Evangelischer Kirchentag CDU-Politiker kritisiert Kirchen für "Einmischung"

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn fordert die Kirchen auf, sich aus der Tagespolitik rauszuhalten. Sie sollten sich auf "ihre Kernthemen" konzentrieren. Kanzlerin Merkel ist da anderer Meinung.

Jens Spahn
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Jens Spahn


Der CDU-Politiker Jens Spahn hat die Kirchen dazu aufgefordert, sich mehr auf "ihre Kernthemen" zu konzentrieren. Er forderte einen Fokus auf Seelsorge, Glaubensvermittlung und das Karitative. "An zu vielen Stellen machen die Kirchen nicht mehr das, wofür sie da sind", sagte Spahn der "Heilbronner Stimme" und dem "Mannheimer Morgen".

"Stattdessen mischen sie sich [...] zu sehr in die Tagespolitik ein und machen sich so nur zu einem von vielen Interessenvertretern." Auch fehle den Kirchen oft der Realitätsbezug, kritisierte der Christdemokrat. Er vermisse bei Predigten und öffentlichen Äußerungen von Kirchenvertretern eine "ehrliche Klarheit".

Der Zeitpunkt für Spahns Äußerungen dürfte kaum zufällig gewählt sein. In Berlin und Wittenberg läuft noch bis zum Sonntag der 36. Evangelische Kirchentag. Zu dem fünftägigen Treffen erwarteten die Veranstalter rund 140 000 Teilnehmer. Auf dem Programm stehen rund 2500 Veranstaltungen, darunter Gottesdienste, Bibelarbeiten, Diskussionsrunden mit Politikern, Vorträge, Konzerte und Ausstellungen.

Merkel diskutiert mit Obama

Ein Höhepunkt der Veranstaltung ist bereits für Donnerstagvormittag angesetzt.Vor dem Brandenburger Tor diskutiert der frühere US-Präsident Barack Obama mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über das Thema "Engagiert Demokratie gestalten".

Allein zu dieser Debatte werden bis zu 80.000 Zuschauer erwartet. Merkel hatte bereits am Mittwochabend betont, Religion gehöre für sie in den öffentlichen Raum. Die Kirchen sollten sich ruhig immer wieder in öffentliche Debatten einmischen. "Man kann dann darüber streiten - und das machen wir auch", sagte sie vor dem Evangelischen Arbeitskreis von CDU/CSU.

Gleich im Anschluss an die Debatte mit Obama fliegt Merkel nach Brüssel, wo sie auf dem Nato-Gipfel dessen viel kritisierten Nachfolger Donald Trump trifft. Obama selbst reist nach Baden-Baden weiter, wo er den 25. Deutschen Medienpreis entgegennimmt.

"Christen in der AfD?"

Auch bei einem weiteren Kirchentags-Vortrag dürfte es spannend werden: Bischof Markus Dröge und andere Teilnehmer stellen die Frage nach "Christen in der AfD?". Später wird die Lange Nacht der Religionen gefeiert. Hier machen dann auch andere Religionsgemeinschaften mit: neben Christen etwa Juden, Buddhisten, Muslime und Hindus.

Eröffnet wurde das Treffen zum Reformationsjubiläum am Mittwochabend mit drei Open-Air-Gottesdiensten: Vor dem Reichstag, vor dem Brandenburger Tor und auf dem Gendarmenmarkt versammelten sich nach Angaben der Veranstalter insgesamt 70.000 Menschen. Zum Abschluss fahren am Sonntag viele Gläubige in das etwa 100 Kilometer entfernte Wittenberg, um auf den Elbwiesen einen großen Gottesdienst zu feiern.

mak/dpa



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isegrim der erste 25.05.2017
1. Wie sich eine Kirche definiert, was sie ist und was sie tut,
das entscheiden Papst, Bischöfe und Gläubige. Ein einzelner Politiker vom rechten Rand der CDU hat da keine Entscheidungsbefugnis.
mwspi 25.05.2017
2. Kompetenzüberschreitung
Ja, die Kirche soll sich mit den Themen auseinandersetzen, für die sie sich als "Vertreter Gottes" selbst eingesetzt haben. Und selbst diese Themen werden allem Anschein nach nur unzureichend von ihnen bedient -- wie ja deutlich an der hohen "Gläubigen"-Flucht aus der Kirche zu erkennen ist. Die Kirchenfürsten meinen sie können sich selbst auch auf allen anderen Gebieten (Politik, Gesellschaft,Wirtschaft ect.) für zuständig erklären. Wenn sie diese Zeit wieder für ihre kirchlichen Schäfchen einsetzen, laufen vielleicht nicht auch noch die restlichen weg. mwh
StonyBrook 25.05.2017
3. Missverständnis
"Ex-Bundespräsident Gauck sagte auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise: 'Unser Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind begrenzt'. Diese ehrliche Klarheit vermisse ich leider zu oft bei Predigten und öffentlichen Äußerungen von Vertretern meiner Kirche", so Spahn --- Spahn missversteht offenbar das Konzept der christlichen Nächstenliebe, wenn er an die Aussagen der Kirchenvertreter dieselben Maßstäbe anlegt wie an die eines (Ex-)Bundespräsidenten. Im Gegensatz zum Bundeshaushalt sollte die christliche Hilfsbereitschaft keinen Halt vor Einschnitten am eigenen Wohlstand machen. Das kann man naiv finden, aber es ist nicht Aufgabe der Kirchen, beim Thema "Unterstützung von Bedürftigen" auf der Bremse zu stehen. Die christliche Lehre ist hier doch unmissverständlich. In der Realität werden sicher nur wenige Christen diesem Maßstab gerecht (und als Christ bin ich mir dessen auch schmerzlich bewusst), aber ich kann ihn doch nicht verleugnen. Ich wäre enttäuscht, wenn sich die Kirchenvertreter hinstellen würden und sagen würden: "Hilfsbereitschaft hat ihre Grenzen. Irgendwann ist auch mal gut, wir können nicht allen helfen."
eifrigerleser 25.05.2017
4. Aus meiner Sicht
sollte in Deutschland endlich die endgültige Trennung zwischen Staat und Kirche vollzogen werden. Es kann nicht sein, daß sich die Kirche andauernd in die Politik unseres Staates einmischt. Was wir anderen Ländern, insbesondere aus dem muslimischen Raum vorwerfen, haben wir in Deutschland auch noch nicht abschließend geregelt.
lupo44 25.05.2017
5. Christen in der AfD..... Christen in der SPD und CDU.....
das sind Themen die eines Kirchentages als Disskussionsgrundlge nicht zu stehen.Parteipolitisch haben alle Menschen entsprechend der demokratischen Wahlen in Deutschland diese genannten Parteien gewählt. Das meint ua. Herr Span zu Recht ist kein Thema der Kirchen .Hier sollten die Themen Nächstenliebe ,Armutund deren Bekämpfung,Terror und dessen Bekämpfung,Frieden auf den Straßen und Plätzen eine wesentliche Rolle spielen. Die Kirchen lassen sich derzeitig politisch instrumentalisieren.von den Herrschenden. Die Bibel sagt auch hierzu einiges aus -die herrschenden zur Zeiten von Jesus Christus haben auch das gemeine Volk leider nicht immer zu gehört,ihre Nöte ,ihre Wünsche.
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