"Eurofighter"-Absturz Wrackteil verfehlt Kindergarten nur knapp

Nach dem "Eurofighter"-Absturz über Mecklenburg-Vorpommern ist der Zustand des überlebenden Piloten offenbar stabil. Der Mann soll ein erfahrener Fluglehrer sein. Glück im Unglück hatte ein Kindergarten.

Christophe Gateau / DPA

Es war das wohl schwerste Unglück der Bundeswehr in Deutschland seit Jahren: Bei dem Zusammenstoß zweier "Eurofighter"-Maschinen starb am Montag einer der beiden Piloten. Immerhin gibt es nun Entwarnung bei dem anderen Verunglückten: Der Mann, ein 51-jähriger Oberstleutnant, wurde offenbar nicht lebensgefährlich verletzt. Laut einem Presseoffizier des Geschwaders 73 "Steinhoff" gehe es dem Piloten den Umständen entsprechend gut. Er befinde sich weiterhin in einem Rostocker Krankenhaus.

Die beiden "Eurofighter" waren bei einer Luftkampfübung über der Mecklenburgischen Seenplatte zusammengeprallt und mehrere Kilometer voneinander entfernt abgestürzt. Beiden Piloten gelang es zwar noch, die Schleudersitze zu aktivieren. Doch einer der Männer überlebte den Unfall nicht.

Bei dem Überlebenden handelt es sich um einen der erfahrensten Fluglehrer der Luftwaffe. Der Oberstleutnant hat mehr als 1900 Flugstunden Erfahrung auf dem "Eurofighter". Insgesamt habe er bereits mehr als 3500 Flugstunden absolviert, sagte ein Luftwaffensprecher.

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"Eurofighter": Der Tag nach dem Absturz

Der ums Leben gekommene Pilot sei ein 27 Jahre alter Oberleutnant, hieß es. Dieser hatte der Luftwaffe zufolge seine Grundausbildung in Spanien erfolgreich abgeschlossen und befand sich in der "verbandsinternen Aus- und Weiterbildung" am Standort Laage. Er hatte schon gut 300 Flugstunden absolviert, allein etwa hundert davon auf dem "Eurofighter".

Die beiden verunglückten Jets gehören zu den neuesten "Eurofighter"-Modellen in den Beständen der Luftwaffe. Die Flieger der sogenannten Tranche 2, ab 2009 ausgeliefert, hatten nach Angaben aus Luftwaffenkreisen vor dem Zusammenstoß rund tausend Flugstunden absolviert. Deutschland verfügt noch über rund 30 Maschinen aus der älteren Baureihe, der sogenannten Tranche 1. Diese werden in den kommenden Jahren Schritt für Schritt ausgemustert.

Flugteil in der Nähe eines Kindergartens gefunden

Am Morgen nach dem Unfall wurde in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens ein Wrackteil gefunden. Ein Mitarbeiter der Gemeinde Nossentiner Hütte entdeckte das etwa einen halben Meter lange Bauteil auf einem Sportplatz, der an das Kindergartengelände grenzt. "Wir können von Glück reden, dass wir so davongekommen sind", sagte die Leiterin des Kindergartens.

Video zum "Eurofighter"-Unglück

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Einige der Kinder hätten den Absturz eines der beiden Kampfjets vom Fenster aus beobachtet. Das stark zerbeulte Teil lag etwa 40 Meter entfernt von den Spielgeräten der Kinder. Bundeswehrangehörige bargen das Gerät, äußerten sich aber nicht zu dessen Funktion.

Die Flugschreiber der "Eurofighter" seien noch nicht gefunden worden, sagte der Presseoffizier des Geschwaders, das auf dem Luftwaffenstützpunkt Laage bei Rostock stationiert ist. In dieser Woche würden von dort voraussichtlich keine Jets mehr starten. Da die Unglücksursache noch unklar sei, werde der Flugbetrieb ausgesetzt. Auch die Crews müssten den Vorfall erst verarbeiten.

Normalerweise starten die "Eurofighter" aus der Kleinstadt Laage etwa 20 Mal pro Tag, hieß es. Das Gebiet, in dem sie fliegen, könne dabei jeden Tag wechseln, da es von der Deutschen Flugsicherung zugewiesen werde. Manchmal werde über der Seenplatte geflogen, manchmal auch über Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Brandenburg, sagte der Sprecher.

Die beiden abgestürzten "Eurofighter" waren mit einem dritten "Eurofighter" auf einem Übungsflug, bei dem sie einen Luftkampf simulierten. Sie waren nach Angaben der Luftwaffe unbewaffnet.

Das Manöver wird nach SPIEGEL-Informationen so realistisch wie möglich geflogen. Meist, so hieß es aus Militärkreisen, wechseln sich die beiden "Jäger" hinter dem verfolgten Flugzeug ab. Dabei müssen sich die Piloten genau absprechen, damit sie nicht kollidieren. In dieser Situation könnte es zu dem fatalen Unfall gekommen sein. Zunächst hatte es unter anderem Vermutungen gegeben, die Maschinen hätten sich in der Luft nur leicht berührt.

Die Unglücksstellen befinden sich in der Nähe des Drewitzer Sees rund 35 Kilometer südöstlich von Güstrow. Eines der beiden Flugzeuge stürzte laut Verteidigungsministerium nahe der Ortschaft Jabel (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) in ein Waldstück. Das andere sei südlich der Ortschaft Nossentiner Hütte an einem Waldrand abgestürzt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte am Montag den Unglücksort besucht und ihre Trauer über den Verlust des Soldaten bekundet. Der Kommodore des Geschwaders, Oberst Gero von Fritschen, will am Dienstag vorzeitig aus einem Auslandseinsatz zurückkehren und auf dem Stützpunkt eintreffen. Die Flagge wehe auf Halbmast, hieß es.

Die Linkspartei forderte ein Ende der militärischen Übungsflüge in Mecklenburg-Vorpommern. Diese seien "nicht nötig und stellen eine Gefahr für Menschen sowie eine Belastung für die Umwelt dar", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Landtagsfraktion, Peter Ritter, in Schwerin.

mfh/mgb/dpa/AFP

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