Ex-Wulff-Sprecher Glaeseker Der gefährliche Freund

Der Fall Glaeseker wird für den Bundespräsidenten immer mehr zur Bedrohung. Christian Wulff hat seinen Ex-Sprecher entlassen, doch die beiden waren lange eng befreundet. Kommen nach der Durchsuchung des Glaeseker-Büros im Bundespräsidialamt neue Details ans Licht?

Berlin - In der niedersächsischen CDU gehen sie ganz weit auf Distanz. So weit, als sei Olaf Glaeseker jahrelang in der SPD, bei der Linkspartei oder sonstwo engagiert gewesen. "Es hat sich gezeigt, dass Herr Glaeseker immer sehr selbständig gearbeitet hat", sagt Finanzminister Hartmut Möllring. Damit haben wir nichts zu tun, soll das wohl heißen.

Nachvollziehbar wäre es, denn Olaf Glaeseker könnte in der Affäre um Christian Wulff zu einer Bedrohung für den Bundespräsidenten werden. Jahrelang waren sie engste Vertraute und sehr gut befreundet. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Präsidentenkumpel. Vorläufiger Höhepunkt der Affäre: Der Arbeitsraum Glaesekers im Bundespräsidialamt wurde in der vergangenen Woche von einem Staatsanwalt und mehreren Beamten durchsucht.Nun fragt sich manch einer in der Union besorgt: Was kommt da noch alles ans Licht?

Die Öffentlichkeit erfuhr von der Durchsuchung zunächst nichts - erst im Nachgang berichtete am Wochenende die "Bild am Sonntag" von der Aktion. Wulff selbst, der maximale Transparenz in der Affäre um seinen umstrittenen Hauskredit versichert hatte, ließ die Öffentlichkeit in Unkenntnis.

Der Bundespräsident versucht in diesen Tagen, seinen präsidialen Alltag möglichst geräuschlos zu organisieren. Journalisten erhielten schon einmal Einladungen zu zwei seit längerem geplanten Auslandsreisen des Staatsoberhaupts - im Februar nach Italien, danach in mehrere Länder Afrikas. Wulff, so scheint es, will die Angelegenheit aussitzen.

Dabei geht es um handfeste Vorwürfe. Darum, dass Glaeseker einst als Staatssekretär aus der niedersächsischen Staatskanzlei heraus private Sponsoren für einen "Nord-Süd-Dialog" angeworben haben soll, den der Eventmanager Manfred Schmidt für die Länder Niedersachsen und Baden-Württemberg organisiert hatte und auf denen Wulff, damals Ministerpräsident in Hannover, glänzen durfte. In einer E-Mail verwies Glaeseker bei der Anwerbung eines Sponsors, der Deutschen Messe AG, ausdrücklich auf Wulff.

Hält Glaeseker die Buhmann-Rolle durch?

Im Raum stehen Mutmaßungen, dass Glaeseker als Gegenleistung in Schmidts Immobilien in Spanien und Südfrankreich unentgeltlich urlaubte. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen beide, es geht unter anderem um den Vorwurf der Bestechlichkeit.

Der Bundespräsident ist bislang in der Angelegenheit "Nord-Süd-Dialog" nicht belangt worden, auch die Staatsanwaltschaft Hannover sieht bislang keine Erkenntnisse für einen Anfangsverdacht gegen das Staatsoberhaupt.

Die spannende Frage lautet: Wird Glaeseker es sich bieten lassen, zum alleinigen Buhmann aufgebaut zu werden? Wird der Freund doch noch zum Feind? Oder hält seine Loyalität zu Wulff - der ihn bislang bei jedem seiner öffentlichen Aufritte lobte und in Schutz nahm - auch diese Krise aus?

Gut möglich, dass Glaeseker hofft, am Ende um ein Verfahren herumzukommen. Das wäre so vorstellbar: Sollte sich herausstellen, dass er und Schmidt schon vor dem "Nord-Süd-Dialog" eng miteinander befreundet waren, Glaeseker schon zuvor bei Schmidt urlaubte und damit der Vorwurf einer Gegenleistung für erwiesene Dienste nicht zu halten wäre - dann würde das Verfahren womöglich gegen Zahlung einer Strafbefehls eingestellt.

Im Autoreisezug gen Süden

Die Staatsanwaltschaft Hannover wertet zunächst einnmal die beschlagnahmten Daten und Dokumente aus seinem Büro im Bundespräsidialamt aus. Gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Niedersachsen. Mit raschen Ergebnissen rechnen die Ermittler nicht. "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit", sagt Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel SPIEGEL ONLINE am Montag.

Die Behörde erwartet in dieser Woche auch noch weitere Unterlagen aus der niedersächsischen Staatskanzlei. Zudem steht mögliches Beweismaterial aus, das derzeit in der Schweiz ausgewertet wird. Dort hatten eidgenössische Kollegen Geschäftsräume von Eventkönig Schmidt durchsucht. Lendeckel relativierte allerdings Medienberichte vom Wochenende, nach denen sich der Verdacht gegen Glaeseker und Schmidt erhärtet habe. "An unserer Einschätzung zum Anfangsverdacht hat sich nichts geändert", so der Oberstaatsanwalt. Auch von einer möglichen Ausweitung der Ermittlungen auf Wulff wollen die Hannoveraner Ermittler nichts wissen - zumindest nicht offiziell und nicht zum derzeitigen Zeitpunkt. "Wir nehmen alles zur Kenntnis", sagt Lendeckel mit Blick auf mögliche neue Vorwürfe, auch gegen den Bundespräsidenten.

Von Protagonist Glaeseker ist derzeit öffentlich wenig Erhellendes zu erwarten. Er ist seit seinem Abgang zwei Tage vor Weihnachten gegenüber den Medien auf Tauchstation gegangen. Glaesekers Anwalt Guido Frings antwortete bislang nicht auf Anfragen. Die Verteidigung werde "den Vorwürfen im Detail entgegentreten und diese entkräften", hieß es lediglich bislang in einer Erklärung der Berliner Kanzlei.

Partyveranstalter Schmidt hingegen unterhielt sich jüngst mit einem Reporter des SPIEGEL - und erzählte freimütig, wie er mit Glaeseker und dessen Ehefrau zweimal im Autoreisezug in den Süden gefahren sei, wegen Frau Glaesekers Flugangst. "Das macht man nur, wenn man sich richtig kennt", so Schmidt.