Europawahl 2019 Wo die Grünen vorn liegen - und wo die AfD

Die SPD: dezimiert. Die Union: geschwächt. Stattdessen dominieren vielerorts die Grünen - oder die AfD. Diese Karten zeigen, wo die Europawahl entschieden wurde.

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Auf den Ersten Blick scheint zumindest für eine Volkspartei noch alles in Ordnung: CDU und CSU dominierten bei der Europawahl in drei Vierteln der deutschen Regionen: Die Unionsparteien wurden in 304 der 401 kreisfreien Städte und Landkreise stärkste Kraft. Das geht aus dem regional aufgeschlüsselten Wahlergebnis hervor, das der Bundeswahlleiter am Montagmorgen veröffentlicht hat.

Die SPD holte in nur noch 18 Kreisen mehr Stimmen als alle anderen Parteien, 2014 waren es noch 92 Kreise. Die Sozialdemokraten liegen nun hinter den Grünen, die in 49 Kreisen stärkste Kraft wurden, und der AfD, die in 30 Kreisen dominierte.

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Die Union dominiert traditionell in Bayern: Hier holte die CSU ihr bestes Ergebnis im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen mit 58,7 Prozent. Die Schwesterpartei CDU schrammte im Emsland, einer ihrer niedersächsischen Hochburgen, knapp an der absoluten Mehrheit vorbei und erzielte 49,3 Prozent. In den Städten schneidet die Union deutlich schwächer ab, ihr schlechtestes Ergebnis holte sie in Potsdam (12,5 Prozent).

Bei den Grünen ist es umgekehrt: Sie erfahren traditionell in den Städten die höchste Zustimmung. In Unistädten wie Freiburg, Münster und selbst München wurden sie stärkste Kraft. Mittlerweile dominiert die Partei aber auch mehrere Landkreise, unter anderem in Schleswig-Holstein, der Heimat von Parteichef Robert Habeck. Im Osten tun sich die Grünen außerhalb der Städte schwer. Ihr schlechtestes Ergebnis fuhren sie im thüringischen Kyffhäuserkreis ein, wo sie noch nicht mal fünf Prozent der Stimmen bekam.

Die SPD liegt nur noch in ihren größten Hochburgen, etwa im Norden Hessens, vorn. Ihr bestes Ergebnis holte sie im niedersächsischen Emden (29 Prozent). Ansonsten sind die Sozialdemokraten in großen Teilen von der Siegerkarte verschwunden. Im Osten und Süden Deutschlands haben sie es schwer, erzielten zum Teil noch nicht mal fünf Prozent. Ihr schlechtestes Ergebnis bekommt die SPD in der CSU-Hochburg Straubing-Bogen (4,4 Prozent).

Die AfD ist im Osten Deutschlands deutlich stärker als im Westen. Vor allem in Sachsen und Brandenburg dominiert sie die Europawahl. Ihr bestes Ergebnis bekommt sie im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (32,9 Prozent). Am schlechtesten schneidet die Partei in Gegenden ab, die die Grünen dominieren: In Münster kommt die AfD auf nur vier Prozent.

Die Linke ist, wie auch die AfD, in Ostdeutschland am stärksten, schafft es aber selbst dort nirgendwo mehr, stärkste Kraft zu werden. Ihr bestes Ergebnis erzielte sie im thüringischen Suhl. In der CSU-Hochburg Straubing-Bogen kommt sie hingegen auf gerade mal 1,2 Prozent.

Die FDP holt ihre besten Ergebnisse in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Ihren Topwert 9,8 Prozent erzielte sie im Landkreis Reutlingen. Im Osten Deutschlands und vor allem in Bayern schwächeln die Liberalen. Ihr schlechtestes Ergebnis holen sie im bayerischen Landkreis Cham (1,7 Prozent).

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colinchapman 27.05.2019
1. zwei Erkenntnisse
zum einen werde ich mich zwar immer wieder fragen, wieso Menschen in zunehmender Zahl eine Partei wählen können, die uns in einer ohnehin schon überreglementierten Welt noch mehr Verbote aussprechen will, aber zum anderen ist die positive Erkenntnis dieser Wahl, dass die AfD, deren Wähler sich zuerst im Wesentlichen aus Nichtwählern rekrutierten, nun auch beginnt, Stimmen an Nichtwähler zu verlieren - was mir sagt, dass der Zenit der AfD überschritten ist.
WolfThieme 27.05.2019
2. Der Osten ist blau...
...in jeder Hinsicht. Aber eigentlich braun. Demnächst in diesem Theater: Die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen. Gestern im Fernsehen: "Ausländer raus"-Gebrülle im mittlerweile berüchtigten Cottbus. Ausländische Unternehmer, Studenten, Gastwirte: weg damit. Die Industrie- und Handelskammer in Potsdam (Brandenburg) registriert rückläufige Investitionsfreudigkeit ausländischer Firmen. Die Abgehängten hängen sich selbst ab.
minimax9 27.05.2019
3. Afd
Mit schrecken sehe ich in den Osten. Die anstehenden Landtagswahlen werden da noch was drauf packen. Ich denke aber auch an die verfehlte Sozialpolitik der Bundesregierung in den östlichen Ländern, die gerade der Nährboden für die rechten Parteien sind.
olli_b 27.05.2019
4.
Zitat von colinchapmanzum einen werde ich mich zwar immer wieder fragen, wieso Menschen in zunehmender Zahl eine Partei wählen können, die uns in einer ohnehin schon überreglementierten Welt noch mehr Verbote aussprechen will, aber zum anderen ist die positive Erkenntnis dieser Wahl, dass die AfD, deren Wähler sich zuerst im Wesentlichen aus Nichtwählern rekrutierten, nun auch beginnt, Stimmen an Nichtwähler zu verlieren - was mir sagt, dass der Zenit der AfD überschritten ist.
Was bleibt, wenn es "der Markt" nicht von alleine richtet, trotz fleißigen Aussitzens kein Perpetuum Mobile vom Himmel fällt und dem Verkehrsminister nichts wichtiger ist als die Ausländermaut?
bildungsarbeiter 27.05.2019
5. Sucksen
Zitat von minimax9Mit schrecken sehe ich in den Osten. Die anstehenden Landtagswahlen werden da noch was drauf packen. Ich denke aber auch an die verfehlte Sozialpolitik der Bundesregierung in den östlichen Ländern, die gerade der Nährboden für die rechten Parteien sind.
Man täusche sich nicht. Ich kann aus meinem gut-bürgerlichen Nahfeld in Leipzig/Sucksen berichten, dass auch Menschen unter bzw. um die 50, die ihre Vermögensbildung komplett oder nahezu abgeschlossen haben, keinen Hehl draus machen, die NSAfD zu wählen. Das hat mit verfehlter Sozialpolitik nichts zu tun. Im Gegenteil: Die fordern noch mehr Ausbeutungs- und Entrechtlichungschancen für ihr eigenes wirtschaftliches Fortkommen. Der Rechtsstaat stört nur. Straches Werbevideo hat viele neue Fans.
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