"Euro Hawk" Von der Leyen will Pannen-Drohne nur ein bisschen fliegen lassen

Was wird aus der "Euro Hawk"? Verteidigungsministerin von der Leyen hat eine Serienproduktion der umstrittenen Aufklärungsdrohne ausgeschlossen. Allenfalls Testflüge seien noch vorstellbar.

"Euro Hawk": Was wird aus dem Pannen-Flieger?
DPA

"Euro Hawk": Was wird aus dem Pannen-Flieger?


Berlin - Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat eine Serieneinführung der umstrittenen Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" ausgeschlossen. "Der 'Euro Hawk' wird niemals in Serie gehen, also in das normale Geschäft, sondern wir werden ein moderneres Luftfahrzeug dafür suchen", sagte von der Leyen am Dienstag dem Sender n-tv.

Zuletzt war darüber diskutiert worden, ob der "Euro Hawk" angesichts der Ausrüstungslücke bei der Bundeswehr noch einmal zum Einsatz kommen könnte. Anlass war ein vom SPIEGEL zitierter Prüfbericht der Unternehmensberatung KPMG, in dem Experten dem Bundesverteidigungsministerium die Nutzung unbemannter Luftfahrzeuge als Trägersysteme empfehlen.

Offenbar will von der Leyen dem Rat aber nicht folgen. Es solle lediglich weitere Erprobungsflüge mit dem unbemannten Fluggerät geben, um die eingebaute Aufklärungstechnik testen zu können: "Wir wollen sehen, ob sie auch funktioniert, wenn sie in der Luft ist." Von der Leyens Vorgänger, Thomas de Maizière (CDU), hatte das Projekt "Euro Hawk" 2013 überraschend gestoppt. Der Grund waren Probleme bei der Zulassung der Drohne.

"Haben den Grundbetrieb zu Hause vernachlässigt"

Von der Leyen äußerte sich auch zum Vorwurf, ihr Ministerium würde verantwortungslos wirtschaften. So räumte die Ministerin ein, dass in den vergangenen Jahren viel Geld und Konzentration in die Ausrüstung für Auslandseinsätze gegangen sei. Das solle zwar auch so bleiben, "zeigt aber, dass wir den Grundbetrieb hier zu Hause vernachlässigt haben", sagte die Ministerin. Darüber müsse jetzt diskutiert werden.

Von der Leyen bezog sich dabei auch auf Berichte des ARD-Magazins "Fakt" sowie des Berliner "Tagesspiegel" über eine "Afghanistan Connection" in der Bundeswehr. Demnach haben dort in den vergangenen Jahren vor allem Offiziere Karriere gemacht, die in Afghanistan im Einsatz waren und die Bedürfnisse der Bundeswehr vor allem unter diesem Blickwinkel sehen. Dabei seien andere Bereiche vernachlässigt worden, zum Beispiel die sogenannte Heimat-Verteidigung, die vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise wieder an Bedeutung gewonnen hat, sowie die Teilstreitkräfte Luftwaffe und Marine, hieß es in dem Bericht.

"Die Gefahr ist, dass jemand, der eine gewisse Einsatzwirklichkeit erlebt hat, glaubt, aus dieser viermonatigen Erfahrung heraus alles auf strategischer Ebene prognostizieren und analysieren zu können", sagte der frühere Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan dazu dem "Tagesspiegel". Es sei aber wichtig, dass von der Leyen auch von Offizieren beraten werde "aus Teilstreitkräften, die in Afghanistan nicht so gefragt sind, die woanders Erfahrungen gesammelt haben".

cas/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.