ist die SPD in Brandenburg: die Partei der älteren Wähler. In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen holen die Sozialdemokraten 30 Prozent, bei den über 70-Jährigen kommen sie auf 42 Prozent. In beiden Gruppen verzeichneten sie damit gegenüber der Landtagswahl 2014 Einbußen. Es ist dennoch das beste Ergebnis aller Parteien in dieser Altersklasse.

Unter den ganz Jungen sind die Grünen stärkste Kraft: Sie holen 27 Prozent bei den 16- bis 24-Jährigen. In dieser Gruppe belegt die AfD den zweiten Platz mit 18 Prozent. Ihre besten Ergebnisse holen die Rechtspopulisten aber bei den 25- bis 34-Jährigen (30 Prozent), den 35- bis 44-Jährigen (30 Prozent) und den 45- bis 59-Jährigen (27 Prozent). In allen drei Gruppen belegen sie den ersten Platz.

Die Sozialdemokraten sind mit 39 Prozent die Partei der Rentner, aber nicht mehr die Partei der Arbeiter. In dieser Berufsgruppe büßen sie zehn Prozentpunkte ein und kommen nur auf 20 Prozent.

Damit liegen sie deutlich hinter der AfD, die unter Arbeitern 44 Prozent der Stimmen holt. Auch bei den Selbstständigen und Angestellten liegen die Rechtpopulisten vorn.

In beiden Gruppen büßt die Union deutlich ein. Die Grünen hingegen legen bei Selbstständigen und Angestellten ebenso zu wie unter Rentnern.


Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version war aufgrund einer inzwischen überholten Datenlage berichtet worden, die AfD habe bei den 18- bis 24-Jährigen in Sachsen 21 Prozent der Stimmen erhalten; laut aktuellen Daten sind es 20 Prozent. Wir haben die entsprechende Stelle aktualisiert.



insgesamt 121 Beiträge
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fkfkalle3 02.09.2019
1. Jüngere Wählergruppen für AFD
Spätestens an diesem Punkt reibe auch ich mich, habe erhebliche Bauchschmerzen.Ältere Menschen scheinen am Ende wenigstens in der Lage zu sein, strategisch zu denken. Hier könnte ein rechtsradikales Potential entstehen, oder gar schon installiert sein. Offensichtlich, so scheint es, hat die politische Bildung in weiten Bereichen nicht so richtig funktioniert. Der Zusammenhang zwischen dem Lebensumfeld , der damit verbundenen Einstellung sollte genauer untersucht werden. In Europa sind gerade ländliche Bereiche ein Pool für Ideologien,die nicht im Interesse einer freien,demokratischen Grundordnung stehen. Mit einer fundamentalen Opposition kann man leben , jedoch mit der Ausrichtung stramm Rechts kann ich nicht anfreunden.Sollten hier im Forum Menschen dieser Altersgruppe auftreten, bitte ich um Aufklärung. Ich will dieses verstehen.
dasfred 02.09.2019
2. Die Zahl der jungen AfD Wähler ist zu hoch
Ich lebe in Hamburg in einem Stadtteil, in dem wir sicherlich 25 Prozent junge Leute mit Migrationshintergrund haben. Hier fühlen ich mich aber trotzdem sicher, weil diese Menschen in unserer Gesellschaft aufgehen und nicht stärker unangenehm auffallen, als die einheimischen. Wenn ich mir allerdings vorstelle ich müsste mit 25 Prozent AfD Wählern aus dieser Altersgruppe leben, die offensichtlich eine Veränderung der Gesellschaft nach Rechts suchen, zurück in die Vergangenheit, über die sie praktisch nichts wissen, dann könnte ich kotzen.
Freifrau von Hase 02.09.2019
3. Traurig
Traurig, dass so viele junge Menschen auf die süßen, aber falschen Versprechungen der Rechtspopulisten reinfallen. Vielleicht gerade, weil sie nie bewusst eine Diktatur miterlebt haben? Weil sie den Mangel und das Elend der DDR nie wirklich kennengelernt haben? In dem Maße, wie 3. Reich und DDR im Dunkel der Geschichte verschwinden, scheinen immer mehr Menschen in populistischen Parteien eine Option zu sehen, nicht nur in Deutschland. Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen....
Hans-Dampf 02.09.2019
4.
Finde nur ich es seltsam, dass bei einer anonymen Wahl am Ende festgestellt werden kann, aus welcher Altersgruppe und aus welchen Berufen die entsprechenden Parteien gewählt wurden? Oder stand auf den Wahlzetteln drauf, dass man Alter und Beruf(sgruppe) nennen soll?
fördeanwohnerin 02.09.2019
5. -
Interessant wäre jetzt noch einmal der Vergleich zwischen Stadt und Land sowie eine Analyse des Bildungsgrades. Allerdings muss ich mich doch wundern, dass diejenigen, die noch am besten wissen, wie es damals in der DDR war, tendenziell weniger AfD gewählt haben. Da kann man jetzt doch endlich auch mal die Älteren loben.
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