Debatte in der Union Erika Steinbach wirbt für Koalition der CDU mit der AfD

Der Unions-Streit über den Umgang mit der Alternative für Deutschland eskaliert: Die CDU-Bundestagsabgeordnete Steinbach plädiert im SPIEGEL für eine mögliche Koalition. Fraktionschef Kauder hält dagegen.
Erika Steinbach (CDU): Sucht eine Alternative für den Umgang mit der AfD

Erika Steinbach (CDU): Sucht eine Alternative für den Umgang mit der AfD

Foto: Karlheinz Schindler/ dpa

Berlin - Als erstes Führungsmitglied der Unions-Bundestagsfraktion hat sich die hessische CDU-Politikerin Erika Steinbach für eine Koalition mit der eurokritischen Alternative für Deutschland ausgesprochen. "Die AfD ist nach meinen Beobachtungen eine rechtsstaatliche, demokratische Gruppierung und damit ebenso unser Konkurrent wie unser möglicher Partner", sagte Steinbach dem SPIEGEL. "In unserer Demokratie müssen die Parteien dazu bereit sein, mit allen demokratischen Gruppierungen zu koalieren, die nicht radikal oder gewaltbereit sind. Wenn Parteien anfangen, sich einander zu verweigern", warnt Steinbach, "dann wird es sehr gefährlich für die Demokratie." (Lesen Sie hier das komplette Interview mit Erika Steinbach)

Steinbach, 1943 im heutigen Polen geboren, ist vor allem als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen bekannt geworden. Sie sitzt seit 1990 im Deutschen Bundestag und gehört dem Fraktionsvorstand der Union an. Zuvor hatten bereits andere CDU-Politiker die Abgrenzungsstrategie ihrer Partei gegenüber der AfD infrage gestellt, etwa der ehemalige Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag, Christean Wagner.

Unionsfraktionschef Volker Kauder hingegen setzt weiter auf demonstrative Distanz zur AfD. Er will keine Talkshows mehr besuchen, wenn auch AfD-Funktionäre teilnehmen. Ein Kurs, der in der Partei jedoch auf Unbehagen stößt. "Ich persönlich würde mich anders entscheiden", so Wolfgang Bosbach, Chef des Innenausschusses im Bundestag. Er findet es "nicht so richtig plausibel", dass Kauder mit Spitzenkräften der Linken diskutieren will, nicht aber mit AfD-Chef Bernd Lucke. So sieht es auch der CDU-Abgeordnete Jens Spahn: "Die AfD und ihre Parolen sollten wir stellen, indem wir ihre teils dumpfen Argumente widerlegen."

ric
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.