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16. Dezember 2011, 17:43 Uhr

Erklärung per Anwalt

Wulff beharrt auf seiner Kredit-Variante

Christian Wulff bleibt dabei: Der Bundespräsident will den umstrittenen Privatkredit von Edith Geerkens erhalten haben - und nicht von deren Unternehmer-Gatten Egon. Eine entsprechende Erklärung, unter Verweis auf Bankinformationen, ließ er per Anwalt verbreiten.

Berlin - In der Affäre um einen Privatkredit über 500.000 Euro gerät Christian Wulff immer stärker unter Druck. Nun ist der Bundespräsident per Rechtsanwalt einem Bericht des SPIEGEL entgegengetreten, wonach das umstrittene Darlehen doch von Wulffs Unternehmer-Freund Egon Geerkens kam.

Die Sparkasse Osnabrück habe "bestätigt, dass der Scheck der Deutschen Bundesbank, der dem beurkundenden Notar zur Verfügung gestellt wurde, aus dem Konto von Frau Edith Geerkens gedeckt wurde", teilte Wulffs Rechtsanwalt Gernot Lehr am Freitag in Berlin mit. Der Vertrag über das Privatdarlehen sei mit der Ehefrau des Unternehmers geschlossen worden.

"Die Eheleute Wulff leisteten alle vereinbarten Zinszahlungen auf das Konto von Frau Edith Geerkens" hieß es weiter. Wulff habe zu keinem Zeitpunkt Anlass gehabt, "daran zu zweifeln, dass die Darlehenssumme - wie bei der Vereinbarung des Darlehens beschrieben - aus dem Vermögen von Frau Edith Geerkens stammt".

Unternehmer Geerkens äußert sich im SPIEGEL

Aussagen von Egon Geerkens selbst legen dagegen einen anderen Sachverhalt nahe. Der 67-Jährige hatte dem SPIEGEL gesagt, er selbst habe die Verhandlungen mit Wulff über das Darlehen geführt. Er habe sich auch überlegt, "wie das Geschäft abgewickelt werden könnte". Außerdem beruhe die freundschaftliche Verbindung in erster Linie auf dem Verhältnis zwischen Wulff und ihm.

Die Zahlung des Darlehens sei zwar über ein Konto seiner Frau erfolgt, für dieses Konto habe er allerdings eine Vollmacht. Die Rückzahlung der Kreditsumme im Jahr 2010 sei auf ein Konto erfolgt, das beiden Eheleuten gehöre.

Bei der Abwicklung des Darlehens sei laut dem Unternehmer Geerkens eigens ein Weg gewählt worden, bei dem die Namen der Beteiligten nicht auftauchen sollten. "Wir sind beide sehr bekannt in Osnabrück. Und ich wollte nicht, dass irgendein Bank-Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt", so Geerkens. Daher sei ein anonymer Bundesbankscheck ausgestellt und Wulff übermittelt worden, damit dieser ihn einlösen konnte.

jok/dpa-AFX

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