Ex-Terrorist warnt Jugendliche "IS ist die Hölle auf Erden"

Harry S. diente der Terrormiliz IS als Freiwilliger, er kehrte nach Deutschland zurück und sitzt im Gefängnis. Nun will er andere junge Leute davon abbringen, in den Dschihad zu ziehen, wie er dem SPIEGEL sagte.

IS-Terrorist Harry S.
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IS-Terrorist Harry S.

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Ein ehemaliger IS-Terrorist aus Bremen hat sich in einem eindringlichen Appell an Sympathisanten der Miliz in Deutschland gewandt. "Egal in welcher Krise oder schweren Situation man steckt, es gibt keine Rechtfertigung, sich dem IS anzuschließen", sagte Harry S. dem SPIEGEL. "Man wirft nicht nur sein eigenes Leben weg, sondern auch das derjenigen, die dich lieben."

S. war im Juli wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat" (IS) zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er gehört zu den wenigen IS-Rückkehrern, die mit den Behörden kooperiert und umfangreich ausgesagt haben.

Mehrfach soll er in Syrien von IS-Männern angesprochen worden sein, ob er in Deutschland Anschläge verüben wolle. Seine Zeit beim IS nennt Harry S. heute den größten Fehler seines Lebens. In einem Interview mit dem SPIEGEL im Gefängnis Oldenburg sagte er: "Was man dort erlebt, ist die Hölle auf Erden." Nach Verbüßung seiner Haftstrafe würde der 27-Jährige gern vor Schülern auftreten und die Jugendlichen vor dem sogenannten Islamischen Staat warnen. "Das ist eine kriminelle Organisation unter dem Deckmantel des Islam", sagte S. Sie mache Menschen zu Monstern.

"Diese Schilderungen könnten eine erhebliche Wirkung bei Jugendlichen entfalten, wenn sie sie persönlich erreichen", sagte Peter R. Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am Londoner King's College, dem SPIEGEL. "Damit wären die Aussagen ein wichtiger Baustein eines Präventionsprogramms. Entscheidend ist es, junge Leute zu erreichen, ehe sie von Extremisten erreicht werden."

Spezielle Kampftechniken

Harry S. hatte sich Anfang April 2015 in Syrien der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen. Dort soll er auch eine Kampfausbildung durchlaufen haben, in der er spezielle Kampftechniken und den Umgang mit einem Schnellfeuergewehr erlernt haben soll.

Später trat S. als Fahnenträger in einem vom IS produzierten deutschsprachigen Propagandavideo auf. In dem Film wurden Zuschauer aufgefordert, sich dem Dschihad anzuschließen sowie in Deutschland "Ungläubige" anzugreifen und zu töten. Der österreichische Islamist Mohamed Mahmoud ermordete in dem Streifen wehrlose Gefangene.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Sommer 2015 wurde Harry S. auf dem Flughafen in Bremen festgenommen. In der Untersuchungshaft packte er über seine Zeit beim IS aus: Er und ein weiterer Islamist aus Bremen seien gleich nach ihrer Ankunft im Kriegsgebiet von IS-Männern gefragt worden, ob sie sich vorstellen könnten, in Deutschland Anschläge zu verüben. Später seien in der Nähe der IS-Hochburg Rakka maskierte Männer in einem Jeep vorgefahren. Sie hätten ihn gefragt, ob er den Dschihad in seine Heimat tragen wolle. Dazu sei er aber nicht bereit gewesen, so S.

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