Klimaaktivisten "Extinction Rebellion" startet Protest in Berlin

In Berlin hat die Aktivistengruppe "Extinction Rebellion" mit einem Protest für den Klimaschutz begonnen. Dutzende Menschen besetzten einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt.

STEVEN SAPHORE/EPA-EFE/REX

Die Aktivistengruppe "Extinction Rebellion" hat am frühen Montagmorgen in Berlin ihre Protestaktion für mehr Klimaschutz gestartet. Dutzende Anhänger liefen vom Regierungsviertel zur Siegessäule im Ortsteil Tiergarten, wie die Polizei der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Dann hätten die Aktivisten kurz vor Beginn des Berufsverkehrs den Großen Stern - einen Verkehrsknotenpunkt in der Hauptstadt - besetzt. Bislang sei alles friedlich. Zur Zahl der Aktivisten machte die Polizei zunächst keine Angaben. SPIEGEL-Reporter Jan Petter schätzte die Größe der Gruppe auf rund 350 Teilnehmer.

Einige von ihnen hätten sich an den Ein- und Ausfahrten rund um die Siegessäule positioniert, andere setzten sich mitten im Kreisel auf die Straße. Eine echte Blockade sei es aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens zunächst aber nicht gewesen.

Klimaschutz-Variante von "Bella Ciao"

Das größte Problem der Aktivisten war am frühen Morgen die Kälte: "Die jungen Leute wehren sich mit Tanzeinlagen, Rettungsfolie und Früchtetee gegen die Kälte. Einige haben das alte italienische Partisanenlied "Bella Ciao" zu einer Klimaschutz-Variante umgedichtet", berichtet Petter. Er schätzt die meisten Teilnehmer auf Anfang oder Mitte 20.

Die Gruppe hat auf zwei Anhängern Holzteile für den Bau einer "Arche" herangeschafft, ist aber zunächst von der Polizei am Aufbau gehindert worden. Insgesamt war die Stimmung friedlich, die Polizei wirkte gut vorbereitet. Beide Seiten sprachen von Deeskalation. Einer Aufforderung der Beamten, die Aktion anzumelden und einen Versammlungsleiter zu bestimmen, kamen die Aktivisten allerdings nicht nach.

In den frühen Morgenstunden hatte die Gruppe über soziale Medien dazu aufgerufen, sich schnell auf den Weg zu machen. Mit Blockaden und anderen Protestaktionen will "Extinction Rebellion" von Montag an in Berlin und anderen Großstädten in aller Welt auf die drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen.

Am Mittag soll die Seenotrettungsaktivistin Carola Rackete zur Siegessäule kommen und die Aktion dort offiziell einläuten.

Aktionen sollen mindestens eine Woche lang andauern

Aktionen soll es unter anderem auch in London, Paris, Madrid, Amsterdam, New York, Buenos Aires sowie in den australischen Städten Sydney, Melbourne und Perth geben. Die Aktionen sollen mindestens eine Woche lang andauern. Wie genau die Gruppe dabei vorgeht, soll erst wenige Minuten vor Beginn der größtenteils unangemeldeten Aktionen bekannt gegeben werden.

"Extinction Rebellion" (auf Deutsch etwa: Rebellion gegen das Aussterben) kommt ursprünglich aus Großbritannien. Nach eigenen Angaben gibt es die Gruppe seit November vorigen Jahres auch in Deutschland. Sie fordert unter anderem, dass die nationalen Regierungen sofort den Klimanotstand ausrufen.

Alle politischen Entscheidungen, die der Bewältigung der Klimakrise entgegenstünden, müssten revidiert werden. Anders als andere Bewegungen wie Greta Thunbergs "Fridays for Future" sind die Aktivisten von Extinction Rebellion nach eigenen Angaben bereit, Gesetze zu brechen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

asc/mes/dpa/AFP

insgesamt 52 Beiträge
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motoko_kusanagi 07.10.2019
1. Jetzt erst recht - Extinction Rebellion - mit Augenmass
Ich begrüße diese Aktionswoche sehr - gerade nach den jetzt bekannten minimal reduzierten Klimaschutzkarte - aber bitte mit Augenmass. Ziel ist zweierlei: einerseits wirkungsvolle Aktionen FÜR den Klimaschutz und andererseits in einer fantasievollen Form die die Mitmenschen begeistert und mitnimmt. Also mobilisierend wirkt. Handlungen die sich gegen die BürgerInnen wenden (z.B. SUV abfackeln) bringen keine Sympathie sondern Ablehnung. Ich hoffe, dass die jungen Aktivisten da über ihren Betroffenheits-Tellerrand schauen und umsichtig handeln. Diese Bewegung mit FFF wird uns nun längerer Zeit begleiten, den die GROKO ist gestern de fakto aufgelöst worden - der formale Zeitplan kommt bloss nicht so schnell hinterer. Der Generalsekretär die CDU hat zur Urwahl des Kanzlerkandidaten aufgerufen! Der CSU-Voristzende Söder hat seine Bio-Tarnung aufgegeben und zur Vollbremsung aufgerufen! Die SPD muss "nur" noch schnell ihr Show-casting benden und die Groko als gescheitert frist gerecht erklären. Und bittschön hört auf, das autoritäre Regime in Brasilien zu kritisieren: Ihnen gehört der Regenwald und der Amazona, den sie wirtschaftlich nutzen - kostet es die Welt - so wie "wir" die Autoindustrie wirtschaftlich nutzen. Also keine Heuchlerei bitte! Nach der Spieltheorie "Wer blinzelt als erstes" wird das uralte Argument genutzt: Solange die anderen nichts machen, tun wir auch nichts. Also passiert nichts! Das Gute an der kommenden Bundestagswahl 2020 sehe ich darin, dass dann Merkel, Petry und Seehofer ausscheiden. Mit Glück auch Schäuble. Mit noch mehr Glück auch die marktradikale Lindner-FDP.
Rodini 07.10.2019
2. Wirkliche Veränderungen
haben immer auf der Straße angefangen, nie in Parlamenten. Siehe friedliche Revolution in der ehem. DDR u.v.a. Und da unsere Regierung nicht dem Bürger, sondern Lobbyisten verbunden ist, gelten meine meine besten Wünsche den Extinction-Rebellen.
friedrich_eckard 07.10.2019
3.
Bei aller Sympathie und in aller Freundschaft: habt bei Eueren Aktionen Acht darauf, dass Ihr nicht Menschen vor die Köpfe stosst, die als Mitstreiter zu gewinnen das Ziel sein müsste...
AndreasKurtz 07.10.2019
4. Marionettentruppe
Die ExRe Truppe, von der niemand weiss wer sie finanziert und woraus sie erwachsen ist, nur, dass sie ein neues Logo hat, wird sehr verdächtig von allen Massenmedien wie auf Bestellung beworben. Niemals hätte die Aufstehen Bewegung solche mediale Aufmerksamkeit bekommen, obwohl sie radikaler, genauer, rebellischer ist. Meiner Ansicht nach ist das eine von social media affinen regierungsnahen Kreisen gegründete und forcierte Truppe, die Protestpotential einsammeln und von wirklichen Grassrot - Bewegungen (wie FfF, Aufstehen) die nicht so gut kontrollierbar sind, abzuziehen und in gewogene Bahnen zu leiten. Dazu passt, dass ExRe darauf besteht, dass Regierungen und Staaten Bürgervertreter bennen, die dann über diverse Probleme diskutieren sollen. Das nenne sie dann Camp. Esoterisch, wie Dittfurt sie nennt, ist noch harmlos.
m.d._b 07.10.2019
5. Forderungen und dann??
Was ich vermisse, sind die Lösungen. Fordern das bis 2025 der Deutsche CO2 Ausstoss auf Null geht aber keine Lösung anzubieten wie dies umgesetzt werden soll ist nicht konstruktiv. Eine Bitte, vergesst nicht die Länder USA und China. Da wäre diese Art von Protest auch angebracht. Nur die Konsequenzen wären andere. Aber dazu fehlt der Mut bei Mitläufern.
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