Erinnerung an 1989 Merkel zelebriert Mauerfall an Bornholmer Straße

Es war ein symbolischer Gang über die Brücke an der Bornholmer Straße: Kanzlerin Merkel hat zusammen mit Michail Gorbatschow und dem ehemaligen polnischen Präsidenten Walesa den einstigen DDR-Übergang in Berlin passiert. Dort wurde damals zuerst die Grenze geöffnet.

AP

Berlin - Grenzübergang Bornholmer Straße, die sogenannte Bösebrücke: Der Kontrollpunkt war am Abend des 9. November 1989 der erste, über den die Menschen in den Westen stürmten. Auch Angela Merkel war vor 20 Jahren über den Grenzübergang in den Westen gegangen. An diesem Montag hat die Kanzlerin symbolisch die frühere Grenze zwischen Ost und West überquert - gemeinsam mit dem früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow und dem Mitbegründer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa.

Merkel bedankte sich in einer kurzen Ansprache bei Walesa und Gorbatschow für deren Beitrag zum Mauerfall. An Gorbatschow gewandt sagte die Kanzlerin: "Sie haben mutig die Dinge geschehen lassen, und das war viel mehr, als wir erwarten konnten. Ein herzliches Dankeschön dafür." Mit Blick auf Polens Ex-Präsident Walesa würdigte Merkel die Solidarnosc als Wegbereiterin für die Wende in der DDR. Die Gewerkschaftsbewegung in Polen sei eine "mutige Erhebung" und "eine unglaubliche Ermutigung" für die Menschen in der damaligen DDR gewesen.

An diesem historischen Ort sollten auch diejenigen des Mauerfalls gedenken können, die damals noch nicht geboren oder kleine Kinder waren, sagte Merkel. Es wachse eine neue Generation heran, die in die Europäische Union eingebettet sei. "Dafür hat es sich gelohnt zu kämpfen und einzutreten." Deswegen sei dies ein schöner Tag für Deutschland, sagte Merkel, die anschließend Autogramme gab und sich von Bürgern fotografieren ließ.

Zum Mauerfall-Jubiläum waren auch viele frühere Bürgerrechtler an den symbolträchtigen Ort gekommen. Zu ihnen gehörten der langjährige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, seine Nachfolgerin Marianne Birthler, die Sänger Wolf Biermann und Stephan Krawczyk sowie die früheren Pfarrer Reinhard Eppelmann und Markus Meckel. An dem historischen Spaziergang nahmen vor Hunderten Schaulustigen auch Bundestagspräsident Norbert Lammert und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit teil.

Am 9. November 1989 drängelten sich gegen 21.30 Uhr an der Bösebrücke tausend Menschen. Die DDR-Grenztruppen entschlossen sich zu einer "Ventillösung" und ließen erste Bürger durch ein schmales Tor passieren.

Walesa bestritt in einem Interview mit dem polnischen Fernsehsender tvn24, dass der Mauerfall vor allem Gorbatschow zu verdanken sei. Es sei "eine Lüge", dass Gorbatschow die Mauer zu Fall gebracht habe, sagte der Friedensnobelpreisträger. Viel wichtiger sei die Rolle des damaligen Papstes Johannes Paul II. und der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc gewesen, die Walesa anführte.

"Es macht mich heute traurig, dass Helden aus denen gemacht werden, die keine waren", sagte Walesa. Gorbatschow habe weder den Kommunismus noch die Berliner Mauer stürzen wollen - "das lag nicht auf seinem Weg". "Wenn die Dinge so dargestellt werden, heißt das, dass Europa auf einer Lüge errichtet wird, das erschreckt mich", sagte der frühere Gewerkschaftsführer.

"Die Wahrheit ist, dass Papst Johannes Paul II. zu 50 Prozent zum Mauerfall beigetragen hat, 30 Prozent die Solidarnosc und Lech Walesa und nur 20 Prozent der Rest der Welt", sagte Walesa. Der polnische Papst habe seinerzeit die Völker Europas aufgerufen, das "Gesicht der Welt zu verändern", und seine Botschaft habe die Menschen ermutigt, die Politiker zu Veränderungen zu zwingen.

Die offiziellen Feiern zur Erinnerung an den Mauerfall hatten am Montagmorgen mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Gehtsemanekirche begonnen.

hen/dpa/AP/ddp/AFP

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derweise 31.10.2009
1. Außenpolitisch
Außenpolitisch kann sich das Werk Kohls sehen lassen, innenpolitisch ("geistig-moralische Wende") war es nichts.
c++ 31.10.2009
2. ritualisierter Vergangenheitsbewältigung
Wir haben diese Form der ritualisierten Vergangenheitsbewältigung noch nicht einmal 64 Jahre nach dem Ende des 2. WK überwunden, noch immer kommt, meist unangebracht, die erhobene Zeigefinger: "Deutschland bei seiner Geschichte ...", "Aufgrund des historischen Erbes...". Und da wollen die Genossen schon nach 20 Jahren aus ihrer historischen Schuld entlassen werden. Nein, Genossen, noch über 40 Jahre muss das Gedenken an den DDR-Sozialismus in Deutschland allgegenwärtig sein. Da darf es nicht zu Verharmlosungen und Relativierungen kommen. Die eigentliche Auseinandersetzung mit der NS-Zeit begann 1968, 23 Jahre nach dem Zusammenbruch. Die Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur müsste jetzt mal langsam beginnen. Ansonsten hat Platzeck natürlich Recht. Wer die DDR als Irrweg sieht, sich zum demokratischen Rechtsstaat bekennt, warum sollte man da Barrieren errichten? Allerdings wirklich nur dann, wenn es keine DDR-Nostalgiker sind. Und die gibt es noch in der Linken. Noch ist die Einsicht in das Unrecht nicht ausgelöscht, der Schoß ist fruchtbar noch.
goethestrasse 31.10.2009
3.
Versöhnen mit den SED - Erben .. Schwamm drüber , über 40 Jahre DDR. da bin ich mal gespannt, was hier im forum abgeht.
mursilli 31.10.2009
4. Mit oder ohne Hoffnungen
Zitat von sysopZwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer darf Bilanz gezogen werden. Nach großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen bleiben für viele Deutsche die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Welche Hoffnungnen weckte der Mauerfall, welche konnten Ihrer Meinung nach erfüllt werden?
- der Fall der Mauer selbst war das Ereignis. Plötzlich war das Zuchthaus offen und seine Leitung entmachtet.
ArbeitsloserMathematiker 31.10.2009
5.
Zitat von derweiseAußenpolitisch kann sich das Werk Kohls sehen lassen, innenpolitisch ("geistig-moralische Wende") war es nichts.
Tja, die "geistig-moralische Wende" kann man eher mit der Inversion am Einheitskreis vergleichen...
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