Krise in Europa Schmidt und Giscard warnen vor Nationalismus

Deutsch-französische Einigkeit in der Krise: Helmut Schmidt und der französische Ex-Präsident Valéry Giscard d'Estaing beklagen mangelnde Solidarität in Europa. Griechenland dürfe die Euro-Zone nicht verlassen, sagte der Altbundeskanzler.

Valery Giscard d'Estaing, Helmut Schmidt: Zunehmender Nationalismus
dapd

Valery Giscard d'Estaing, Helmut Schmidt: Zunehmender Nationalismus


Hamburg - Der nationale Egoismus ist gewachsen, die Solidarität zwischen den Europäern nimmt ab. Zu diesem Schluss kamen der französische Ex-Präsident Valéry Giscard d'Estaing und Altbundeskanzler Helmut Schmidt bei einer Veranstaltung am Freitag in Hamburg. Er hoffe, dass der Geist der Zusammengehörigkeit wiederbelebt werden könne, sagte Giscard d'Estaing. Beide ehemaligen Regierungschefs finden es bedenklich, dass sich in vielen Ländern zunehmend Nationalismus breit mache.

Schmidt und Giscard d'Estaing forderten Solidarität mit den angeschlagenen Euro-Staaten. Griechenland dürfe die Euro-Zone nicht verlassen, betonte der 93-jährige Schmidt. Er sehe er unter den Regierungschefs allerdings niemanden, der mit Tatkraft in dieser Schuldenkrise Führung übernehme.

Auch seiner Amtsnachfolgerin Angela Merkel (CDU) und dem neuen sozialistischen Präsidenten Frankreichs, François Hollande, traut Schmidt nicht zu, Europa aus der Krise zu führen. Schließlich gebe es nicht nur eine Krise, sondern mit Banken-, Schulden- und Konjunkturkrise gleich drei auf einmal.

"Die Aufgabe ist nicht, die Märkte zufriedenzustellen, sondern ihnen Macht abzunehmen und dem Staat zurückzugeben", sagte Schmidt. Nach Ansicht des Altbundeskanzlers hätten die Regierungschefs der EU-Länder mit ihrem Krisenmanagement versagt. 2008 sei die Gelegenheit ungenutzt geblieben, die Banken nach dem Crash ausreichend zu regulieren. Heute beherrschten die Banker wieder das globale Finanzsystem. "Dass die Welt von den Launen der Märkte regiert wird, von 35 Jahre alten Youngstern, die sich für Bankmanager halten, ist lächerlich", sagt Schmidt.

Der in Hamburg lebende SPD-Politiker war zwischen 1974 und 1982 Bundeskanzler. Der frühere liberale Zentrumspolitiker Giscard d'Estaing hatte zwischen 1974 und 1981 die Geschicke der "Grande Nation" gelenkt.

lei/dpa/dapd

insgesamt 38 Beiträge
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pivot567 24.08.2012
1. Fehlentscheidung
Aber meine! Ich bin am Tag nach dem konstruktiven Misstrauensvotum Kohls in die SPD eingetreten! Aus heutiger Sicht ein Fehler! Aus damaliger Sicht von heute betrachtet, vielleicht ein Fehler von Anfang an! Europa wäre ohne den Euro heute viel weiter!! Aber die katastrophalste Fehlentscheidung deutscher Politik seit dem 2. WK, lässt sich wohl heute nicht mehr rückgängig machen, leider! Machen wir das Beste draus!
rolandjulius 24.08.2012
2. Europa ohne Griechenland?
Eine niederträchtige Frage. Schon die Römer lernten von den Griechen. Und woher kommt unsere Kultur? Die monetäre Frage muss geklärt werden, aber ohne den Griechen vor den Kopf zu stossen,und sie mit dem Ausschluss aus der EURO Zone zu drohen.
alibaba2011 24.08.2012
3. die alternden Herren
wollen doch tatsächlich in der heutigen Zeit mitreden.Hätten sie in ihrer Amtszeit mehr für die EU gemacht, bräuchten sie heute nicht als Besserwisser auftreten. Meiner Meinung nach sollten sie ihre Altersruhe und die Pensionen geniesen solange sie können und in der Politik still halten.
eks2040 24.08.2012
4. Krise und guter Rat der Alten..
Guter Rat ist gefragt, und eine Loesung ist nicht praesentiert worden. Sicherlich ist Harmonie wuenschenswert, doch das bringt die Frage nach der akzeptablen Verteilung der Lasten. Da gewisse "Give and Take" sollte nicht dazu fuehren, dass deutsche Steuerzahlen geben und die anderen, insbesonders die Suedstaaten nehmen. Es ist doch wohl nicht zuviel verlangt, wenn Griechen und andere ihre eigenen Fehler korrigieren sollen, um in den Genuss von hohen Krediten zu kommen, und ohne Sicherheiten, ist die Rueckzahlung alles andere als sicher. In jedem Falle sind die deutschen Stuerzahler mit grossen Summen im Kasino, und es wird weiter gezockt ohne eine Moeglichkeit, das Spiel zu beenden. Es fehlt der Wille... Karl
salomedietrich 24.08.2012
5. Vorgestriges Resume'!
Da kann man nur staunen. Gesundes Eigeninteresse wird jetzt als "Nationalismus" inkriminiert. Griechenland "darf" die EU nicht verlassen. Ja - solange die "anderen" zahlen = alles paletti. Ach - wie glücklich müssen wir sein , jetzt alles EU-konform teilen zu dürfen. Unter dem lähmenden Verwaltungswahn Brüssel's und der staatlichen Abzockerbande Berlin's dienen zu müssen. Keiner braucht den Wasserkopf Brüssel, und die linke undemokratische Multicolorregierung in Berlin. Da kann es nur mehr abwärts gehen-da können die alten Herren schwafeln, soviel sie möchten. Der Rubikon ist schon überschritten!
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