Hochrechnungen zur Europawahl Grüne dominieren in deutschen Großstädten

In den fünf größten deutschen Städten liegen die Grünen Hochrechnungen zufolge deutlich vorn. In Köln ist der Vorsprung gegenüber SPD und CDU besonders groß.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller bei der Stimmabgabe in Berlin
OMER MESSINGER/ EPA-EFE/ REX

Die Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller bei der Stimmabgabe in Berlin


Die Grünen sind bei der Europawahl in Berlin und Hamburg ersten Trends zufolge jeweils stärkste Kraft geworden - und zwar mit deutlichem Abstand zur Konkurrenz. In den meisten Städten sind in den Zwischenergebnissen annähernd alle Gebiete ausgezählt.

  • In Berlin lagen die Grünen nach Auszählung von gut der Hälfte der Wahlgebiete bei 27,8 Prozent - und wären damit erstmals bei einer bundes- oder landesweiten Wahl stärkste Partei in der Hauptstadt. Die CDU folgte mit 15,2 Prozent vor der SPD mit 14 Prozent - für beide Parteien wären das die schlechtesten Wahlergebnisse überhaupt in Berlin. Die Linke lag bei dem Auszählungsstand bei 11,9 Prozent, die AfD bei 9,9 Prozent. Auf die FDP entfielen demnach 4,7 Prozent.
  • Wie das Statistikamt Nord in Hamburg mitteilte, überholten die Grünen Hochrechnungen zufolge mit 31,1 Prozent der Stimmen die SPD, die demnach nur noch auf 19,8 Prozent kam. Auf die CDU entfielen den Zahlen zufolge 17,7 Prozent. Die Linke erreichte sieben Prozent, AfD auf 6,5 und die FDP auf 5,6 Prozent.
  • In Deutschland drittgrößter Stadt München fällt der Vorsprung den Hochrechnungen zufolge vergleichsweise knapp aus. Dort führen die Grünen nach Auszählungen in fast allen Gebieten nur mit 31,2 Prozent vor den Christsozialen, die auf 26,9 Prozent der Stimmen kommen. Die SPD folgt mit 11,4 Prozent vor AfD (sechs Prozent) und FDP (5,3 Prozent). Linke und Frei Wähler erreichten 2,4 und 3,2 Prozent.
  • Den weitesten Vorsprung erzielten die Grünen ersten Hochrechnungen zufolge jedoch in Köln. Mit 33,4 Prozent lag die Partei deutlich vor Union (18,8 Prozent) und SPD (16,6 Prozent). AfD, Linke und FDP erreichten in der Domstadt demnach jeweils weniger als sieben Prozent.
  • Auch in Frankfurt am Main kommen die Christ- und Sozialdemokraten ersten Ergebnissen zufolge kaum nicht an die Grünen heran. Nur gemeinsam erreichen sie (SPD: 15,1 Prozent, CDU: 19,7 Prozent) mehr Stimmen als die Grünen (31,3 Prozent) allein.

Den Prognosen von ARD und ZDF zufolge gingen die Grünen auch in Mannheim, Karlsruhe, Mainz und Koblenz als stärkste Kraft aus der Europawahl hervor.

Die Ergebnisse aus den Großstädten untermauern einen bundesweiten Trend. Hochrechnungen zufolge verdoppelten die Grünen dort ihr Ergebnis und kamen auf etwa 21 Prozent der Stimmen - ein historisch guter Wert.

Grüne kommen vor allem bei jungen Wählern gut an

Besonders bei jungen Wählern kam die Partei in Deutschland offenbar deutlich besser an als Union und SPD. Nach einer vom ZDF am Sonntag veröffentlichten Analyse der Forschungsgruppe Wahlen wählten 33 Prozent und damit jeder Dritte der unter 30-Jährigen die Grünen. Die Partei ist bei der jungen Wählergruppe damit stärker als Union und SPD zusammen.

Nach Berechnungen der ARD ist fast die Hälfte (48 Prozent) der Unionswähler 70 Jahre und älter. Bei der SPD hingegen sind zusammen rund 53 Prozent der Wähler 60 Jahre und älter.

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Auffällig am Wahlverhalten der jungen Wähler ist auch die Zustimmung für die Satirepartei "Die Partei". Diese erreichte laut Forschungsgruppe Wahlen acht Prozent bei den Jungen und war damit so stark wie die FDP in dieser Altersgruppe. Dort folgten die Linke mit sieben Prozent und die AfD mit sechs Prozent auf den weiteren Plätzen.

fek/AFP



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