Ex-Ministerin Schröder kämpft immer noch gegen die Frauenquote

Die politische Umsetzung einer festen Frauenquote für die Wirtschaft hakt - unter den Kritikern der Regelung ist die ehemalige Familienministerin Schröder. Sie greift auch Kolleginnen aus der Union an.

DPA

Berlin - Die Frauenquote - man könnte verstehen, wenn Kristina Schröder dieses politische Projekt am liebsten ausblenden würde. Als Familienministerin war die CDU-Politikerin mit ihrem Modell einer "Flexi-Quote", mit dem sich Firmen freiwillig zu mehr Frauenförderung verpflichten sollten, gescheitert.

Die FDP wollte es nicht mittragen, Parteikollegin Ursula von der Leyen meuterte öffentlich gegen Schröders Konzept. Mittlerweile ist das Modell längst abgeräumt, im Koalitionsvertrag haben Union und SPD eine feste gesetzliche Quote vereinbart. Ab 2016 sollen in den Aufsichtsräten der größten börsennotierten Unternehmen 30 Prozent Frauen sitzen.

Über die genaue Ausgestaltung gibt es in diesen Tagen Ärger in der Koalition - eingeschaltet hat sich auch wieder Kristina Schröder, jetzt nicht mehr Ministerin, sondern einfach Bundestagsabgeordnete. Sie sei "diejenige, die uns erfolgreich vier Jahre lang vor der #Frauenquote bewahrt hat!", twittert Schröder.

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Vor der Quote bewahrt? Die Worte der früheren Familienministerin kann man auch so verstehen: Die feste Quote ist schädlich für Deutschland und sie hat das verhindert.

Auch im Bundestag hat sich Schröder dem Widerstand gegen die Frauenquote angeschlossen. "Ich habe eine starre Quote immer entschieden abgelehnt. Die Quote führt nur zu einer neuen Diskriminierung auf Grund des Geschlechts - mit dem Unterschied, dass die Diskriminierung diesmal staatlich verordnet ist", sagte Schröder SPIEGEL ONLINE. Die Quote zwinge die Unternehmen, ihr Personal nach anderen Kriterien als der Qualifikation auszusuchen. Schröder weiter: "Für mich kollidiert die Quote daher mit den Grundwerten der Union und ich habe mich immer gewundert, wie manche Kolleginnen aus der Union das zusammenbekommen haben."

Im Oktober hatte die Ex-Ministerin zusammen mit anderen Unionsabgeordneten aus dem Parlamentskreis Mittelstand einen Beschluss gefasst, der der eigenen Regierung eine Mitschuld an den schlechten Wirtschaftprognosen gibt - und auch die 30-Prozent-Quote infrage stellte.

Forderung: Frauenquote auf den Prüfstand

In dem Beschluss mit dem Titel "Stopp für weitere Belastungen der Wirtschaft" fordern die Parlamentarier alle künftigen Maßnahmen zur Umsetzung des Koalitionsvertrags und darüber hinaus "auf den Prüfstand zu stellen". Als Beispiele nennen sie die Regulierung von Werkverträgen, Anti-Stress-Regelungen und: die Frauenquote.

Derzeit streitet die Regierungskoalition über die genaue Ausgestaltung der festen Quote. Aus der Union kommen immer neue Vorbehalte gegen den von Schröders Nachfolgerin Manuela Schwesig und Justizminister Heiko Maas ausgearbeiteten Gesetzentwurf. Zuletzt hatte Unionsfraktionschef Volker Kauder nach SPIEGEL-Informationen bei Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) sein Veto gegen den Entwurf eingelegt.

Frauen aus Politik und Wirtschaft hatten in den vergangenen Wochen von Kanzlerin Merkel verlangt, die Quote endlich umzusetzen. In einem Brief an Merkel schrieben an diesem Mittwoch Frauenverbände, darunter der Deutsche Ärztinnenbund, der Deutsche Juristinnenbund und der Deutsche Ingenieurinnenbund: "Wir bauen auf Sie, dass Sie mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vereinbarte Gesetz nun zügig verabschieden. Die Störfeuer von Blockade bis Veto nicht nur von Vertretern der Christlich Sozialen Union, sondern auch aus der eigenen Partei, sollten auf keinen Fall dazu führen, den Zeitplan zu ändern."

Auch grüne Frauen hatten einen zornigen Brief an ihre Unionskolleginnen geschrieben und den Kritikern aus der Union "Foulspiel gegenüber den Frauen" vorgeworfen.

Zuletzt war der Frauenanteil in den Vorständen der börsennotierten Unternehmen wieder gesunken.

anr

insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
DMenakker 19.11.2014
1.
---Zitat von SPON--- Vor der Quote bewahrt? Die Worte der früheren Familienministerin kann man auch so verstehen: Die feste Quote ist schädlich für Deutschland und sie hat das verhindert. ---Zitatende--- Sie verstehen das richtig, genau so ist es nämlich. Nicht zu vergessen, dass es für die Frauenbewegung an sich mindestens genauso schädlich ist. Es mauert nämlich das Vorurteil, Mädels können sowieso nix und müssen deswegen aufgrund Geschlechts gefördert werden, quasi in Gesetzesform.
FocusTurnier 19.11.2014
2. Auswirkungen der Frauenquote
In der WiWo kann man(n) (heute ist übrigens Weltmännertag) lesen, wie es gut qualifizierten Männern in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt geht: "Das Problem: Das Unternehmen wollte ihn nur der Form halber kennenlernen. Der Grund: Unter den drei Kandidaten der letzten Runde waren neben ihm auch zwei Frauen mit beachtlichen, wenn auch nicht besseren Lebensläufen. "Der Mann hatte von Anfang an keine Chance", erinnert sich der mit der Kandidatensuche beauftragte Partner einer großen deutschen Personalberatung – der seinen wahren Namen genauso wenig preisgeben möchte wie Grüttner. Zu groß ist die Angst vor Repressalien. "Um eine Chance auf den Posten zu haben, hätte ich ihm eigentlich nur einen Rat geben können: eine Geschlechtsumwandlung." Was auf den ersten Blick wie ein billiger Witz wirkt, entwickelt sich seit einigen Jahren für immer mehr hoch qualifizierte Männer zur bitteren Realität: Weil die Unternehmen eine gesetzliche Frauenquote fürchten wie der Teufel das Weihwasser, üben sie sich panikartig in vorauseilendem Gehorsam." http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/erfolg-im-beruf-maennerkarriere-trotz-frauenquote/10896320.html Da muss man sich die Frage stellen, die sich die FAZ letztens stellte: "Sind Frauen die besseren Menschen?" http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/sind-frauen-die-besseren-menschen-13266736.html Gut und hoch qualifizierte Männer sollten zusehen, daß sie aus diesem Land verschwinden.
Der Terraner 19.11.2014
3. Frau Schröder
war und ist mir sehr sympathisch. Es hat schon seinen Grund, warum sie derartig fertig gemacht wurde.
Loddarithmus 19.11.2014
4. Kann man die ...
"Für mich kollidiert die Quote daher mit den Grundwerten der Union" .. irgendwo nachlesen? Das wäre super! Damit wird man aus jeder Diskussion (Wahlkampf!) als Sieger hervorgehen.
laotse8 19.11.2014
5. Widerlich ...
wenn höchste Posten nicht mehr nach Verstand und Können, sondern aufgrund gesetzlichen Zwangs in erster Linie oder gar ausschließlich nach primären Geschlechtsmerkmalen vergeben werden müssen, tanzt die Dekadenz im Parlament!Viele Frauen wollen zu Recht Karriere machen - kaum eine aber will Kinder mit einem Mann, der ihr in Intellekt und Einkommen unterlegen ist, oder ohne sichere Perspektie dasteht. Und wieviele Müttern und Hausfrauen mit geringerem Einkommen zurechtkommen müssen, weil der männliche Verdiener mangels Geschlechtsumwandlung zur Frau von einer Quotin überholt oder ausgestochen wurde, frägt auch keiner. Deutschland beschleunigt abwärts. Würde man die Gesetze der letzten 10 Jahre samt und sonders streichen und auf dem Level von 2004 weitermachen, wäre ein Boom gewiß.
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