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06. Dezember 2009, 14:10 Uhr

Ex-Wirtschaftsminister

FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff ist tot

Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff ist tot. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister starb bereits am Samstag in einem Krankenhaus in Bonn. Er hatte über Jahrzehnte die Politik der Freidemokraten mitgeprägt. Bundeskanzlerin Merkel würdigte ihn als herausragenden Liberalen.

Berlin - Die FDP hat einen ihrer bedeutendsten Politiker verloren: Der ehemalige Parteivorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff starb in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Alter von 82 Jahren. Er sei "von seinen vielfältigen Leiden erlöst worden", hieß es in einer kurzen Erklärung von Lambsdorffs Büro.

Die Todesursache war zunächst noch unklar. Sein Sohn Nikolaus Graf Lambsdorff erklärte lediglich, sein Vater sei plötzlich und unerwartet gestorben. Termine für Trauerfeier und Beisetzung stünden noch nicht fest. Noch vor wenigen Wochen warnte Lambsdorff die neue schwarz-gelbe Bundesregierung vor einem "Schuldenrausch".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Lambsdorff, der zuletzt Ehrenvorsitzender der FDP war, als menschlich wie politisch gleichermaßen herausragenden Liberalen. "Er hat die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland lange Jahre hindurch ordnungspolitisch geprägt und reiht sich ein in die Reihe der großen Persönlichkeiten unserer sozialen Marktwirtschaft", erklärte die CDU-Vorsitzende am Sonntag in Berlin.

Bestürzung bei den Liberalen

Die Spitzen der FDP äußerten sich am Sonntag bestürzt über den Tod des 82-Jährigen. "Wir sind tief traurig", sagte Parteichef Guido Westerwelle. Westerwelle erklärte, mit Lambsdorff verliere die Partei einen ihrer wichtigsten Gestalter und Wegweiser der vergangenen Jahrzehnte. Deutschland verliere einen prägenden Wirtschaftspolitiker, der mit seinem Kompass der sozialen Marktwirtschaft den Weg gewiesen habe, erklärte der Außenminister und betonte die "programmatische Klarheit und kantige Unerschütterlichkeit" Lambsdorffs.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger würdigte Lambsdorff ebenfalls. "Otto Graf Lambsdorffs Engagement für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gehören zu seinem politischen Wirken genauso wie das Eintreten für die soziale Marktwirtschaft", erklärte die FDP-Vizechefin. "Zeit seines Lebens hat Otto Graf Lambsdorff darauf bestanden, dass der Liberalismus als eine umfassende politische Idee vertreten werden muss", so Leutheusser-Schnarrenberger. "Der Liberalismus verliert einen seiner prägenden Liberalen der deutschen Nachkriegszeit", sagte die Ministerin.

Der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardtsprach von einem "großen Verlust eines überragenden Mannes". Gerhardt fügte in einer Stellungnahme hinzu: "In der politischen Geschichte der Bundesrepublik ist seine Handschrift zu erkennen."

Lambsdorffs große Karriere - getrübt durch die Parteispendenaffäre

Lambsdorff bekleidete in seiner langen politischen Karriere viele Ämter. 1951 trat er der FDP bei. Mit dem Einzug in den Bundestag begann 1972 seine bundespolitische Karriere. Er war von 1977 bis 1984 Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, von 1988 bis 1993 führte er die FDP. In der deutschen Regierungsgeschichte ist sein Name mit der "Wende" von der sozial-liberalen Regierung Helmut Schmidts zur CDU/CSU/FDP-Koalition von Helmut Kohl verbunden.

Getrübt wird seine politische Bilanz allerdings durch die Parteispendenaffäre Mitte der achtziger Jahre. In der Affäre um den Flick-Konzern war Lambsdorff 1987 zu 180.000 Mark Geldstrafe verurteilt worden, zuvor hatte er vom Ministeramt zurücktreten müssen.

SPD-Kanzler Gerhard Schröder beauftragte 1999 den FDP-Mann, die Verhandlungen über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern zu führen. Das Verhandlungsgeschick Lambsdorffs in den diffizilen Gesprächen mit Anwälten und Verbänden der Opfer fand hohe Anerkennung. Die internationalen Verbindungen, die Lambsdorff auch als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung hatte, halfen dabei. Als Lambsdorff dieses Amt im April 2006 an Wolfgang Gerhardt abgab, hielt der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger im Reichstagsgebäude die Laudatio auf seinen Freund.

vme/AFP/AP/dpa/ddp

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