Analyse zur Europawahl Das sind die Hochburgen der AfD

Wo hat die eurokritische AfD ihr bestes Ergebnis erzielt? Wo haben Union und SPD ihre Hochburgen? Und in welchem Landkreis halten die Wähler den Liberalen die Treue? Die Ausreißer.
Bernd Lucke: Er sieht seine AfD als "neue Volkspartei"

Bernd Lucke: Er sieht seine AfD als "neue Volkspartei"

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Hamburg/Brüssel - Zum ersten Mal ist die Alternative für Deutschland (AfD) bei einer Europawahl angetreten. Sieben Prozent haben die Euro-Kritiker geholt - das sind sieben Mandate im neuen Europäischen Parlament. Ein gutes Ergebnis, Parteichef Bernd Lucke spricht bereits euphorisch von der AfD als "neuer Volkspartei".

Von diesem Status sind die Euro-Kritiker noch weit entfernt, auch wenn sie in ihrer Hochburg, im baden-württembergischen Pforzheim, stolze 14,5 Prozent erreicht haben. Damit landeten sie hinter CDU und SPD auf Platz drei. Viele der Stimmen dürfte die AfD von enttäuschten FDP-Wählern bekommen haben. Die Liberalen erhielten 2009 in Pforzheim noch 15,6 Prozent Zustimmung, jetzt liegen sie nur bei 4,6 Prozent - ein Absturz.

Die AfD profitiert aber nicht nur von der Schwäche der FDP, sie verzeichnet auch dort zweistellige Ergebnisse, wo die wirtschaftliche Lage im bundesweiten Vergleich schlechter ist - zum Beispiel im brandenburgischen Frankfurt (Oder) oder im sächsischen Görlitz. In diesen Regionen liegt die Arbeitslosenquote bei zwölf Prozent und mehr. Oder im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, wo das BIP pro Kopf mit weniger als 20.000 Euro gering ausfällt. (Klicken Sie hier, um die interaktive Deutschlandkarte mit den Daten zu Wirtschaftskraft und Arbeitslosigkeit zu sehen).

In den Regionen, in denen die Union traditionell stark und fest verankert ist, hat die AfD kaum Chancen. In der Grafschaft Bentheim in Niedersachsen liegt sie nur bei 2,8 Prozent - es ist bundesweit ihr schlechtestes Ergebnis. Auch in CDU-Hochburgen wie Cloppenburg reicht es für die EU-Skeptiker nur für 3,6 Prozent.


Die Ausreißer-Ergebnisse der anderen Parteien im Überblick:

Die CDU holt ihr Spitzenergebnis in ihrer Hochburg Vechta: 65,1 Prozent (bundesweit: 30 Prozent). Damit verbessert sie sich um 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Europawahl. In Potsdam, wo SPD und Linke stark vertreten sind, wird die Union mit 16,5 Prozent nur dritte Kraft.

Die FDP erhält durchschnittlich nur noch 3,4 Prozent Zustimmung. In ihrem einstigen Stammland Baden-Württemberg bekommt sie ihren bundesweit besten Wert: 13 Prozent in Freudenstadt. Allerdings hat sich das liberale Ergebnis dort damit mehr als halbiert (2009: 26,7). Im bayerischen Schwandorf erreicht die FDP ihren Tiefstwert von 1,2 Prozent.

Gelsenkirchen ist fest in der Hand der SPD. Sie schafft in der nordrhein-westfälischen Stadt mit 46,1 Prozent ihren Topwert (bundesweit: 27,3 Prozent). Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist sie nur vierte Kraft: Die Sozialdemokraten liegen mit 11,4 Prozent noch hinter der AfD mit 12,5 Prozent (siehe oben).

Freiburg bleibt grün: 27,7 Prozent stimmten in der Universitätsstadt für die Grünen, doch der Abstand zur zweitplatzierten SPD ist im Vergleich zur letzten Wahl geschrumpft (2009: 13,5 Prozent, jetzt 3,1 Prozent). Im Kyffhäuserkreis in Thüringen sind die Grünen (2,7 Prozent) schwach. Deutschlandweit hat die Ökopartei 10,7 Prozent bekommen.

Die Linke schafft ihr Topergebnis im thüringischen Suhl: Mit 33,9 Prozent ist sie dort stärkste Partei, auch wenn sie leichte Verluste von 2,8 Prozentpunkten im Vergleich zu letzten Europawahl hinnehmen muss (im Bund: 7,4 Prozent). Im bayerischen Landkreis Straubing-Bogen erhält die Linkspartei mit 1,4 Prozent ihren schlechtesten Wert.

Für die kleinen Parteien galt erstmals keine Sperrklausel mehr. In diesen Regionen ist ihre Unterstützung am größten:


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