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17. März 2017, 17:40 Uhr

Wahlkampf

CSU schaltet russische Kampagne auf Facebook

Die CSU kämpft gerne mit patriotischen Parolen um Stimmen. Nun hat die Partei eine neue Wählergruppe entdeckt: Auf Facebook umwirbt sie die Follower des Propagandasenders RT auf Russisch.

Mit einer ungewöhnlichen Kampagne wirbt die CSU auf Facebook um potenzielle Wähler: Neben den Konterfeis von Horst Seehofer und Andreas Scheuer stehen die Parolen - doch nicht wie sonst auf Deutsch, sondern auf Russisch.

Zwei verschiedene Anzeigen haben Facebook-Nutzer dokumentiert, die Sätze darauf haben es in sich. "Wir wollen keine Republik, in der linke Kräfte und der Multikulturalismus die Vorherrschaft haben", heißt es beim CSU-Chef. Generalsekretär Scheuer soll mit dem Slogan "Der deutsche Pass ist keine Ramschware" punkten.

Die patriotischen Parolen hatte die CSU bereits auf Deutsch auf ihrer Facebookseite veröffentlicht. Nun haben die Christsozialen die alten Anzeigen offenbar neu aufgelegt.

Nach Recherchen der "Zeit" richtet sich die Kampagne nur an bestimmte Nutzer des sozialen Netzwerks. Geschaltet wurden die Anzeigen demnach vom offiziellen Account der Partei. Auf der Facebook-Seite der CSU fehlt von der Kampagne jede Spur. Nur wer sich für die deutsche Seite des umstrittenen russischen Propagandasenders Russia Today (RT) interessiert, bekommt die Werbung zu sehen, berichtet die Wochenzeitung.

Auch die rechtspopulistische AfD hat bereits auf Russisch um die Stimmen der 1,5 Millionen deutsch-russischen Wahlberechtigten geworben. Generalsekretär Scheuer sieht in der aktuellen CSU-Kampagne kein Problem. "Uns interessiert nicht der Sender RT, sondern uns interessieren die Deutschen aus Russland", erklärt Scheuer die ungewöhnliche Werbekampagne.

Gegenüber der "Zeit" machte die CSU laut Bericht keine Angaben dazu, wie viele verschiedene Anzeigen sie geschaltet hat. "Unterschiedliche Anliegen erfordern zwangsläufig auch eine passgenaue Ansprache. Das gilt für unterschiedliche Zielgruppen wie etwa auch die Russlanddeutschen", zitiert die Zeitung einen CSU-Sprecher.

Seehofer wollte die Anzeigen nicht kommentieren. Der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident ist derzeit mit einer großen Delegation zu Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin.

brk/dpa

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