"Eurofighter"-Absturz in Mecklenburg Fatales Manöver

Nach der Kollision zweier "Eurofighter" über Mecklenburg-Vorpommern spricht der Generalinspekteur der Bundeswehr von einem Zusammenstoß in der Luft. Zeugen wollen einen Feuerball gesehen haben.

Ein Forstarbeiter neben Trümmern eines "Eurofighters" nahe Jabel
Petra Konermann/REUTERS

Ein Forstarbeiter neben Trümmern eines "Eurofighters" nahe Jabel


Nach dem Absturz zweier Kampfjets in Mecklenburg-Vorpommern ist die Unfallursache weiter unklar. In einer Unterrichtung des Generalinspekteurs der Bundeswehr an das Parlament heißt es, die beiden Jets seien bei einer Luftkampfübung "zusammengestoßen und abgestürzt". Zivile Opfer habe es nicht gegeben.

Laut dem Luftwaffeninspekteur waren am Montagnachmittag gegen 14 Uhr insgesamt drei Eurofighter vom Flughafen Rostock-Laage aus aufgestiegen. Sie sollten ein sogenanntes Air-Combat-Manöver fliegen. Dabei jagen zwei Jets die dritte Maschine und üben, wie man den simulierten Feind unschädlich machen kann. Dabei kollidierten die beiden "Eurofighter" offenbar und stürzten Augenzeugen zufolge in einem Feuerball zu Boden. Einer der Piloten überlebte verletzt, der andere starb.

Gefährliches Manöver mit wechselnden Flugbahnen

Das Manöver wird nach SPIEGEL-Informationen so realistisch wie möglich geflogen. Meist, so hieß es aus Militärkreisen, wechseln sich die beiden "Jäger" hinter dem verfolgten Flugzeug ab. Dabei müssen sich die Piloten genau absprechen, damit sie nicht kollidieren. In dieser Situation könnte es zu dem fatalen Unfall gekommen sein. Zunächst hatte es unter anderem Vermutungen gegeben, die Maschinen hätten sich in der Luft nur leicht berührt.

Aus dem Umfeld der Luftwaffe hieß es, für Aussagen zum Unfallhergang müssten die Flugschreiber der beiden "Eurofighter" gefunden und dann ausgewertet werden. Zudem werde der dritte Pilot, der an dem Manöver beteiligt war, ausführlich zum Crash befragt.

Die Unglücksstellen befinden sich in der Nähe des Drewitzer Sees rund 35 Kilometer südöstlich von Güstrow. Eines der beiden Flugzeuge stürzte laut Verteidigungsministerium nahe der Ortschaft Jabel (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) in ein Waldstück. Das andere sei südlich der Ortschaft Nossentiner Hütte an einem Waldrand abgestürzt.

In beiden Maschinen wurde laut Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen der Schleudersitz aktiviert. Einer der Piloten wurde anschließend mit Verletzungen gerettet, der zweite Pilot jedoch tot gefunden. Von der Leyen sprach nach dem Unglück von einem "schweren Tag" für Luftwaffe und Bundeswehr.

Trümmerteile weiträumig verstreut

Nach Angaben des Innenministers von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, sind die Einzelteile der beiden kollidierten "Eurofighter" "sehr weiträumig" verstreut. Caffier hatte zusammen mit von der Leyen die Absturzstelle besucht.

Die Bevölkerung sei aufgerufen, Fundstücke nicht zu berühren, da sie giftig sein beziehungsweise giftige Gase ausströmen könnten. Bürger sollten bei einem Fund die nächste Polizeidienststelle anrufen. Durch Einatmen giftiger Dämpfe hätten zwei Feuerwehrleute leichte Verletzungen erlitten.

Caffier sagte, womöglich habe es ein technisches Problem gegeben. Der Mechanismus des Schleudersitzes habe eventuell nicht korrekt funktioniert oder es hätten sich nicht alle Fallschirmteile geöffnet.

Video zum "Eurofighter"-Unglück

Zuma Press/ Picture Alliance

Nach Angaben eines Sprechers der Bundeswehr ist es der erste Flugunfall dieser Art mit einem "Eurofighter". Der Kampfjet wird demnach seit 2004 eingesetzt, mit ihm seien bislang über 100.000 Flugstunden absolviert worden. Für die Luftwaffe sei das Unglück "ein tiefer Schock".

Die Bundeswehr übernahm selbst die Ermittlungen. Die Aufarbeitung des Unglücks liege im Zuständigkeitsbereich der Luftwaffe, teilte das Polizeipräsidium Neubrandenburg am Montagabend mit.

fek/mgb/agr/jap/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.