"Euro Hawk" Von der Leyen will Drohne flugbereit machen - für 150 Millionen Euro

Die skandalumwitterte Bundeswehr-Drohne "Euro Hawk" soll wieder zu Erprobungsflügen abheben. Für die Wiederaufnahme des Flugbetriebs wird nach SPIEGEL-Informationen ein stattlicher Betrag fällig.
Euro Hawk auf dem Luftwaffenstützpunkt Manching

Euro Hawk auf dem Luftwaffenstützpunkt Manching

Foto: Armin Weigel/ dpa

Fast mutet es wie ein Stillleben an: In einem blitzsauberen, neu gebauten Hangar steht ein Fluggerät, gut bewacht von einem Sicherheitsmann aus den USA. Regelmäßig schauen Mechaniker vorbei, wechseln Hydrauliköl und bewegen die Flügel, damit die Maschine nicht ihre Elastizität verliert.

Abgehoben ist das unbemannte Flugzeug vom Typ "Euro Hawk" schon seit einigen Jahren nicht. Das soll sich ändern. Um die stillgelegte Aufklärungsdrohne wieder in die Luft zu bringen, muss das Verteidigungsministerium nun einen dreistelligen Millionenbetrag aufbringen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Allein der Unterhalt des Fluggeräts, das in dem Hangar im oberbayerischen Manching steht, hat bislang 23 Millionen Euro gekostet. So geht es aus Unterlagen des Ministeriums vor, die dem SPIEGEL vorliegen.

Dabei hatte Ex-Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) das Gerät wegen Zulassungsproblemen eigentlich aus dem Verkehr gezogen. Die Affäre hatte ihn 2013 fast das Amt gekostet.

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Gescheitertes Drohnen-Projekt: "Euro Hawk" muss am Boden bleiben

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Doch seine Nachfolgerin und Parteifreundin Ursula von der Leyen will die Drohne mit einer provisorischen Zulassung ausstatten, damit das an Bord befindliche Aufklärungssystem fertig entwickelt werden kann. Diese Technik soll unter anderem Handykommunikation ausspionieren können. Ihre Entwicklung war noch nicht so weit fortgeschritten, als dass nun auf Erprobungsflüge verzichtet werden könnte.

Den "Euro Hawk" wieder flugfähig zu machen und solche Flüge durchzuführen, kostet noch einmal rund 150 Millionen Euro. Dieser Betrag steht im Angebot des US-Herstellers Northrop Grumman, das dem Ministerium vorliegt. Geplant seien nur einige wenige Flüge. Die Entwicklung des Aufklärungssystems wiederum könnte weitere 500 Millionen Euro verschlingen.

Ursprünglich wollte von der Leyen die Erprobungsflüge des "Euro Hawk" in diesem Frühjahr beginnen, nach neuen Plänen finden sie nun aber nicht vor 2018 statt. "Die Ministerin zögert ganz offensichtlich mit ihrer Entscheidung, weil sie für sich einen ähnlichen politischen Schaden befürchtet wie für ihren Vorgänger", sagte der Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner dem SPIEGEL.

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