Möglicher Rezo-Effekt Union verliert vor allem junge Wähler

Ist das historisch schlechte Europawahl-Ergebnis der Union auch eine Folge der "Zerstörung" durch YouTuber Rezo? Bei den jungen Wählern hat sich der Stimmanteil der Christdemokraten laut Umfragen mehr als halbiert.

CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX

Bei den Hochrechnungen zur Europawahl zeichnen sich deutliche Verluste für die Union ab. CDU und CSU steuern auf das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte auf europäischer Ebene zu. Das liegt auch an den jungen Wahlberechtigten, die sich von der Union abgewendet haben.

Europawahl 2019 in Deutschland

Vorläufiges Ergebnis

Stimmenanteile
in Prozent
Union
28,9
-6,4
SPD
15,8
-11,5
Grüne
20,5
+9,8
Die Linke
5,5
-1,9
AfD
11
+3,9
FDP
5,4
+2
Sonstige
12,9
+4,1
Quelle: Bundeswahlleiter

Laut ARD kommt die Union bei den 18- bis 24-Jährigen nur auf elf Prozent der Stimmen. Bei der Europawahl 2014 hatte sie in dieser Altersgruppe noch 27 Prozent erreicht. Ein leichter Abwärtstrend war schon danach bemerkbar. Bei der Bundestagswahl vor zwei Jahren stimmten aber immerhin noch 24 Prozent der 18- bis 24-Jährigen für die Union.

Hängt der deutliche Einbruch womöglich auch mit dem Rezo-Video zusammen? Unter dem Titel "Die Zerstörung der CDU" hatte der YouTuber die Politik der Union 55 Minuten lang scharf kritisiert. Das Video wurde mehr als elf Millionen Mal angeklickt und sammelte eine Million Likes.

"Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD", hatte Rezo unter anderem gefordert. Die Sozialdemokraten kamen bei den 18- bis 24-Jährigen sogar nur auf acht Prozent der Stimmen.

Stärkste Kraft bei den jungen Wählerinnen und Wählern wurden mit deutlichem Abstand die Grünen, für die laut einer Umfrage 33 Prozent der unter 30-Jährigen stimmten. Vor fünf Jahren hatten sich noch 18 Prozent der 18- bis 24-Jährigen für die Grünen entschieden, bei der Bundestagswahl 2017 erhielten sie in dieser Altersgruppe 13 Prozent der Stimmen.

mmm/afp

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insgesamt 131 Beiträge
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m.jakobs 26.05.2019
1. CDU & SPD erhalten die Quittung für die Internet-Zensur
Obwohl im März über 100.000 - meist junge Internetnutzer - auf die Strasse gingen, haben CDU und SPD eiskalt die Internetzensur & Upload-Filter verabschiedet. Nun haben sie - zielgenau durch Rezo und andere Youtuber verabreicht - die Quittung dafür bekommen. Das ist klar der Anfang vom Ende der bisherigen Volksparteien. Den Abgang haben sie sich redlich verdient.
budenspecht 26.05.2019
2. Die Unfähigkeit der CDU
mit dem Ausseridischen (mit blauen Haaren) aus dem Neuland umzugehen, liess mich weit mehr an der Kompetenz dieser Partei zweifeln, als das Video von Rezo. Diese Inkompetenz zeigte klar, dass die Jugend recht hat, darin, nicht mehr (als) wahr genommen zu werden. Man weiss ja nicht einmal mehr, wie man mit solchen Wesen umgeht... das war wahrlich für mich die eigentliche Ernüchterung über Kompetenz in der CDU: von einem "Jüngling" vorgeführt und eingelocht zu werden... ha ha ha.
timo1986 26.05.2019
3. Wen wunderts?
Ich liebe dieses Wahlergebnis. Es zeigt dass die politischen Verhältnisse sich bewegen. Und das macht Hoffnung. Die junge Generation ist nicht so dumm wie viele denken.
Phil2302 26.05.2019
4. Artikel 13
Wäre mein Tipp. Das hat man der CDU nicht verziehen. Warum startet man nicht einfach mal Umfragen, warum man eine Partei nicht mehr gewählt hat? Mehrfachauswahl möglich bitte
gutmichl 26.05.2019
5. Herr Voss war wichtiger
Der Erfolg von Herrn Voss war aus meiner Sicht relevanter als ein Youtuber, den nur die Kids kennen. Man hat damit fast die komplette IT-Szene von CDU/SPD entfernt.
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