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Demos und Partys: So feiert Deutschland den 1. Mai

Foto: Stephanie Pilick/ dpa

Demonstrationen zum 1. Mai Bürger feiern, Gewerkschafter mahnen, Demonstranten stören die NPD

Tausende haben am 1. Mai gegen NPD-Aufmärsche demonstriert, weitgehend friedlich. Jetzt hoffen die Sicherheitskräfte, dass es bei den traditionellen Demos in Hamburg und Berlin so ruhig bleibt wie bei den Kundgebungen der Gewerkschaften.

Die Walpurgisnacht ist geschafft, es blieb einigermaßen friedlich. Aber die Sicherheitsbehörden in Hamburg, Berlin und anderen Großstädten fragen sich: Bleibt es auch am Abend dieses 1. Maifeiertags so? Oder eskalieren die Proteste am Tag der Arbeit, wie es sonst so oft geschieht?

Erste Zusammenstöße mit der Polizei gab es in Dortmund und im sächsischen Plauen. Dort hatten, wie an mehreren anderen Orten, Gegendemonstranten gegen Aufmärsche von Rechtsextremisten und der NPD protestiert. Nach Polizeiangaben setzten Linksautonome in beiden Städten Mülltonnen in Brand und griffen Polizisten an. In Plauen flogen dabei auch Steine und Flaschen, ein Demonstrant wurde verletzt. Dort kesselte die Polizei Demonstranten ein. In Dortmund setzten die Polizisten Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Auch in Rostock gingen mehrere Hundert Menschen gegen eine Demonstration von rund 300 NPD-Anhängern auf die Straße. Gegendemonstranten gelang es, eine weitere Veranstaltung der Rechtsextremisten in einem anderen Teil der Hansestadt zu verhindern. In Duisburg protestierten circa 400 Demonstranten gegen eine Veranstaltung von 100 Rechtsextremisten. Bei einer Schlägerei zwischen Anhängern beider Gruppen wurden dort zwei Menschen verletzt und vier Beteiligte festgenommen.

In Hamburg blieb es zunächst friedlich. Mit pinken und blauen Fahnen, Fahrrädern und elektronischer Musik machten sich einige hundert Demonstranten auf den Weg durch die Hamburger Innenstadt. Ihre Botschaft: "Die Flüchtlinge in Hamburg sind hier, um zu bleiben." Im Dezember waren die Proteste für die Menschen aus Lampedusa eskaliert. Noch immer sind sie in privaten Unterkünften oder in den Containerplätzen dreier Kirchen untergebracht. Eine echte Lösung sei das nicht, meinen die "Friends of Lampedusa" in Hamburg und fordern: "Flüchtlinge sollen selbst bestimmen können, wo sie leben wollen, und eine Arbeitserlaubnis für ganz Europa bekommen."

Bis zu 1400 Menschen werden beim Marsch durch das Schanzenviertel unter dem Motto "Hamburg sieht rot" erwartet. Darunter könnten nach Einschätzung der Polizei auch etwa 300 bis 400 gewaltbereite Teilnehmer sein. Mehrere Hundertschaften sind im Einsatz.

In Berlin werden zur sogenannten Revolutionären-1.-Mai-Demonstration um 18.00 Uhr mehr als 10.000 Teilnehmer erwartet. In der Vergangenheit war rund um die Demo in Kreuzberg immer wieder Gewalt ausgebrochen. Banken und Geschäfte wurden vorsorglich mit Spanplatten verbarrikadiert, 6500 Polizisten sind vor Ort. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) zeigte sich aber optimistisch, dass die Gewaltbereitschaft gering und der Protest weitgehend friedlich bleiben wird.

Zuvor hatte das BKA befürchtet, die Gewaltbereitschaft der Autonomen in Hamburg und Berlin sei hoch.

Zu den Ritualen des Maifeiertages gehört auch, dass die Gewerkschaften den Tag der Arbeit feiern. So demonstrierten 400.000 Gewerkschafter und Unterstützer für einen Mindestlohn ohne Ausnahmen, für die Rente mit 63 sowie ein sozialeres Steuersystem.

DGB-Chef Michael Sommer warnte bei der zentralen Mai-Kundgebung in Bremen, es dürfe bei dem von Schwarz-Rot geplanten flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn "keine Ausnahmen wegen des Alters oder Geschlechts, der Herkunft oder der sozialen Lage geben". Er forderte: "Keine Stunde Arbeit darf billiger sein als 8,50 Euro." Sommers designierter Nachfolger Reiner Hoffmann sagte in Duisburg, der Mindestlohn sei nur ein erster Schritt von notwendigen sozialpolitischen Korrekturen für eine neue Ordnung der Arbeit.

vek/otr/dpa
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