Europawahl Hardliner Pastörs will NPD-Spitzenkandidat werden

Die NPD stellt sich für die Wahlen zum Europäischen Parlament auf: Als Spitzenkandidat will Udo Pastörs antreten. Der Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern gilt als Hardliner der rechtsextremen Partei - ihm droht innerparteiliche Konkurrenz.

Fraktionschef Pastörs: "Doch recht provinzielles Parkett"
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Fraktionschef Pastörs: "Doch recht provinzielles Parkett"

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Hamburg/Schwerin - Udo Pastörs will als Spitzenkandidat der NPD in den Europawahlkampf ziehen. "Ich kandidiere", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube, dass in Brüssel ein relativ erfahrener Nationalist agieren sollte."

Der 61-jährige Pastörs führt seit 2006 die Fraktion der rechtsextremen Partei in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Aufgabe, die ihn nicht mehr ganz auszufüllen scheint, denn er begründet seine Kandidatur auch mit den "eingefahrenen Gleisen" und "dem doch recht provinziellen Parkett" der Landespolitik. Er wolle internationale Politik machen. Die Europawahl findet im Mai kommenden Jahres statt. Sollte Pastörs in das Europaparlament einziehen, wolle er vor allem sondieren, "mit welchen anderen nationalistischen Bewegungen in Europa Kooperationen möglich sind".

Konkurrenz aus Bayern

Der Politiker, der nach eigenen Angaben 2000 im Zuge des Verbotsverfahrens der NPD beitrat, gilt als Hardliner seiner Partei. In den Parlamentssitzungen in Schwerin tritt er häufig laut und aggressiv auf. Wiederholt fiel er durch Hetze im Plenarsaal auf: Mal bezeichnete Pastörs die Inklusion von Behinderten als "Wahnwitz", mal sprach er von "politischen Gaskammern". Hunderte Ordnungsrufe haben er und seine Fraktionsmitglieder bereits kassiert. Pastörs ist zudem bereits wegen Volksverhetzung und Verleumdung verurteilt worden.

Allerdings ist Pastörs nicht der einzige NPD-Mann, der sich für die Spitzenkandidatur seiner Partei interessiert. Auch der bayerische Landeschef Karl Richter hat sein Interesse bekundet, wie Generalsekretär Peter Marx sagt. Allerdings stehen dessen Chancen angesichts des schlechten Ergebnisses bei der Bayern-Wahl wohl eher schlecht. Richter war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Klage gegen Dreiprozenthürde

"Herr Pastörs ist sicher ein Wunschkandidat von vielen", sagt Marx. Im Januar wolle der Parteivorstand einen Spitzenkandidaten vorschlagen, dann solle dieser auf einem Parteitag gewählt werden.

Pastörs spricht selbst von "dem Gefühl, deutlich Zustimmung zu bekommen". Er kündigt an, einen polarisierenden Wahlkampf führen zu wollen: "Das Ausländerproblem ist das A und O." Bereits während des Bundestagwahlkampfs hatte die NPD die Angst vor Asylbewerbern und Überfremdung geschürt. Im September hatte die NPD 1,3 Prozent erhalten - für die Europawahl hatte Parteichef Holger Apfel beim Parteitag im April zwei Sitze als Ziel vorgegeben. Das entspräche etwa 1,6 bis 1,8 Prozent.

Allerdings hat Apfel seine Rechnung ohne die neue Sperrklausel gemacht, die der Bundestag im Juni beschloss. Um in das Europaparlament zu gelangen, müssen Parteien künftig mindestens drei Prozent der Stimmen bekommen. Zuvor waren es fünf Prozent gewesen. 2011 hatte das Verfassungsgericht die bis dahin geltende Fünfprozenthürde verworfen. Aber auch von der niedrigeren Schwelle fühlen sich die NPD und andere kleinere Parteien benachteiligt, sie klagen deshalb vor dem Bundesverfassungsgericht.

Zudem hat die NPD Konkurrenz durch die starke AfD bekommen: Die eurokritische Partei mit rechtspopulistischen Tendenzen holte bei der Bundestagswahl aus dem Stand 4,7 Prozent.

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Seite 1
woswoistndu 11.10.2013
1. was für ein Witz
Ein Euro-Gegner auf allen Ebenen kandidiert für das EU-Parlament. Das Geld scheint wirklich alle zu sein.
derbergischelöwe 11.10.2013
2. Apropos Konkurrenz zw. AfD und NPD
Die CDU hat Konkurrenz durch die PBC (Partei Bibeltruer Christen) bekommen, die SPD&Linke durch die MLPD und die Grünen durch DIE PARTEI. Nicht zu vergessen SPON, das Onlinemedium spürt immer mehr die Konkurrenz zum Satire-Magazin Titanic... Was hat das hier noch mit halbwegs objektiven und handwerklich korrektem Journalismus zu tun? Das sind Diffamierungen ohne Bezug zur Realität. Verstehen Sie es doch endlich: die AfD ist eine Partei der Mitte, sie ist NICHT rechstpopulistisch und schon gar nicht rechtsextrem. dafür gibt es keine Belege, also hinken derartige Vergleiche mit der NPD. Sie verunglimpfen damit über 2 Millionen Wähler, 20.000 AfD-Mitglieder und Hunderttausende Sympathisanten. Setzen Sie sich doch bitte inhaltlich mit der AfD auseinander, es wäre langsam an der Zeit...
frubi 11.10.2013
3.
Zitat von sysopimago Die NPD stellt sich für die Wahlen zum Europäischen Parlament auf: Als Spitzenkandidat will Udo Pastörs antreten. Der Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern gilt als Hardliner der rechtsextremen Partei - ihm droht innerparteiliche Konkunrrenz. Europawahl: Hardliner Pastörs will NPD-Spitzenkandidat werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/europawahl-hardliner-pastoers-will-npd-spitzenkandidat-werden-a-927426.html)
Wenn Pastörs den Mund aufmacht und seine Tiradem vom Stapel lässt, dann ist das selbst den dümmsten Nazis extrem peinlich. Der Typ ist in etwa so gefährlich wie ein Panda Baby. Letztlich bin ich froh das es die NPD gibt und nicht so eine Bewegung wie in Griechenland. In der NPD versammeln sich die paar fristrierten Menschen ohne Job, Ausbildung und Verstand, die es in jedem Land gibt und die man auch niemals los wird. Doch ich sehe diese Leute lieber in einer legalen Partie als im Untergrund. Im Untergrund kann man nicht sehen, ob es sich im lächerliche Affen oder gefährliche Extreme handelt.
haltetdendieb 11.10.2013
4. Überrachung!
Wer hätte denn das gedacht. Front National räumt in Frankreich ab, Pastörs bekommt in Deutschland nicht einmal 1%. Aber das ist eine Meldung wert und man darf auch im Forum schreiben. Beim Artikel zum Front National gab es kein Forum, warum eigentlich? Ist es nicht komisch, ist es nicht, dass es in ganz Europa rechtskonservative Parteien gibt, in Deutschland nur die Lachtruppe des Herrn Pastör? Rechtskonservative Parteien stellen jetzt die Mehrheit in Holland mit Geert Wilders und in Frankreich mit Marie le Pen. Und das ist erst der Anfang, denn es werden noch mehr Rote Kreuze in allen Ländern Lebensmittelpakete verteilen. Wir können in Deutschland nur froh sein, dass die Kaspertruppe von Herrn Pastörs so dümmlich auftritt, so dass sie so gut wie niemand ernst nimmt. Aber wenn auch in Deutschland die Ersten Suppenküchen aufgemacht werden, wer weiß, wie es dann weiter geht. Dann wird es wahrscheinlich auch in Deutschland eine ernstzunehmende Rechtskonservative Partei geben. Und das ist nicht die AfD!
till2010 11.10.2013
5.
Haben die bei der NPD denn auch seinen Stammbaum auf arische Reinheit prüfen lassen. Denn schließlich wollen die doch einen waschechten Nazi nach Brüssel schicken.
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