Ex-Terrorist Hessen begnadigt Hans-Joachim Klein

Der ehemalige Terrorist Hans-Joachim Klein kann sich endgültig als freier Mann fühlen. Nach Informationen des SPIEGEL hat ihn das hessische Justizministerium begnadigt. Klein war 2001 wegen Mordes zu neun Jahren Haft verurteilt worden, die Strafe wurde 2003 zur Bewährung ausgesetzt.


Hamburg/Wiesbaden - Der am Opec-Überfall in Wien beteiligte Exterrorist Hans-Joachim Klein ist endgültig frei. Das hessische Justizministerium hat nach SPIEGEL-Informationen einen "Straferlass im Gnadenwege" verfügt. Damit wird Klein der auf Bewährung ausgesetzte Rest seiner ursprünglich neunjährigen Freiheitsstrafe erlassen.

Klein auf einem Bauernhof in der Normadie (Archivbild): "Es war doch klar, dass ich nicht gleich wieder ein paar Ölminister entführe"
AP

Klein auf einem Bauernhof in der Normadie (Archivbild): "Es war doch klar, dass ich nicht gleich wieder ein paar Ölminister entführe"

Der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn sagte: "Der Rechtsstaat muss auch einmal vergeben können." Das gelte erst recht für jemanden, der sich wie Klein öffentlich und eindeutig von seinen Taten distanziert und vom Terrorismus losgesagt habe.

Klein selbst, der seit seiner Freilassung 2003 wieder in der Normandie lebt, begrüßte den Schritt. "Es war doch klar, dass ich nicht gleich wieder ein paar Ölminister entführe", sagte er dem SPIEGEL. Klein war als Mitglied der "Revolutionären Zellen" 1975 an einem von dem Top-Terroristen "Carlos" angeführten Überfall auf die Opec-Konferenz in Wien beteiligt, bei dem drei Menschen getötet wurden.

Später distanzierte er sich öffentlich vom Terrorismus und sagte nach seiner Festnahme 1998 als Kronzeuge vor Gericht aus. 2001 wurde er wegen Mordes zu neun Jahren Haft verurteilt. Seine Strafe wurde nach fünf Jahren Haft Ende 2003 zunächst zur Bewährung ausgesetzt. Seitdem lebt Klein wieder in der Normandie, wo er sich schon vor der Festnahme rund 20 Jahre lang versteckt hatte.

Wie der hessische Justizminister Hahn erläuterte, ist der jetzige "Straferlass im Gnadenwege" formell von seinem Staatssekretär Rudolf Kriszeleit verfügt worden. Dem sei eine Vorentscheidung von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vorausgegangen. Wie jeder Mensch, der eine Straftat begangen und dafür gebüßt habe, müsse auch Klein "die Chance erhalten, wieder in die Gesellschaft zurückkehren zu können", sagte Hahn dem SPIEGEL.

Klein habe schon 20 Jahre in Freiheit gelebt, ohne sich erneut etwas zu Schulden kommen zu lassen, sagte der FDP-Politiker der Nachrichtenagentur AP. Und seine öffentlich gezeigte Reue stehe auch im Kontrast zum Verhalten des kürzlich freigelassenen RAF-Terroristen Christian Klar.

Klein selbst reagierte mit einem gewissen Sarkasmus auf die Nachricht von seiner endgültigen Begnadigung. So habe er für die schriftliche Bestätigung seines Straferlasses schon einen Platz reserviert: "Ich hänge das Papierchen in der Toilette auf."

hda/AP



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