Nach Terrordrohung in Essen Polizei durchsucht Wohnungen in Oberhausen

Nach Hinweisen auf einen geplanten Terroranschlag haben die Behörden ein Einkaufszentrum in der Essener Innenstadt gesperrt. Jetzt durchsuchen Polizisten zwei Wohnungen in Oberhausen, die Inhaber werden vernommen.

REUTERS

Polizisten tragen schusssichere Westen und Maschinenpistolen, Spürhunde sind im Einsatz: Nach der Terrordrohung in Essen hat die Polizei das Einkaufszentrum "Limbecker Platz" im Zentrum der Stadt mit einem Großaufgebot abgesichert, auch Kräfte aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens sind vor Ort. Von "konkreten Hinweisen" auf einen geplanten Terroranschlag auf das Shopping-Center hatten die Behörden am Morgen gesprochen. Noch gibt es kaum Informationen, was damit gemeint ist.

Offenbar aber haben die Ermittler eine Spur. Im Zusammenhang mit der Terrorwarnung durchsuchen Polizisten zur Stunde eine Wohnung in Oberhausen. "Der Wohnungsinhaber wird vernommen", teilte die Polizei mit. Man könne jedoch nicht von einem Tatverdächtigen sprechen. "Die Ermittlungen dauern an." Auch eine zweite Person wird aktuell verhört, ihre Wohnung ebenfalls durchsucht. "Von Festnahmen kann man aber noch nicht sprechen", erklärte ein Polizei-Sprecher dem SPIEGEL.

Den Angaben zufolge erhielt die Essener Polizei am Freitag von einer anderen Sicherheitsbehörde die Warnung vor einem drohenden Anschlag. Gemeinsam mit dem Management sei entschieden worden, das Einkaufszentrum heute nicht zu öffnen. "Bereits die ganze Nacht hindurch liefen Ermittlungen der Kriminalpolizei hinsichtlich möglicher Täter." Mit der Durchsuchung der Wohnung in Oberhausen begannen die Einsatzkräfte um 13.30 Uhr.

Bericht über Selbstmordattentäter

Die "Bild"-Zeitung berichtete auf ihrer Internetseite, die Hinweise auf den drohenden Anschlag stammten aus Geheimdienstkreisen. Demnach sei vor mehreren Selbstmordattentätern gewarnt worden, die das Einkaufszentrum mutmaßlich mit Bomben angreifen wollten. Namen möglicher Terroristen seien jedoch nicht bekannt, auch nicht, ob es sie tatsächlich gibt.

Die Shoppingmeile zählt zu den größten innerstädtischen Einkaufszentren. Um eine Gefährdung der Besucher auszuschließen, blieben Verkaufshallen und die Parkgarage den ganzen Tag über geschlossen. Am Zentrum "Limbecker Platz" herrschte am Vormittag gespenstische Ruhe, wo an normalen Samstagen reger Betrieb ist.

Nach Angaben des Managements halten sich samstags im Schnitt rund 60.000 Menschen in dem mehrgeschossigen Ladenkomplex auf. Der Warnhinweis bezog sich nur auf das Einkaufszentrum, nicht aber auf umliegende Geschäfte. Außerhalb der Absperrung konnte der Samstagsbetrieb weiterlaufen.

Anschlag vor einem Jahr

In der Ruhrgebietsmetropole war vor knapp einem Jahr ein Terroranschlag verübt worden. Im April 2016 hatten in Essen zwei muslimische Jugendliche eine Bombe auf ein Gebetshaus der Sikhs geworfen, während dort eine Hochzeit gefeiert wurde. Bei der Explosion wurden drei Menschen verletzt. Anfang Dezember begann der Prozess gegen die damals 16 Jahre alten Täter und einen Komplizen. Laut Anklageschrift hatten sie die Sikhs als Ungläubige betrachtet.

In den vergangenen Monaten waren in Deutschland mehrfach öffentliche Gebäude nach Terrorhinweisen gesperrt worden. So wurde im November 2015 das Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande in Hannover kurz vor Anpfiff abgesagt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen gab es wenige Tage nach den schweren Anschlägen in Paris konkrete Hinweise auf geplante Bombenanschläge im Stadion und am Bahnhof.

An Silvester 2015 wurde der Münchner Hauptbahnhof nach einer Terrorwarnung geräumt. Vor zwei Jahren fiel der Karnevalsumzug in Braunschweig wegen akuter Terrorgefahr aus.

kev/AFP/dpa



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