EU-Kommissionschef CSU-Vize Weber bringt sich als Nachfolger von Juncker in Stellung

Wer wird der nächste EU-Kommissionspräsident? In Brüssel hat das Ringen um den Posten begonnen. Nach Informationen des SPIEGEL vorne mit dabei: ein CSU-Mann.
Manfred Weber

Manfred Weber

Foto: Daniel Karmann/ picture alliance / Daniel Karmann/dpa

Es geht um einen der mächtigsten Posten in der EU. Ein Jahr vor der Europawahl ist in Brüssel das Rennen eröffnet, wer Jean-Claude Juncker im kommenden Jahr als Kommissionschef nachfolgen wird. Namen machen die Runde, Favoriten werden gehandelt. Klammheimlich bringt sich nach Informationen des SPIEGEL dabei ein Mann in Stellung, den viele bislang nicht auf dem Zettel haben - und der mehr als nur Außenseiterchancen haben könnte: Manfred Weber, CSU-Vizevorsitzender und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Parteifreunden vertraute Weber bereits an, wie reizvoll er den Posten findet. "Den Kommissionschef zu stellen, so eine Chance gibt es für die CSU so schnell nicht wieder", sagte Weber nach Informationen des SPIEGEL. Weber begründete damit im Zuge der Debatte um eine mögliche Nachfolge von Horst Seehofer als CSU-Parteichef im vergangenen Herbst, warum er nicht von Brüssel nach Berlin oder München wechseln wollte, um CSU-Parteivorsitzender zu werden.

Seehofer steht einer Spitzenkandidatur Webers nach Informationen des SPIEGEL aufgeschlossen gegenüber. Beide besprachen sich vergangene Woche in Berlin unter vier Augen.

Die Europäische Volkspartei will im Herbst in Helsinki ihren Spitzenkandidaten für die Europawahl im Mai 2019 bestimmen. Als möglicher Kandidat ist unter anderen auch der EU-Brexit-Chefunterhändler Michael Barnier im Gespräch.

Seit den Wahlen 2014 ist die Wahrscheinlichkeit deutlich gewachsen, dass der siegreiche Kandidat nach der Wahl auch Chef der EU-Kommission wird, der mächtigen EU-Behörde mit über 30.000 Mitarbeitern. Da die EVP aus der Europawahl wohl als größte Parteienfamilie hervorgehen wird, ist die Entscheidung, wen sie ins Rennen schickt, eine wichtige Weichenstellung.

Parteifreund: "Er muss das machen"

Weber war zuletzt auffällig häufig bei diversen EVP-Mitgliedsparteien auf Parteitagen und im Wahlkampf zu Gast, auch bei Treffen mit EU-Staats- und Regierungschefs wird er regelmäßig darauf angesprochen, ob er kandidieren wolle. Er gehört zu den liberaleren CSU-Politikern, in der Partei ist er sehr beliebt, was in der CSU eher ungewöhnlich ist für einen Europapolitiker. Dennoch pflegt er auch einen engen Draht zu Forza-Italia-Pate Silvio Berlusconi und Ungarns Premierminister Viktor Orbán. Delegierte der beiden EVP-Rechtsausleger bringen auf dem Parteitag viele Stimmen.

Parteifreunde drängen Weber zu einer Kandidatur. "Es ist gar keine Frage", sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger aus Webers niederbayerischer Heimat, "er muss das machen." Der Vorsitzende der Unionsabgeordneten im Europaparlament Daniel Caspary (CDU) betonte, Weber hätte im Falle einer Kandidatur großen Rückhalt im Parlament. "Wenn Manfred Weber als Spitzenkandidat der EVP antreten will, wird er die breite Unterstützung der Fraktion erhalten."

Im Gespräch mit SPIEGEL wollte Weber eine mögliche Kandidatur weder bestätigen noch dementieren. "Die Frage stellt sich jetzt nicht", sagte er lediglich, er fühle sich als Fraktionschef wohl.