Europawahl Auch Seeheimer Kreis für Schulz als Spitzenkandidaten

Kommt es zu einem überraschenden Comeback von Martin Schulz in der SPD? Weitere Sozialdemokraten sprechen sich dafür aus, den Ex-Parteichef zum Spitzenkandidaten für die Europawahl zu machen.
Martin Schulz

Martin Schulz

Foto: THILO SCHMUELGEN/ REUTERS

In der SPD gibt es immer mehr Rufe, Martin Schulz zum Spitzenkandidaten für die Europawahl zu machen. Nach Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller, sprachen sich nun auch die pragmatischen Sozialdemokraten vom Seeheimer Kreis für eine Kandidatur des Ex-Parteichefs aus.

"Ich würde eine solche Spitzenkandidatur von ganzem Herzen unterstützen", sagte Johannes Kahrs, einer der Sprecher der "Seeheimer", dem SPIEGEL. "Europa ist sein Thema. Martin Schulz ist europaweit bekannt, geschätzt, vernetzt und kann und wird Europa vorantreiben."

Am Wochenende hatte sich mit Müller das erste SPD-Vorstandsmitglied entsprechend geäußert. "Martin Schulz ist der deutsche Europapolitiker schlechthin", sagte Berlins Regierungschef dem SPIEGEL: "Er steht und brennt für dieses Thema. Das nicht zu nutzen wäre fahrlässig."

SPD-Spitze weiter skeptisch

In der SPD ist die Frage jedoch nicht unumstritten. In der Parteispitze ist man bislang reserviert, was eine mögliche Kandidatur von Schulz angeht. Dort wird darauf verwiesen, dass der gescheiterte Kanzlerkandidat schon mehrfach als Spitzenkandidat bei einer Europawahl angetreten sei. Zudem könne eine abermalige Kandidatur von Schulz in einer Situation, in dem sich die Partei eigentlich erneuern möchte, schwierig zu vermitteln sein.

Gleichzeitig ist den meisten Sozialdemokraten bewusst, dass es nicht allzu viele Sozialdemokraten mit einem ähnlichen europapolitischen Profil gibt wie Schulz. Der aktuelle Fraktionschef der europäischen Sozialisten im Europaparlament, der SPD-Politiker Udo Bullmann, ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Ihm werden aber Ambitionen nachgesagt.

Für die Europawahl 2019 geht es für die SPD theoretisch um zwei Spitzenkandidaturen. Es muss ein Sozialdemokrat gefunden werden, der die SPD auf nationaler Bühne im Wahlkampf repräsentiert. Zudem werden auch die europäischen Sozialdemokraten einen Kandidaten finden müssen. Als potenzielle sozialdemokratische Kandidatin gilt die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini.

Einen Zeitplan zur Ernennung eines Spitzenkandidaten gibt es in der SPD noch nicht. Schulz hat sich bisher zu dem Thema nicht geäußert. Dem Vernehmen nach schließt er eine Kandidatur nicht völlig aus, will die Debatte aber nicht befeuern. Zudem sieht er seine Aufgabe derzeit eigentlich als Europapolitiker in Berlin. Zuletzt rief er sich als Europapolitiker in Erinnerung, als er auf dem Parteitag in Wiesbaden eine leidenschaftliche Rede zu den Inhalten des Koalitionsvertrags hielt.

Auch beim Karlspreis in Aachen war er zuletzt anwesend. Der französische Präsident Emmanuel Macron erwähnte ihn als einen der Protagonisten der Europapolitik in seiner Rede.

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