Eröffnung der US-Botschaft Puzzlespiele am Pariser Platz

12.000 Miniburger, Tweety und ein Feuerwerk: Mit einem betont entspannten Fest haben George Bush senior und Angela Merkel die neue US-Botschaft in Berlin eröffnet. Das umstrittene Gebäude soll Symbol der Freundschaft werden - der Ex-Präsident spricht von einem historischen Puzzleteil.


Berlin - Die Nachbarn sind zumindest schon mal freundlich. "Bienvenue" grüßt das Banner von der französischen Botschaft herüber, und von den deutschen Banken heißt es, natürlich in der Sprache der Global Player, "Welcome". Weniger freundlich ist das Wetter, es nieselt vom grauen Himmel, die Damen in Abendgarderobe frösteln im kühlen Wind.

Dennoch ist der Platz am Brandenburger Tor gut gefüllt, die meisten der 4500 geladenen Gäste scheinen zur Eröffnung der neuen US-Botschaft auch gekommen zu sein. "Pariser Platz 2" lautet die Adresse, eleganter geht es in Berlin nicht. Angela Merkel und George Herbert Bush teilen sich einen schwarzen Regenschirm, den der frühere US-Präsident fürsorglich über die deutsche Kanzlerin spannt. Die beiden halten die Festreden.

"Es hat sich viel verändert, seit die Stars and Stripes hier zum letzten Mal flatterten", sagt Bush. Harte Zeiten der Prüfung seien es gewesen, und er zählt die wichtigsten Momente auf: Berlin-Blockade, Mauerbau, Wiedervereinigung. Nun werde "eins der letzten Teile eines historischen Puzzles an seinen Platz gelegt", schwärmt der 84-Jährige. Deutschland habe sich zu einem der wichtigsten Partner der USA gemausert. Merkel dankt im Gegenzug den USA dafür, dass sie Berlin nie aufgaben: "Sie haben immer an die Kraft der Freiheit geglaubt, als dieses Tor durch Mauer und Stacheldraht versperrt war".

Von einem "historischen Tag" ist an diesem Freitagabend viel die Rede. Nach 67 Jahren kehrt die US-Botschaft an ihren angestammten Platz im Mittelpunkt der deutschen Hauptstadt zurück. Ihr altes Gebäude, das klassizistische Palais Blücher, war im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1957 abgerissen worden. An der Stelle erhebt sich nun eine moderne Sandsteinfassade, sachlich, funktional, fast ein bisschen langweilig.

Es sei eben ein Bürogebäude, hatte der Hausherr, US-Botschafter William Timken, in Interviews tiefgestapelt. Nun spricht er vollmundig von einem "Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft".

Burger King und "Tweety"

Führungen gibt es an diesem Abend nicht - zur Enttäuschung vieler Gäste, die dies erwartet hatten. "Ist doch ein schönes Platz hier", sagt ein Sicherheitsbeamter mit amerikanischem Akzent zu zwei Frauen, die in die Botschaft wollen. Die Eröffnungsparty findet Open Air statt. Auf dem abgesperrten Pariser Platz stehen weiße Zelte und Stehtische. Burger King serviert Burger und Hähnchen-Spieße, das Eis kommt von Häagen Dazs, das Bier von Anheuser Busch und die Muffins aus dem McCafe.

Durch das Gedränge läuft eine Frau mit roten und blauen Ballons an einer Leine. Auf den Ballons steht "Ich bin ein Berliner" - eine Werbung für das Kennedy-Museum schräg gegenüber. Später machen noch Sylvester und Tweety die Runde und schütteln Hände, dazu gibt es Musik von Copeland und Gershwin - das Amerika-Erlebnis soll perfekt sein.

Blicke ins Innere der Botschaft werden nur via Großbildleinwand gewährt. Die "Liberty Lantern" wird gezeigt, der runde Glasaufsatz auf dem Dach, der in "respektvollem Abstand" zur Quadriga des Brandenburger Tors geplant wurde, wie einer der Architekten im Einspielvideo sagt. Aus dem gläsernen "State Room" haben die Amerikaner einen spektakulären Rundumblick auf Potsdamer Platz und Reichstagskuppel.

"Düsterer Blick" aufs Holocaust-Mahnmal

Unten vor dem Eingang verrät eine Botschaftsmitarbeiterin, dass drinnen in modernen Großraumbüros gearbeitet wird - im Unterschied zu den Einzelbüros in der bisherigen Botschaft. Großraum sei besser für die Stimmung, sagt die Mitarbeiterin. Allerdings blicke sie von ihrem Schreibtisch auf das Holocaust-Mahnmal, ein etwas "düsterer" Blick, wie sie meint.

Doch es geht um mehr als bloß eine Büroeröffnung. Es ist der 4. Juli, der Unabhängigkeitstag der USA, und man befindet sich an einem der symbolträchtigsten Orte der Welt. Dementsprechend dick haben die Redenschreiber von Merkel und Bush das Pathos aufgetragen.

Der 4. Juli sei "ein Feiertag für alle, die wissen, wie wertvoll Freiheit und Unabhängigkeit sind", sagt Merkel. Für die Deutschen sei der Gang durch das Brandenburger Tor zur Normalität geworden. "Aber wir vergessen nicht, wer sich für seine Öffnung maßgeblich eingesetzt hat: die Vereinigten Staaten von Amerika."

Und Bush bekennt: "Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als den Unabhängigkeitstag hier zu feiern." Das fand eigentlich auch sein Sohn, der amtierende US-Präsident George W. Bush, der gern selbst gekommen wäre. Den Junior aber wollte Merkel nicht in Berlin empfangen und legte darum dessen Abschiedsbesuch zeitlich etwas vor und raus aus Berlin nach Meseberg.

"Es hat eine Weile gedauert, aber hier ist sie"

Immer wieder fallen die Worte "Luftbrücke", "Ich bin ein Berliner" und "Tear down this wall". Fünf alte Herren mit bunten Krawatten marschieren auf den Platz, es sind Veteranen der Luftbrücke von 1948. In der Mitte geht Colonel Gail Halvorsen, der einst den Begriff vom "Candy Bomber" prägte: Als erster US-Pilot hatte er Süßigkeiten aus seinem Flugzeug auf Berlin regnen lassen.

Der Abend steht ganz im Zeichen der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Die jahrelangen Querelen um die Sicherheitsanforderungen der Botschaft hingegen kommen nicht zur Sprache. Dabei ging der Streit so weit, dass der damalige CDU-Bürgermeister Eberhard Diepgen den Amerikanern empfahl, doch besser einen McDonald's an der Stelle zu eröffnen. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss: Zwei Straßen wurden leicht verlegt und der Plan der Architekten noch einmal überarbeitet. "Es hat eine Weile gedauert, aber hier ist sie", kommentiert Botschafter Timken trocken die Vorgeschichte seines neuen Domizils.

Von den Gästen der Eröffnungsparty gibt es Lob für das Gebäude. "Die Botschaft fügt sich gut ein", findet Bert Rürup, der Vorsitzende des Sachverständigenrats der Bundesregierung. Er kann die Kritik vieler deutscher Kommentatoren an dem vermeintlichen Bunker nicht nachvollziehen. Die britische Botschaft gleich um die Ecke, sagt der Ökonom, "ist doch viel aggressiver".



insgesamt 18 Beiträge
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Pablo alto, 04.07.2008
1. Noch'n Fahnenproblem
---Zitat von Bildunterschrift--- ...Merkel auf der Bühne feierliche Worte an die Gäste, im Hintergrund wehte eine deutsche und eine amerikanische Flagge. ---Zitatende--- Da wehte (sic!) doch glatt zwei Fahnen - oder haben wir schon eine gemeinsame mit dem Amis? Vielleicht hat die BU aber auch Dubblejuh Bush getextet ... Im Moment hat wohl jeder so sein Problem mit dem Fähnchen im Wind.
Wolf_68, 05.07.2008
2. umstritten?
Zitat von sysop12.000 Miniburger, Tweety und ein Feuerwerk: Mit einem betont entspannten Fest haben George Bush senior und Angela Merkel die neue US-Botschaft in Berlin eröffnet. Das umstrittene Gebäude soll Symbol der Freundschaft werden - der Ex-Präsident spricht von einem historischen Puzzleteil. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,564016,00.html
Bei wem genau ist dieses Gebäude umstritten?
gutmensch666, 05.07.2008
3. Die Merkel
Zitat von sysop12.000 Miniburger, Tweety und ein Feuerwerk: Mit einem betont entspannten Fest haben George Bush senior und Angela Merkel die neue US-Botschaft in Berlin eröffnet. Das umstrittene Gebäude soll Symbol der Freundschaft werden - der Ex-Präsident spricht von einem historischen Puzzleteil. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,564016,00.html
Die Merkel - sie nimmt wieder alles in den Mund und bezahlt dafür sogar noch mit Steuergeldern. Ja, so kennen wir sie. George: Er habe noch keinen Mann getroffen, der soviel essen kann (Kohl). Nun, wer mal eben 300.000 DM und ein Ehrenwort bezahlt, darf wohl getrost als maßlos bezeichnet werden, nicht wahr?
Herr P., 05.07.2008
4. Eine Frage:
Wer hat den Bau nebst Grundstück und alles Weitere bezahlt? Ich hoffe doch nicht der Steuerzahler aus unseren Landen?! Das würde mich doch mal brennend interessieren. Ich hoffe eine Antwort zu erhalten.
het, 05.07.2008
5. Niederrheinischer Bauträger
Zitat von Herr P.Wer hat den Bau nebst Grundstück und alles Weitere bezahlt? Ich hoffe doch nicht der Steuerzahler aus unseren Landen?! Das würde mich doch mal brennend interessieren. Ich hoffe eine Antwort zu erhalten.
Sie vermuten, daß die Baukosten möglicherweise die Deutsche Rentenversicherung-Außenstelle Niederrhein- übernommen hat? Die Antwort müssen Sie schon selbst recherchieren.
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