Ex-CDU-Schatzmeister Prinz zu Sayn-Wittgenstein gestorben

Der ehemalige Schatzmeister der hessischen CDU, Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein, ist tot. Sein Name ist untrennbar mit der Finanzaffäre der Christdemokraten verbunden. Sayn-Wittgenstein wurde 93 Jahre alt.

Politiker Sayn-Wittgenstein: Im Alter von 93 Jahren gestorben
ddp

Politiker Sayn-Wittgenstein: Im Alter von 93 Jahren gestorben


Wiesbaden - Eine der Schlüsselfiguren der hessischen CDU-Finanzaffäre des Jahres 2000 ist tot. Der langjährige Schatzmeister der Landespartei, Casimir Prinz Wittgenstein, starb laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am vergangenen Sonntag in Hamburg. Ein Sprecher der Hessen-CDU bestätigte den Tod am Donnerstag in Wiesbaden, ohne weitere Einzelheiten mitzuteilen. Wittgenstein wurde 93 Jahre alt.

Im Zuge der Affäre gelangte die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Spitze der CDU. Der damalige Schatzmeister hatte gemeinsam mit dem späteren Bundesinnenminister Manfred Kanther und dem Finanzberater der Hessen-CDU, Horst Weyrauch, Ende 1983 insgesamt 20,8 Millionen Mark (umgerechnet 10,61 Millionen Euro) aus der Kasse der Landespartei in die Schweiz transferiert. In den Folgejahren verschwieg die Hessen-CDU die Existenz der Millionen, die daraufhin 17 Jahre lang in keinem Rechenschaftsbericht der Partei auftauchten. Woher das Geld ursprünglich stammte, konnten Untersuchungsausschüsse von Bundestag und hessischem Landtag nicht klären.

Als Ende 1999 rätselhafte Geldzuflüsse in Millionenhöhe an die Landespartei bekannt wurden, versuchte Wittgenstein dies damit zu erklären, reiche Juden im Ausland hätten die Partei als Erbe eingesetzt. Tatsächlich stammte das Geld aus der schwarzen Kasse in der Schweiz. Für die Legende von den "jüdischen Vermächtnissen" musste sich der CDU-Landesvorsitzende, Ministerpräsident Roland Koch, später beim Zentralrat der Juden entschuldigen.

Die von Wittgenstein und seinen Parteifreunden unterhaltene schwarze Kasse kam die CDU teuer zu stehen. Der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) forderte 2000 von der CDU rund 21,1 Millionen Euro aus der staatlichen Parteienfinanzierung zurück. Um die finanziellen Folgen aufzufangen, musste die CDU eine Sonderabgabe unter ihren Mitgliedern einführen. Wittgenstein wurde 2004 gemeinsam mit Kanther und Weyrauch vor dem Landgericht Wiesbaden wegen Untreue angeklagt. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands musste das Verfahren gegen den ehemaligen Schatzmeister jedoch im März 2005 eingestellt werden.

Der Industrielle wurde am 22. Januar 1917 in Frankfurt als Spross eines weit verzweigten Adelsgeschlechts geboren. 1961 trat er in den Vorstand der Frankfurter Metallgesellschaft ein, wo er später zum stellvertretenden Vorstandschef aufrückte.

ffr/apn/dpa



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